Der Silberprinz: Mr. Bauhaus

Eindringlich: Der Silberprinz | Foto: Oliver Eltinger

„Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeiten ist der Bau!“ Mit seinen kühnen Ideen revolutionierte Walter Gropius in den 1920er Jahren die Architektur. Seinem Leben und Werk als Gründer und Leiter des Bauhauses widmet das Theater der Klänge nun ein Schauspielstück.

Das Bauwerk galt ihm als vollendete Synthese von Kunst und Handwerk. Modern, funktional und sachlich sollte es sein, anders als die von ihm verachtete „Salonkunst“ der traditionellen Architektur. Unter dieser Prämisse gründete Walter Gropius 1919 das „Staatliche Bauhaus in Weimar“, ab dem Umzug nach Dessau (1926) umbenannt in „Hochschule für Gestaltung“. Wer war dieser Mann, der neun Jahre lang eine der einflussreichsten deutschen Kunstschulen führte, von seinen Schülern als Visionär gefeiert, von seinen Kritikern als Funktionalist verachtet? Den man ehrfürchtig „Silberprinz“ nannte, nicht nur ob seiner früh ergrauten Haare, sondern auch wegen seines Charismas?

Freies Ensemble: Theater der Klänge | Foto: Oliver Eltinger

Das Theater der Klänge hat Gropius‘ Leben und Werk während der Zeit von 1919 bis 1928 zu einem hochspannenden Schauspiel verdichtet. „Der Silberprinz – Walter Gropius und das Bauhaus“ behandelt sowohl die politischen Umstände der Epoche als auch private Ereignisse, etwa die erste kurze Ehe mit der skandalumwitterten Alma Mahler. Vor allem aber dreht sich das Stück um das künstlerische Leben in dieser Ära, mit Zeitgenossen wie Oskar Schlemmer, Laszlo Moholy-Nagy oder Fritz Hesse. Ein Bild entsteht -vom Leben und Arbeiten in den Werkstätten und Ateliers – von Diskussionen, Gesellschaften, Kämpfen, Siegen und Niederlagen.

Wie beim Theater der Klänge üblich, ist auch diese Produktion das Werk eines freien Ensembles, erstmals komplett mit fünf neuen Schauspielern und einer Tänzerin besetzt. Zum Konzept gehört außerdem keine klare Positionsverteilung – alle Akteure improvisierten zunächst die verschiedenen Figuren, um so ihre Rolle zu finden (oder von der Rolle gefunden zu werden). Ein Kunst-Handwerk-Verständnis ganz im Sinne von „Mr. Bauhaus“, ebenso wie die Spielstätte: der denkmalgeschützte Gemeindesaal der Kreuzkirche, errichtet 1929/1930 im Stil des „Neuen Bauens“. bk

Der Silberprinz – Neun Blicke auf Walter Gropius und das bauhaus: 11.–14.1., Gemeindesaal der Kreuzkirche Düsseldorf, Collenbachstr. 10