Shoah: Sprachlose Narben

| Foto: Les Films Aleph/Why Not Productions

Der systematische millionenfache Mord an Menschen jüdischen Glaubens in der Zeit des Nationalsozialismus ist unter dem Begriff Holocaust, bzw. Shoah, als düsteres Kapitel in die Weltgeschichte eingegangen. Wie lässt sich diese Tragödie im Gedächtnis der Gesellschaft bewahren, auf das sich derartiges nie wieder wiederholt?

Der Essener Verein Filmkunst & Kinokultur wählt anlässlich der 70. Jährung der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz den Weg der filmischen Dokumentation und zeigt am 25. Januar in der Lichtburg die neunstündige Arbeit „Shoah“ von Claude Lanzmann. „Der Film lässt und nimmt sich Zeit“, kommentiert Prof. Dr. Wilfried Breyvogel die außergewöhnliche Länge. Aus seiner Sicht unterscheide sich Lanzmanns Werk aus dem Jahre 1985 elementar von ansonsten gängigen Doku-Fiktionen. „Der Film ist grundehrlich. Er erzählt keine Legenden und zeigt keine Leichenberge.“ Stattdessen führt der Regisseur lange Gespräche mit Tätern und Opfern. Mitunter wirken die Momente der Sprachlosigkeit sogar noch eindringlicher als die schockierenden Erzählungen von Überlebenden wie Richard Glazar, der das Vernichtungslager Treblinka überstand oder dem Auschwitz-Insassen Rudolf Vbra. „'Shoah' lässt den Zuschauer erstarren, er überwältigt ihn und schließlich – mit unendlicher Zartheit und Behutsamkeit, hinterlässt er bei ihm eine Verletzung, eine Narbe“, fasst der Kritiker James Hoberman zusammen.

Als Wilfried Breyvogel 2010 die Memoiren des französischen Filmemachers Lanzmann las, löste dies den Impuls aus, sich intensiver als zuvor mit „Shoah“ zu befassen. Schließlich reifte in ihm der Entschluss, Lanzmann nach Essen einzuladen und den Film in seiner kompletten Länge zu zeigen.

Für die Essener Aufführung ist die Dokumentation in zwei Blöcke zu je zwei Teilen gestaffelt. Vor Beginn, in der Mittagspause und im Anschluss der Aufführung finden Gesprächsrunden, unter anderem mit Claude Lanzmann, statt. Für die Zuschauer besteht zudem die Möglichkeit, die eigenen Gefühle, die „Shoah“ bei ihnen auslöst, vor Ort mit den anderen Gästen zu teilen.

„Ich wünsche mir, dass 400 bis 500 junge Leute den Film sehen werden“, erhofft sich Organisator Breyvogel vor allem eine Sensibilisierung der nachwachsenden Generation für das Thema Judenverfolgung. Aus gutem Grund, denn statistische Untersuchungen zeigen, dass 70 Jahre nach Auschwitz immer noch jeder vierte Deutsche antisemitische Vorurteile besitzt.

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