Die Vögel in Bochum: Proben mit Duden

Die Vögel

In ein paar Monaten wird Romy Schmidt ihren Job als neue Leiterin des Bochumer Prinz-Regent-Theaters antreten. Zuvor stellt sie jedoch erst einmal auf einer ganz anderen Bochumer Bühne ein ganz anderes Theaterprojekt auf die Beine: Im Rahmen von „JobAct Sprachkultur“ entwickelt die Regisseurin zurzeit im Bahnhof Langendreer zusammen mit zwanzig Arbeitssuchenden eine ganz besondere Fassung von Aristophanes’ „Die Vögel“.

„Es ist schon sehr beeindruckend zu sehen, wie sehr sich die Teilnehmenden im Laufe der letzten Wochen verändert, sich geöffnet haben, und was für große Schritte jeder Einzelne, ganz individuell, gemacht hat“, berichtet Romy Schmidt. Auch wer am Anfang noch zögerlich und zweifelnd war, ist nun voller Überzeugung dabei.

Die gemeinnützige „Projektfabrik“ richtet sich mit ihrem Theater- und Qualifizierungsprojekt „JobAct Sprachkultur“ gezielt an Arbeitssuchende mit unvollständigen Deutschkenntnissen. In der ersten (sechsmonatigen) Phase wird gemeinsam ein Bühnenstück von der Idee bis zur Premiere erarbeitet. Später schließen sich dann noch vier weitere Monate mit einem zielgruppenspezifischen Intensivkurs Deutsch und der Vorbereitung auf ein Betriebspraktikum an. Die Teilnehmer sind ganz unterschiedlichen Alters und kommen aus aller Herren (und Damen) Länder: Die Frauenquote ist hier überdurchschnittlich hoch.

Projekt mit Perspektiven

Romy Schmidt am Bahnhof Langendreer

„Wir haben beispielsweise zusammen das Kunstmuseum besucht. Und das Schauspielhaus. Oder auch die Stadtbücherei – und dort gemeinsam gelesen, gelacht, gearbeitet. Und auch jetzt bei den Proben ist immer ein Duden mit dabei. Es ist ja immer viel schöner, ein Wort, das man nicht kennt, nicht im Internet zu suchen, sondern in einem richtigen Lexikon nachzuschlagen, und dann gemeinsam zu versuchen zu verstehen, wie ein Satz vielleicht gemeint ist.“

Die Wahl des Stoffes fiel auf die klassische Komödie „Die Vögel“ von Aristophanes. „Jeder Teilnehmende konnte sich selbst den Vogel aussuchen, den er darstellen möchte. Und es ist faszinierend und teilweise erstaunlich zu sehen, welcher Charakter, welche Persönlichkeit sich am Ende für welche Vogelart entscheidet. Die Teilnehmenden haben ja alle ganz verschiedene Hintergründe, und oftmals auch traumatische Erlebnisse zu verarbeiten.“

Gemeinsam wurden auch die einzelnen Masken erdacht, entwickelt und erstellt. „Im Laufe der letzten Wochen sind hier bei jedem so viele Talente entdeckt und gefördert worden; die Teilnehmer haben sich selbst mit Sachen überrascht, die sich vorher kaum zugetraut hätten“, ist Romy von der motivierenden Wirkung und der nachhaltigen Perspektive des Projekts überzeugt. Und freut sich jetzt, so wie das ganze Team, erst einmal auf die Premiere.

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