Zornige Zofen: Nele Weber im Schauspielhaus Düsseldorf

Ein Mordfall inspirierte Jean Genet zu seinem 1947 uraufgeführten Drama „Die Zofen“: Zwei Dienstmädchen töteten ihre Herrinnen. Regisseurin Nele Weber inszenierte die Tragödie mit leichter Hand und hämischem Humor.

Es ist charmant, wie die Zofen Claire (Xenia Noetzelmann) und Solange (Verena Reichhardt) in Erscheinung treten. Zu den Klängen der Marseillaise darf der Zuschauer sie auf einer Leinwand bereits Backstage beobachten. Stephan Komitschs Videos begleitet die Protagonistinnen auch bei ihrem weiteren Treiben. Die Chefin ist aus dem Haus. Und die Bediensteten spielen ihr ewig gleiches Ritual in den heiligen Hallen der Herrschaften.

Unter opulent über dem Geschehen wogenden Kleidersäcken (Bühne: Anna Bergemann) gibt die zarte Claire gekonnt mal die milde, mal die großkotzige Madame. Die bodenständige Solange bedient sie, knickst devot, lässt sich unablässig von ihr triezen. Servil hilft sie ihr in die „edle“ Verpackung eines güldenen Kleidersackes und weißer Lackpumps, nicht ohne vorher verächtlich in letztere hineinzuspucken. Wie junge Füchse, die den Beutegriff trainieren, üben diese beiden im makabren Rollenspiel die Ermordung ihrer Herrin. Sie sehen keine andere Chance, ihrem tristen Dasein zwischen Küchenabfluss, Gummihandschuhen, engen Hinterzimmern und ständige Verfügbarkeit fordernden Befehlen zu entkommen. Wie sehr sie ihre Arbeitgeber hassen, obwohl diese sie doch ebenso in ihrer willkürlichen Güte versorgen. Aber die Schwestern, die haben sich lieb. Darauf ein fahriges Küsschen, dann ein schräger Abgesang der Beatles-Hymne „All You Need Is Love“.

Das wirkt niedlich und harmlos, doch einen Teil ihrer Killer-Fantasien haben die Schwestern längst in die Tat umgesetzt. Mittels falscher Anschuldigungen haben sie den Herrn des Hauses in den Knast gebracht. Als die First Lady mit von Anna Schudt perfekt persiflierter Grandezza und Verzweiflung heimkehrt, fliegt der mörderische Plan auf. Der vergiftete Tee wird kalt. Und doch wird es ein tödliches Ende geben.

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