Worringer Platz: Spinnenalarm und Entendrama

| Foto: Christof Wolff

Es müssen nicht immer Briefmarken sein! Der Düsseldorfer Künstler und Performer, der sich hinter dem Kürzel Slb verbirgt, sammelt Schlagzeilen. Und das schon seit den seligen D-Mark-Zeiten. Ob es nun um „heiße Bordelle“ geht, „Spinnenalarm“ herrscht oder sich ein „Entendrama“ anbahnt, ist ihm dabei einerlei. Noch bis Ende Februar ist ein Teil seiner Nachrichtenkondensate im Rahmen einer Ausstellung zu sehen. 

„Die Schlagzeilen-Sammlung Slb“ gastiert im Glashaus auf dem Worringer Platz sowie in einigen Zimmern des ebenfalls am Platz ansässigen Hotel friends. Für die Auswahl der Headlines zeichnen mit Oliver Gather und Andrea Knobloch zwei landeshauptstädtische Künstler verantwortlich. Bereits seit Mai 2013 bespielen sie im Rahmen ihres Projekts „Gasthof Worringer Platz“, in dessen Rahmen auch die Schlagzeilen-Schau läuft, den Düsseldorfer Verkehrsknotenpunkt. Alexandra Wehrmann sprach mit Oliver Gather.

Aus wie vielen Schlagzeilen konntet ihr auswählen?

Aus unzähligen! Aus einem unglaublichen Haufen, über Jahre fleißig zusammengetragen, zum Teil noch aus D-Mark-Zeiten …

Nach welchen Kriterien habt ihr dann eure Auswahl getroffen?

Wir wollten gerne pro Hotelzimmer einen roten Faden spinnen, eine Art Mini-Drama mit den Schlagzeilen erzählen. Alle Blätter hingen ja im Düsseldorfer Stadtraum aus, waren also sozusagen in der Stadt verstreut und wurden nun quer durch Zeit und Raum in den einzelnen Zimmern zu kleinen Stadtporträts. Analog zu den Stadtansichten, mit denen viele Hotels ihre Zimmer dekorieren. Von wann die auf die jeweiligen Schlagzeilen stammen, lässt sich in vielen Fällen überhaupt nicht mehr ermitteln. Es gibt allerdings auch solche, die dauerhaft aktuell bleiben. „Oh je, Fortuna zu Hause nur ein mageres 0:0“ genießt in dieser Stadt immerwährende Aktualität.

Die Headlines betreffen also ausnahmslos lokale Themen?

Das liegt in der Natur der Sammlung, ja. Thematisch haben wir uns nicht beschränkt. Themen, die immer wieder vorkommen, sind die Düsseldorfer Karnevals-Skandälchen, Fortunas Niederlagen, Politiker-Schelte. Interessanterweise geht es auch sehr häufig um frei umher laufende Enten …

Entstammen die Schlagzeilen alle dem Express?

Die meisten. Der Express ist ja Lokalmatador in Düsseldorf und hat an jeder Ecke seine Kästen aufgestellt. Vermutlich auch in der Home Zone unseres Sammlers, der die Schlagzeilen wohl eher im Vorbeigehen aufgegabelt hat.

Die Königin der skurrilen Schlagzeilen ist ja eigentlich die Bild. Habt ihr die bei dem Projekt bewusst außen vor gelassen?

Nein, komplett außen vorgelassen haben wir sie nicht. Von der Bild gibt es allerdings nicht allzu viel in der Sammlung. Vielleicht waren deren Schlagzeilen einfach nicht verlockend genug … Parallel zur Ausstellung läuft übrigens eine Langzeit-Performance, die „Schlagzeilen des 13ten“. Dafür lassen wir Headlines von Bild, SZ, NRZ oder FAZ hin- und herübersetzen. Vom Deutschen ins Suaheli, dann ins Türkische, Syrische, Thailändische und so weiter. Zum Schluss dann zurück ins Deutsche. Wir sind gespannt auf die Schlagzeilen, die am Ende der Laufzeit, am 13. Februar, dabei herauskommen.

Liest du selber regelmäßig eine Zeitung?

Am liebsten lese ich Zeitung im Kaffeehaus. Gerne immer mal wieder eine andere, von überregional bis lokal, von Tageszeitung bis zu Monatsblättern. Wenn dann mal kompletter Unsinn drinsteht, lässt sich das mit einem leckeren Heißgetränk viel besser verdauen! Bei den Schlagzeilen geht es uns allerdings gar nicht ums Lesen, sondern um absurde Bilder, die mit einer einfachen Technik erzeugt werden. Wie das funktioniert und wie inspirierend das sein kann, hat auch unsere Schlagzeilen-Werkstatt im Glashaus gezeigt.

Im Rahmen der Werkstatt haben sich eure Ausstellungsgäste aus den bestehenden Schlagzeilen neue zusammengebastelt. Welche der dabei entstandenen ist deine Lieblingsschlagzeile?

Eindeutig „Vorsicht: OB Erwin wieder in der Stadt“.

Ihr scheint ja ein Faible für ungewöhnliche Sammlungen zu haben. Erst die Schimpfwörter von Ingke Günther und jetzt die Schlagzeilen von Slb. Worauf dürfen sich eure Besucher in Zukunft freuen?

Mit der Zimmer-Reihe im Hotel friends, die auch 2014 fortgesetzt werden soll, möchten wir uns tatsächlich auf Sammlungen konzentrieren, die Künstler im Rahmen ihrer künstlerischen Arbeit anlegen. Das sind ja oft sehr skurrile Spezialinteressen. Wir sind selber gespannt, was sich in den Schubladen und Archiven der Kollegen noch so alles finden lässt.

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