This Boy: Die Generation von Morgan

Boys from the Hood: Morgan Nardi und Partner | Foto: Serena Scionti

Während Sneakers-tragende Fünfzigjährige in den Siebzigern noch als Kindsköpfe abgestempelt wurden, prägen genau solche Männer das moderne Stadtbild. Diese Beobachtung machte auch der Choreograph und Tänzer Morgan Nardi. Und verarbeitete sie für sein neuestes Stück „This Boy“, das vom 29. Januar bis zum 1. Februar im Düsseldorfer FFT Juta zu sehen sein wird.

Auch Nardi ist vor kurzem fünfzig geworden und erkennt entscheidende Unterschiede zwischen den heute Zwanzigjährigen und seiner Generation: „Wir hatten in unserer Jugend eine sehr direkte, kommunikative Verbindung zu Menschen. Die Jugendlichen heute sind total von der Technik abhängig.“ Allerdings möchte er die Heranwachsenden nicht reformieren oder kritisieren. Denn die Fünfziger lassen sich genauso von den Vorzügen der digitalen Welt faszinieren wie die Zwanziger: „Meine Generation versucht, sich an die Jugendlichen anzunähern. Wir hören die gleiche Musik, wir tragen die gleichen Klamotten, spielen die gleichen Games. Wir reden mit ihnen wie Freunde. Es ist eine neue Ebene.“

Genau diese will Nardi mit „This Boy“ auf die Bühne bringen. In einem Stück, das sich nicht auf den Tanz beschränkt. „Ich möchte meinen Horizont erweitern“, sagt er mit rollendem „R“. Morgan Nardi und ein junger Mann, „der mein Sohn sein könnte“, werden zusammen singen, performen und tanzen. Auf die Playlist des Stücks, das sich zum Zeitpunkt des Interviews gerade entstand, angesprochen schmunzelt der Italiener: „Entweder spielen wir nur einen Song und covern ihn zu Tode oder wir nutzen verschiedene Lieder und spielen mit den Texten.“

Passend zur aktuellen, digitalen Welt sollen Bildschirme als Lichtspender auf der sonst kargen und dunklen Bühne dienen. Das Hauptanliegen des Choreographen ist es, dem jungen Darsteller sein tänzerisches und künstlerisches Wissen weiterzugeben und etwas von ihm zu lernen. Ob sich daraus zwangsläufig eine künstlerische Vater-Sohn-Konstellation ergibt, möchte der kinderlose Nardi noch offen lassen: „Man hat die Freiheit, es so zu sehen. In meinen Stücken möchte ich mich aber generell nicht in eine Richtung festlegen.“