Schubladen zertrümmern: Schönes Wochenende

Verschönert das Wochenende: Jennifer Koh | Foto: Jürgen Frank

Wer das Düsseldorfer Kulturgeschehen aufmerksam beobachtet, könnte zu dem Schluss gelangen, dass die NRW-Kapitale ein Hort des Mainstreams ist. Je größer das Event, so der ungeschriebene Leitsatz, desto besser wird es in der Stadt angenommen.

Das war keinesfalls immer so. In den 1960ern und 70ern galt Düsseldorf als Hochburg der Avantgarde, als Stadt, in der man sein musste, wenn man sich für Kunst, Architektur und Musik interessierte. Dieses andere Düsseldorf, das zwischen Kö-Bogen-Hysterie, Bussi Bussi und dem dauerlächelnden D beizeiten in Vergessenheit zu geraten droht, soll nun wiederbelebt werden. Und das nicht in subkulturellen Gefilden, sondern im etablierten hochkulturellen Rahmen, in Tonhalle und Robert-Schumann-Saal nämlich.

Dort wird zwischen dem 31. Januar und dem 2. Februar erstmals das Festival Schönes Wochenende über die Bühne gehen. Als „Festival für modernes Hören“ möchte der dreitägige Ausnahmezustand in den Häusern am Rhein gerne verstanden werden. Die Schubladen, in denen die Hörgewohnheiten es sich ach so bequem gemacht werden, sollen zertrümmert werden, die Besucher herausgefordert.

Erzielen möchte man diese Wirkung mit zwölf Konzerten an drei Tagen. Aktuelle neue Musik von Rihm, Eggert oder Banasik steht dabei ebenso auf dem Spielplan wie die Altmeister Stockhausen oder Cage. Klassik-Könner wie Bach, Vivaldi oder Chopin bekommen ein neues musikalisches Jäckchen angezogen. Und improvisiert wird natürlich auch. Ziel: Die alten Meister entstauben, ihre Tauglichkeit fürs Hier und Heute überprüfen.

Den Auftakt macht am 31.1. notabu in der Tonhalle. Das Düsseldorfer Ensemble für Neue Musik feiert 2014 seinen dreißigsten Geburtstag und hat sich von vier Komponisten, darunter Wolfgang Rihm und Krzysztof Meyer, Ständchen auf den Leib schneidern lassen. Am 1.2. verlagert sich das Geschehen dann in den Schumann-Saal, wo unter dem Titel „Motion – Rauschende Dichte“ u. a. eine Musiktanzperformance ansteht. Und am Sonntag kann der Brunch kurzerhand in die Tonhalle verlegt werden, wo schon ab elf Uhr sechs kurze Konzerte mit Cappuccino und Kanapees kombiniert genossen werden dürfen, bevor ab 19.30 das Abschlusskonzert erklingt. Wohlgemerkt, nur für 2014. Denn „Schönes Wochenende“ soll mitnichten eine Eintagsfliege bleiben. Vielmehr möchte die veranstaltende Tonhalle das Festival in Zukunft ein mal jährlich ausrichten.

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