Moxie Network: Gestaltung ist Haltung

Arbeit von moxie: New Fall Festival

Sie sind jung, smart und arbeiten nur für Produkte, „die es verdient haben“. Anders als klassische Werbeagenturen funktioniert das Düsseldorfer Moxienetwork als kreatives Kollektiv – ohne Chef, Controller und Sekretärin, dafür mit jeder Menge frischer Ideen, wie man Kulturbetrieben ein zeitgemäßes Image verpasst. Berit Kriegs hat die Moxies in ihrem Büro in der Düsseldorfer Liesegang Fabrik besucht.

„Ich werde auf einem Schimmel zur Arbeit reiten.“ „Ich werde mich öfters im Morgengrauen duellieren.“ „Ich werde mich an der Macht meiner Gefühle berauschen.“ Vielen ist die „Romantisiere Dich!“-Kampagne zum Schumannfest 2012 noch nachhaltig in Erinnerung. Auch die Plakate zum New Fall Festival gehen auf das Konto von Moxienetwork, ebenso die der Tonhalle. Mit der fing alles an im Jahre 2009. Damals hatte das klassische Konzerthaus ein für viele Kulturbetriebe typisches Problem: Es mangelte ihr an jungem Publikum, und ihr Corporate Design war sterbenslangweilig. Eine neue Marke, die Junge Tonhalle, sollte etabliert werden. Den Pitch gewannen vier Kommunikationsdesigner von der FH Düsseldorf – die Geburtsstunde von Moxienetwork.

Die Welt mitgestalten

Heute gestaltet das Moxienetwork nicht nur das Erscheinungsbild für die Junge Tonhalle, sondern auch fürs Mutterhaus. Dass sie hauptsächlich für Kunden aus dem Kulturbereich arbeiten, sei kein Zufall, sagen die Gründungsmitglieder Dominique Lucien Garaudel und Tim Turiak. „Wir sehen Kommunikationsdesign als Weg, die Welt mitzugestalten“, so Dominique. Kultur habe einen gesellschaftlichen Auftrag, und diesen sichtbar zu machen, der Gesellschaft zu zeigen, was sie von einer Institution wie der Tonhalle eigentlich hat, „das ist eine ganz komplexe Geschichte, bei der wir unsere eigene Denke mit einbringen können“. Zudem sei man mit Kulturkunden mental auf einer Wellenlänge, anders als bei Global Playern wie etwa der Deutschen Bank, „für die wir niemals arbeiten würden“.

Kultur ist naturgemäß anders zu bewerben als Waschpulver oder Zahnpasta. Kultur hat eine Aufgabe, deren Relevanz erklärt werden muss. Das Moxienetwork, mittlerweile auf acht Mitarbeiter angewachsen, die alle noch eigene Projekte betreuen, geht da ganz eigene Wege. Der Kunde wird weitaus stärker involviert, als dies bei klassischen Agenturen – Auftrag, Briefing, jetzt macht mal – der Fall ist. Am Anfang steht die Frage: „Was brauchen die überhaupt?“ Im Dialog sucht man nach Lösungen, was auch solche bedeuten kann, die zuvor nicht auf der Agenda standen, Stichwort digitale Welt. Eine Methode, die für den Kunden mit deutlichem Mehraufwand verbunden ist. „Die Zahnräder müssen eng zusammenlaufen, damit die Sache Substanz hat“, sagt Tim. „Da verbinden sich durch den Kunden und die Agentur zwei Welten, und das führt im Normalfall zu guten Ergebnissen.“ „Für den Kunden ist das anstrengender, aber am Ende hat er immer das bessere Produkt in der Hand“, sagt Dominique. Machbar ist diese Strategie, weil Moxienetwork ein „ideengesteuertes Modell“ und keine unternehmerische Agentur ist. Und, wichtig, auch keine Bürogemeinschaft. Da es keinen Geschäftsführer gibt, der in erster Linie auf die Zahlen schielt, wird so lange gefrickelt, bis das beste Argument gewinnt. „Hier ist keiner, der sagt, ich arbeite das jetzt einfach mal ab.“

Moxie ist man oder nicht

Die Moxies geben gern ein bisschen mehr Gas als andere, durchaus eigennützig. „Wir leben ja auch hier und haben ein gesundes Interesse daran, dass in Düsseldorf was passiert und dieser Lebensraum in unserem Sinne gestaltet wird.“ Das Medium, das schließlich herauskommt, ist nur das Ende einer langen Entwicklung, die sich vor allem inhaltlich mit dem zu bewerbenden Produkt auseinandersetzt. Wenn die Visualisierung des Inhalts so gelingt, dass sie beim Betrachter Emotionen auslöst, ist das Ziel erreicht. „Da muss man hin“, sagt Tim und erzählt, dass bei Moxie haufenweise Leute anriefen, um die Plakate vom Schumannfest oder vom New Fall Festival zu kaufen. „Die Kampagne muss ein Geschenk der Marke an die Menschen sein. Geschenke kommen in der Regel gut an. Sie schaffen Freude und dann Verbindungen zwischen Menschen und Marken.“

Moxie ist übrigens kein Kunstwort, sondern englischer Slang und steht für Mut und Tatkraft. Moxie heißt außerdem Amerikas ältester Softdrink sowie ein See im Bundesstaat Maine. „Wir wollen was machen“, sagt Dominique. „Wir haben Tatendrang, und wir haben auch Mut.“ Den muss auch der Kunde mitbringen. Wow, was für eine Energie, haben schon einige gedacht, dann aber entschieden, das nicht mitgehen zu können oder zu wollen. „Die waren eben unmoxie.“

Moxienetwork sind: Till Paukstat, Dominique Lucien Garaudel, Marius Obiegala, Tim Turiak, Thomas Spallek, Bartholomäus Kaszubowski, George Popov (alle Kommunikationsdesigner) und Stefan Tueshaus (Projektmanager)

Mehr Infos

Hier geht es zur Website von Moxienetwork.

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