Ich bin kein Tier!: Bernard Pomerance's "Der Elefantenmensch“ in Dortmund

| Foto: Edi Szekely

Wenn man bei einer Szene mit Haut und Haaren spürt, wie sich der Autor bereits beim Schreiben die Hände rieb, weil sie so clever, so ausgeklügelt, so verdichtend, so wohlkonstruiert ist. Wenn man sich ihr aber trotzdem nicht entziehen kann. Regie und Ensemble müssen dann wohl den richtigen Ton getroffen haben. „Der Elefantenmensch“ hat solche Momente.

John Merrick spricht Shakespeare, vielmehr: Das grausigste und traurigste Geschöpf der Welt gibt den Romeo. Und Mrs. Kendall, die künstelnd zuvor die Julia rezitierte, verschlägt’s dabei die Attitüden. Eben noch unvereinbar, werden der von Kopf bis Fuß entstellte „Elefantenmensch“ und die formschöne Frau von Welt durch die Macht der Worte und Gefühle aufs Menschsein zurückgeworfen. „Wenn ich Romeo wäre“, schließt Merrick, „wir wären entkommen.“ Die Schöne wird dem vermeintlichen Biest noch ein größeres Geschenk machen. Frank Genser als sein viktorianischer Arzt gibt sich empört: „Wenn wir uns an die Regeln halten, werden wir glücklich sein!“ Aber das Publikum schaut andächtig zu.

Andacht ist nicht immer angesagt in Jörg Buttgereits überraschend getreuen Inszenierung dieses mehrfach verfilmten Stoffes (Videotipp: „Das lange Elend“). Die kleineren Parts im Zirkusrund der Studiobühne scheinen nicht immer mit Blut gefüllt (Christoph Jöde z. B. überzeugt da nur als Merricks früherer Zirkus-Zampano), und wenn mal mit Weißkohl geworfen wird, ist das schon auch ein bisschen doof. Wenn aber zum Schluss Uwe Rohbeck die sterbliche Hülle des Elefantenmenschen ablegt und ihn den Weg allen Menschlichen gehen lässt, gilt der Applaus wohl auch den Maskenbildnerinnen (N. Kohnke / S. Mundt / K. Motz), aber: Schon von Anfang an ist bei Rohbeck/Merrick große, große Würde im Spiel.