Douglas Gordon: Sein und Schein

Douglas Gordon: Can’t stop playing | Foto: Studio lost but found / VG-Bild-Kunst, 2013

Für die Emscherkunst 2010 entwarf Douglas Gordon zusammen mit Olaf Nicolai das „Monument for a Forgotten Future“, das seither auf der „Wilden Insel“ thront. Im Rahmen der Ruhrtriennale realisierte er im letzten Jahr die gespenstische Video-Installation „Silence, Exile, Deceit“ in der Mischanlage auf Zollverein. Aktuell zeigt der 1966 in Glasgow geborene Medienkünstler im Museum Folkwang seine neue Foto-Installation „Everything Is Nothing Without Its Reflection“. Mit Auftritten im Revier geizt der Schotte also keineswegs.

Er lässt sich auch nicht lumpen, die menschlichen Wahrnehmungsmuster und die (trügerische) Wirklichkeit von Erinnerungen stets aufs Neue zu hinterfragen. Diesmal als piktorales Spiegelkabinett, als Konvolut aus gerahmten Fotografien und Spiegel unterschiedlichen Formats, das in Form der Petersburger Hängung die Wände bedeckt. Die Raumdiagonale dient dabei als (gedachter) Spiegel, und in der deckungsgleichen Anordnung auf der Seitenwand sieht sich jedes Bild seinem Spiegel-Pendant, jeder Spiegel seinem Bild-Pendant gegenüber. Allein dem Betrachter ist es nun überlassen, sozusagen im Vorbeigehen den Gordonschen Knoten in einen sich permanent verändernden Raum im Raum aufzulösen und sich dabei beständig selbst zu begegnen.

Innerhalb dieses Verwirrspiels zersplittern die einzelnen Fotoarbeiten bei jedem Schritt im Zerrspiegel von Sein und Schein, von Vergangenheit und Gegenwart. Zu sehen sind beispielsweise einige Stills früherer Filme (u. a. der Elefant aus „Play Dead; Real Time“ oder der Fußballspieler Zinédane Zidane, dem Gordon mit „A 21st Century Portrait“ ein Denkmal setzte) sowie Fotos der Hände und Arme des Künstlers, die sich ebenfalls in vielen seiner Arbeiten wiederfinden. Diese sequenziellen Werkreferenzen paaren sich mit Aufnahmen aus des Künstlers privatem Umfeld: Reisebilder, Kinderfotos, Party-Pics – visuelle Gemeinplätze, die dem Album eines jeden entsprungen sein könnten.

In dieser, in Essen uraufgeführten „photographic pantomime“ setzt Gordon – seit seiner Filminstallation „24 Hour Psycho“ (1993), in der er Hitchcocks Klassiker als Zeitlupen-Stummfilm auf ganze 24 Stunden ausdehnt, zum hochdekorierten Künstler-Star avanciert – seine Auseinandersetzung mit Zeit und Erinnerung, Wiederholung und Serialität, Wahrnehmung und Bewertung fort. Dekonstruktionen, Dualitäten und der Spiegel als Medium der Selbsterkenntnis und Symbol der Vergänglichkeit spielen dabei seit geraumer Zeit eine tragende Rolle.

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