Comiczeichners Jamiri: Essener Schule

Ausgezeichnete Kassierer | Foto: Jamiri

Markenzeichen: brauner Bart und Haare, die zu Berge stehen: Das Alter Ego des Comiczeichners Jamiri aus Essen spielt in seinen fotorealistischen 3-Bilder-Strips meistens die Hauptrolle. Im neu erschienenen Artbook „L’Argh pour L’art“ aus dem Wuppertaler Verlag Edition 52 zeigt Jamiri, dass er mehr kann als nur komisch sein. Fabian Mauruschat hat mit dem geborenen Hattinger über Ruhrgebietsaffinität, Illustrationskunst und nervende Kritik gesprochen.

Dein Artbook erweckt den Eindruck, dass du es deinen Kritikern mal so richtig zeigen willst – musst du so viel einstecken?

Im Web darf ja jetzt jeder was sagen und tut es auch. Das allgemeine Dafürhalten scheint zu sein, dass ich nur eine Taste drücke, um meine Bilder so aussehen zu lassen, wie sie aussehen. Problematisch wird es, wenn mich jemand mit dieser Ansicht bei Amazon in einer Leser-Rezension als „Scharlatan“ hinstellt. Das lässt mich nicht nur mit den Augen rollen – das kann ja richtig Schaden anrichten. Dann kaufen Leute meine Bücher deshalb nicht.

Das Titelbild zeigt dich zornig – was bringt dich so auf die Palme?

Das Cover soll klar zu machen, das dieses Buch anders ist als meine bisherigen, die im Dienste der komischen Unterhaltung standen. Keine Witze, keine Comics, kein lustiger Sprechblasentext. Ich wollte dafür sorgen, dass es niemand versehentlich für großartig spaßig hält.

Du gibst einen Überblick über dein ganzes Schaffen. Welcher Stil oder welche Kunstrichtung hat dich am meisten geprägt?

Mich hat der Naturalismus gekickt wie nichts anderes. Ich liebte Rudolf Hausner, Gottfried Helnwein – der übrigens Hausner-Meisterschüler war – und so weiter. Es ist eine Art Besessenheit.

Hast du einen Namen für deinen Stil? Essener Neofotorealismus? Jamiri-Style?

Also wow! „Neofotorealismus“ hast ja du gesagt. Aber das gefällt mir! „Essener“ führte ja dann eher zur Abwertung … nein, im Ernst. „Essener Schule“, das könnte man fast mal einführen. Wegen Folkwang und Fachbereich 4, da sind so viele tolle Leute draus hervorgegangen.

Welche Comicstrips oder Comics liest du gerne?

Im Allgemeinen lese ich kaum Comics. Toll finde ich aber „Beetlebum“, Piero Masztalerz, Thomas von Kummant und Jan Feindt.

Bisher machst du Comicstrips – wäre eine Graphic Novel nicht mal was?

Ja, sicher. Das wäre mein großes Projekt. Ich würde einmal so amtlich alle unter den Tisch texten und malen. Aber ich bin alt und fett. Ich meine, ich würde das nicht mehr in flammender Ambition nach Feierabend machen. Ich bräuchte, sagen wir zwei Jahre. Das Problem wäre sofort: Wovon lebe ich so lange?

Du illustrierst seit Oktober 2012 für die WAZ. Was müssen Illustrationen im journalistischen Bereich leisten?

Die Aufgabe ist, einigermaßen coole Bilder zu machen, aber ohne dass der silbergraue Abonnent sich angerempelt fühlen könnte. Musste ich mich erst dran gewöhnen. Ich bin doch kooperativ.

Deine Comics handeln im Ruhrgebiet, hier lebst du, hier kommst du her. Bist du ein Ruhrgebietsromantiker?

Ich bin hier geboren und geblieben. Die Freiwilligkeit war dabei eher etwas Sekundäres. Aber das will wieder keiner hören. Letztendlich hat ein Mädchen dafür gesorgt, dass ich bleibe. Und so übel ist es auch nicht.

Dein Artbook ist jetzt raus. Wann kommst du ins Museum?

Wenn der Sarg mein Ansehen entsprechend gehoben hat, vielleicht.