Becker Schmitz: Auf dem Weg zum Glück

Weiß, was richtig ist | Foto: Pascal Bruns

Als Herr Rossi in den 70er Jahren das Glück suchte, wäre er mit Eis vom Nordpol, Kuchen, Kaffee, Törtchen, einem Auto und Sekt schon zufrieden gewesen. Ein Stück vom Glück sieht für den Duisburger Künstler Becker Schmitz anders aus. Er jagt der Schönheit hinterher, immer und immer wieder. Wenn er sie gefunden hat, lässt er seine Arbeit gehen. Und fängt von vorne an.

Becker Schmitz, der auf einen Vornamen verzichtet, findet seine Bilder und die kleinen oder großen Installationen in Räumen schön. „Dieses Wort ist ja nur eine Kurzform für das, was man nicht in Worte fassen kann, was einen aber im positiven Sinn berührt“, sagt der 33-Jährige. Ob einem Betrachter dieser Begriff als erstes in den Sinn kommt, wenn er das halb versunkene Geisterschiff auf dem Bild sieht, die kalkweißen Bäume vor dem düsteren Hintergrund, das eckige braune Haus in einer zu hellen Nacht? Vielleicht nicht, aber es dringt ein Zauber durch, ein Gefühl – und das ist dann tatsächlich schön.

„Das ist mein Indikator, ob ich eine Arbeit in dem Moment als fertig empfinde“, erklärt Becker Schmitz. „Ich bin süchtig nach diesem Gefühl. Sonst würde ich nicht so viele Sachen machen in so vielen Bereichen.“ Er malt Bilder, großformatige wie kleine, zieht schwarze Bänder im Projekt „Hold The Line“, bläst riesige goldene Objekte auf, nutzt Licht und Luft. Und irgendwann kommt das Gefühl. „Manchmal arbeite ich tagelang vor mich hin, wenn ich zum Beispiel diese Schläuche auslege oder das goldene Ding klebe. Als es das erste Mal da war, habe ich gleich mein Mädchen angerufen und ihr gesagt, dass ich jetzt genau weiß, was richtig ist.“

Es war im Jahr 2009, da habe sich auch seine Kunst verändert. Er ließ den sehr comicartigen Stil, in dem Becker Schmitz damals arbeitete, hinter sich. „Das war das, wo ich herkam: Mickey Mouse, Fix und Foxi, die ,Was ist was’-Bücher – plakativ, klar gestaffelt.“ Inzwischen hat er fast alle Fotos dieser alten Arbeiten aus dem Internet genommen. „Da stand ich als Person im Vordergrund, nicht die Malerei“, sagt er. Die Motive von früher tauchen heute noch auf: Bäume, Wälder, Bergsilhouetten, Kringel. „Aber ich habe eine Technik gefunden, mit der ich die Bäume nicht mehr male, sondern nur das Drumherum. Dadurch entsteht Spannung, durch Gegensätze.“ Becker Schmitz malt zum Beispiel nur die dunklen Flächen eines Bildes, eine Lasur über der anderen. Teile der Leinwand jedoch begießt er mit Wasser. Der kalkweise Baum kommt heraus. Oder das Schiff mit dem unglaublichen Faltenwurf auf den Segeln. Glück gehabt. Und weiter.

Becker Schmitz & Pascal Bruns
„Hold The Line“
bis 10.1.
fluxus Studio-Galerie,
Düsseldorf (Bilker Allee 70)

Becker Schmitz
Große Kunstausstellung
NRW Düsseldorf
24.2.
17.3.2014
Museum Kunstpalast
Düsseldorf (
Ehrenhof 4–5)

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