Übernachten im Bauwagen: Alternative auf dem Campingplatz

Ruhrcamping-Inhaberin Simone Bauer vor dem Bauwagen Eiberg | Foto: Lina Niermann

Wer hat als Kind nicht davon geträumt, einmal zu wohnen wie Peter Lustig? Auf einem Campingplatz in Essen kann dieser Traum wahr werden.

Seit 2006 betreibt Simone Bauer ihren Platz direkt an der Ruhr. Auf die Idee Bauwagen als Übernachtungsmöglichkeit anzubieten, brachten sie die Ruhrradler. „Im Jahr 2006 wurde der Ruhrtalradweg viel beworben und zahlreiche Radler haben bei mir angerufen und gefragt, ob wir auch Zimmer vermieten“, erzählt die Inhaberin, „da haben wir gemerkt, dass man in die Richtung etwas machen kann.“ Den ersten Bauwagen holte sie gemeinsam mit ihrem Mann in Essen-Kray ab, die anderen sammelten sie nach und nach aus der Umgebung zusammen. Mittlerweile stehen acht buntbemalte und liebevoll gestaltete Gefährte auf dem Gelände.

In jedem von ihnen stecken rund 300 Arbeitsstunden. Sie alle tragen Namen von Essener Stadtteilen, die auf ihre Herkunft verweisen: Kray, Werden, Rüttenscheid, Horst, Steele, Bredeney, Überruhr und Eiberg. An den Fenstern hat Simone Bauer Schlagläden und kleine Blumenkästen anbringen lassen, in denen Geranien blühen. „Die Wagen haben eine große Fangemeinde“, sagt sie, „viele Gäste, die das einmal ausprobiert haben, kommen wieder.“ Von der Beliebtheit der schmucken Holzgefährte zeugt auch der volle Buchungskalender. Die Wochenenden sind bereits bis Oktober ausgebucht.

Konzept für Kurzurlauber

Die Essenerin bezeichnet ihren Platz gern als „Campinggarten“. Mit seiner possierlichen Größe und dem gepflegten Rasen wirkt er tatsächlich eher wie ein größerer Privatgarten. Rezeption, Kinderspielplatz oder Imbissbude sucht man hier vergebens. Als Simone Bauer den Platz vor elf Jahren übernahm, war schnell klar, dass sich ein so kleiner Campingplatz allein mit Dauercampern nicht rentieren würde. Daraufhin stellte sie das Konzept auf Radtouristen und Kurzurlauber um. Bei den drei übriggebliebenen Dauercampern machte sie allerdings eine Ausnahme. „Die genießen Bestandsschutz“, sagt sie augenzwinkernd. Darunter ist ein Ehepaar aus Gelsenkirchen, dessen Wohnwagen seit 50 Jahren auf dem Gelände steht.

Und dann ist da noch Uwe, die gute Seele des Platzes. „Der ist mir zugelaufen“, scherzt die Inhaberin. „Uwe schlägt seit Jahren sein Sommerdomizil bei uns auf und geht hier gerne angeln. Wenn ich mal weg muss, oder an einem Tag etwas vorhabe, übernimmt er die Rolle des Platzwartes, das ist schon praktisch.“ Der Bauwagenfrau, wie sie sich selbst nennt, ist anzumerken, dass sie mit viel Herz dabei ist. Die Gäste werden von ihr konsequent geduzt und für ein Schwätzchen hat Simone Bauer immer Zeit. Auf dem Platz ist jedes Jahr einiges los. „Oft denke ich mir, ich sollte eigentlich jede Saison ein Buch schreiben“, sagt sie. Lina Niermann

 

 

 

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