Kostümrausch in Dortmund: Theater veranstaltet Verkauf

Der Kostümfundus lädt zum Stöbern ein. | Foto: Julia Kunz

Im ausgelagerten Fundus des Theaters Dortmund können vom 11. bis zum 14. Oktober in Wischlingen um die 10.000 Kostüme über den Verkaufstresen gehen. In der Höfkerstraße 22a stehen schon an die hundert Kleiderstangen bereit. Von Taschen für einen Euro bis hin zu Kleidern mit einem 180-Euro-Etikett sind alle Preisklassen vertreten. Zwischen Alltäglichem hängen dort auch einige Kuriositäten.

„Die Kostüme nehmen Überhand“: so begründet Marianne Rickert, Leiterin der Fundusverwaltung, den Verkauf. Den letzten veranstaltete das Theater vor zwei Jahren, aber „man sieht nicht, dass etwas weggekommen ist“. Kein Wunder, schließlich hat das Sammelsurium Tradition. Obwohl die Eröffnung des alten Stadttheaters schon 1904 über die Bühne ging, blieb der große Erfolg aus. Das änderte sich durch die Öffnung des heutigen Opernhauses im Jahre 1966. Seitdem wandern die Kleidungsstücke abgespielter Produktionen in den Fundus. Die Aufführungsstätte blickt demnach auf 51 Jahre Kostüme zurück. Davon, dass da einiges zusammengekommen ist, kann sich in den nächsten Tagen jeder selbst überzeugen.

Marianne Rickert mit ihrem Lieblingsstück | Foto: Julia Kunz

Tülle in Hülle und Fülle

„Die Fantasie ist gefragt“, sagt Rickert. Die Verkleidungen müssen ja nicht so getragen werden, wie sie sind. Sämtliche Taschen, die alle für einen Euro zum Verkauf angeboten werden, sind kaputt. Sie eignen sich dennoch zur Weiterverarbeitung. Das ist etwas, das im Fundus wichtig ist. „Kostüm“ meint unterschiedliche Dinge. Manchmal ist es ein Kleid mit Unterrock oder eben Jacke, Hose und Hemd. Deshalb wird alles, was dann in Wischlingen ankommt, erstmal auseinandersortiert. Einige Einzelteile arbeitet das Schneider-Team – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – für eine andere Produktion auf und um. Es weiß um die Besonderheiten der Stoffe, aus denen die Gewänder erschaffen wurden. Ob und wie oft die Klamotte in die Waschmaschine darf, ist deshalb von Stück zu Stück anders. Man muss aber kein Scheider sein: Mit Kreativität und Fantasie wird auch zu Hause die normale Hausfrauenschürze zur idealen Festkleidung. Wer mag, kann die eigene Nähmaschine anschalten. So lassen sich im Alltag tragbare Kleidungsstücke zu den wahnwitzigsten Kostümen weiterentwickeln. Sonderbares findet sich aber auch direkt im Fundus. Dort hängt zum Beispiel ein sehr langes Gewand, welches in einer Produktion ein schwebender Engel trug. Ein paar Schritte weiter hat ein Mannequin ein schwarz-rotes Kleid an, das mit weißen Kinderpuppen beklebt wurde. Hier denken auch Unkreative schon an Halloween.

Spezialitäten und Zubehör

Das älteste Kleid, das zum Verkauf steht, ist 52 Jahre alt. Eine Balletttänzerin trug es bei den Salzburger Festspielen 1965 in „Boris Godunow“. Aus einer Oper mit gleichem Titel stammt der Mantel, auf dem eine alte Russlandkarte zu sehen ist. Der ist allerdings erst fünf Jahre alt. Das teuerste Kostüm kostet 180 Euro. Es ist ein Tournürenkleid aus „die Fledermaus“ und aufwendig mit Perlen bestickt. Bei diesem Stil hebt der Unterrock den Stoff nur hinten über dem Gesäß an, sowie es zur Gründerzeit üblich war.  Rickerts persönlicher Liebling ist pink-gelbes Kleid aus der Produktion der Operette „Ritter Blaubart“. 
Zum Verkauf stehen neben den Kostümen auch einzelne Stoffreste. Auf drei Kleiderstangen hängen  beispielsweise aufwendige Spitze oder Textilien, die extra für das Theater neue Farbe erhielten. Die sind besonders interessant, da man sie regulär nicht findet. Auch wenige Schuhpaare stehen zum Verkauf. Neben Cowboy-Stiefeln und Ballett-Schläppchen gibt es ein Paar Plastikschuhe mit mörderischem Absatz. Für den Kopf stehen Offizier- und Matrosenmützen, Hexenhüte und mehr zur Auswahl.

Nicht nur für Leute mit Faschings-Faible

Wer sollte zum Stöbern vorbeikommen? Zu Halloween bietet es sich für wirklich jeden an, die Kleiderstangen zu durchforsten. Doch besonders erwartet Rickert Theater-Liebhaber, Verkleidungsverrückte, Rollenspieler und Cosplayer sowie Museen, die für Ausstellungen sammeln. Die Preise werden durch verschiedenfarbige Etiketten markiert und  die Legende dazu bekommen die Besucher als Flyer am Eingang. Sie können nur mit einer EC-Karte bezahlen. Damit auch alles passt, stehen zur Anprobe verschiedene Umkleiden bereit. Julia Kunz

Theater Dortmund
Kostüm-Außenlager
Höfkerstraße 22a
11.-13.10.: 14-20 Uhr
14.10.: 10-18 Uhr

Fotostrecke:

Kostümverkauf im Theater Dortmund 2017

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