Der Kaffeekünstler: Rösterei in der Garage

Lucas Kemna in seiner Garagen-Rösterei | Foto: Dominique Schroller

In der Garage seiner Eltern hat sich Lucas Kemna seine eigene Rösterei eingerichtet. Von Sprockhövel aus exportiert der Schüler seine Kreationen weltweit.

Schwungvoll öffnet Lucas Kemna das weiße Garagentor und steht mitten in seinem Reich. Maschinen und Verkaufstheke drängen sich dort auf engstem Raum zusammen, dennoch bewegt sich der Schüler mit Leichtigkeit zwischen Kaffee und Bohne. Während der Röster auf Knopfdruck anspringt und nach kurzer Zeit ein malzig-nussiges Aroma verströmt, jongliert der Meister mit Bechern und Gebräu. Jeder Handgriff verrät den erfahrenen Barista. Seit Jahren kreiert der 19-Jährige seinen eigenen Kaffee und verkauft ihn nicht nur in Deutschland, sondern exportiert die heiße Ware bis in die Vereinigten Staaten, nach China und in die Türkei. Die internationalen Beziehungen sind zufällig entstanden. „Einer meiner Kunden hat einen China-Austausch gemacht und die Leute dort probieren lassen. Meistens sind es solche Verkettungen, die das Vertriebsnetz ausweiten“, sagt Lucas Kemna.

Er hat bereits weitere Expansionspläne. Sobald die Abitur-Klausuren geschrieben sind, eröffnet er auf der Hauptstraße in Sprockhövel ein Café samt Rösterei. „Dann habe ich 80 statt 15 Quadratmeter. Es fehlen nur noch die städtischen Genehmigungen“, sagt der Genuss-Experte. Da zum Kaffee auch Kuchen gehört, hat er sich ein Intensivtraining am Herd verordnet. „Seit Tagen backe ich Torten. Die ersten waren ungenießbar, doch meine Mascarpone-Buttercreme ist endlich mal gelungen.“ Barista und Bäcker zu sein, genügt dem Jungunternehmer aber nicht. Er möchte nebenbei studieren – Mathe und Informatik auf Lehramt. Für den Fall, dass er oder seine Gäste irgendwann den Kaffee auf haben. „Dann brauche ich etwas Handfestes.“

Neue Whiskey-Kreation

Dabei ist die Rösterei allein längst schon eine Vollzeitbeschäftigung. „Bis zu 23 Stunden am Tag arbeite ich daran, das Produkt zu verbessern und anzupassen.“ Ständig tüftelt der Schüler an neuen Mischungen und Möglichkeiten, die Rohware zu veredeln. Gemeinsam mit einem Freund hat er sogar eine Whiskey-Kreation ersonnen. „In einem speziellen Verfahren haben wir die Bohnen so veredelt, dass sie das Aroma ohne weitere Zusätze annehmen“, berichtet Lucas Kemna. Jahrelang hat er experimentiert und Erfahrungen gesammelt, in seinem ersten Barista-Kurs war er mit Abstand der Jüngste. „Das Durchschnittsalter lag bei Mitte 30 und alle haben sich über meine Vorkenntnisse gewundert.“ Woher seine Leidenschaft für das schwarze Gold kommt, weiß Lucas Kemna nicht.

„Das hat schon ganz früh angefangen. Meine Oma hat zu jedem Anlass zum Kaffeetrinken eingeladen und ich war sehr gefrustet, dass ich als Einziger keinen bekommen habe.“ Der kleine Schluck in einer Tasse Milch genügte ihm schon damals nicht. Als er später Gäste sagen hörte, der Kaffee aus dem Hause Kemna schmecke ihnen nicht, kaufte er sich seinen ersten Röster für den Eigenbedarf. Bald schenkte er auch an Freunde aus und der Kreis der Fans wuchs. „Irgendwann musste ich Geld dafür nehmen, weil meine Ersparnisse am Ende waren und dann habe ich ein Gewerbe angemeldet.“

Immer neue Aromen

Handgemacht muss er sein, das ist dem Röster wichtig. Dabei entdeckt er immer neue Aromen. Mal sind es fruchtige Kirschnoten, mal die feine Vanille, mal blumige Nuancen, wie bei seiner Sinfonie Nummer drei. „Das ist ein bisschen, wie beim Wein. Je nach Anbaugebiet sind verschiedene Mineralien im Boden gespeichert und die nimmt die Pflanze bis in den Samen der Kirsche auf. Beim Rösten hole ich das lediglich nach vorne, was ohnehin vorhanden ist.“

Das Erfolgsgeheimnis sei die Leidenschaft. Die wachse, je mehr er sich mit seinem Produkt beschäftige. Dabei ist er selbst sein bester Kunde, trinkt vier bis fünf Liter täglich. Eine Lieblingsmischung hat er nicht, die Auswahl folgt dem Lustprinzip. Während die Sinfonie Nummer drei mit ihrer feinen Geschmackskomposition Genussmomenten vorbehalten bleibt, ist der Indian Cherry mit seiner doppelten Dosis Koffein für ihn der perfekte Wachmacher. Lukas Kemna ist überzeugt für jeden den richtigen Kaffee zu haben – außer für Teetrinker. Dominique Schroller

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