Bodenständige Kreationen: Sibylle Boveleth macht Mode in Bochum

Sibylle Boveleth in ihrem Laden mit Atelier. | Foto: Dominique Schroller

Sibylle Boveleth macht Mode für Jedermann. Die Designerin aus Bochum möchte treue Begleiter entwerfen, die nicht nach einer Saison wieder aussortiert werden. Ihre Kreationen sind ebenso bodenständig wie besonders und damit auch ein Stück Ruhrgebiet.

Der Bochumer ist eher bodenständig als modebewusst, die Königsallee kein Laufsteg für ausgefallene Kleiderkunst. Dennoch entwirft Sibylle Boveleth ihre Kollektionen ganz bewusst in ihrer Heimatstadt. „Hier lebe ich, hier bin ich verwurzelt. Die Menschen sind so wie ich – einfach sympathisch“, sagt die 46-Jährige lachend und fährt sich mit der Hand durch die langen dunklen Haare.

Die Stücke aus ihrem Atelier tragen den Stoff des Strukturwandels: Ihre Hosen mit den großen Taschen stammen aus der Arbeitswelt. Sie sind bequem, funktional und trotzdem stadtbummeltauglich. Ihre Hemden und Blusen haben gemütliche Karos oder schmale Streifen, bestehen aus Baumwolle oder weichem Flanell. Das Design liegt im Detail: feine Biesen, glänzende Manschetten, bestickte Knopfleisten oder das eigene Monogramm verleihen dem Bodenständigen das Besondere. „Meine Mode ist alltäglich und dennoch ausgefallen“, betont die Bochumerin. Sie sucht die Spannung zwischen grobem Zwirn und feiner Seide, kombiniert bewusst Arbeiterhemd und Perlenkette. „Das bin ich“, sagt Sibylle Boveleth stolz und ihre Augen leuchten. Angekommen zu sein, einen Weg gefunden zu haben, die eigenen Ideen umzusetzen, macht sie glücklich. „Der Schritt in die Selbstständigkeit war die richtige Entscheidung.“

Mode aus Bochum. | Foto: Dominique Schroller

Erfahrung, aber keine Erfüllung

Das Fundament dafür hat ihre Ausbildung in Antwerpen gelegt. Nach dem Abschluss ihres Studiums in Berlin wollte die Designerin die Atmosphäre dort in sich aufsaugen. „Das war damals die aufstrebende Modestadt, wo ich einfach hin musste.“ Sie bewarb sich an der Akademie und lernte nochmals vier Jahre. „Der Ansatz war ein ganz anderer. Während in Deutschland der Fokus auf marktgerechten Entwürfen und der technischen Umsetzung lag, ging es dort vor allem darum, die eigene Kreativität zu entwickeln.“ Zum Einstieg in den Beruf arbeitet Sibylle Boveleth jedoch zunächst für verschiedene große Unternehmen aus der Branche. Sie sammelte viele Erfahrungen, fand aber keine Erfüllung. Erst als ihr Sohn zur Welt kam, wagte sie die Wende.

„Damals war ich so entzückt von dem Kleinen und spürte so ein Bedürfnis nach Familie, dass ich Shirts und Bademäntel für Mama und Kind entwarf. Mein Vater war sofort so begeistert, dass er auch so ein Hemd haben wollte, allerdings mit Monogramm.“ Anfragen von Freunden und Bekannten folgten und ganz langsam wuchs die Manufaktur aus den Kinderschuhen hinaus. Zunächst verkaufte die Bochumerin ihre Kreationen für Klein und Groß über ausgewählte Boutiquen, dann nutzte sie auch das Internet und veranstaltete kleinere Präsentationen bei sich zu Hause. „Ganz langsam ist alles professioneller geworden.“

Ladenlokal und Atelier

Erst vor einigen Monaten eröffnete die 46-Jährige ein eigenes Ladenlokal mit angrenzendem Atelier mitten in Bochum. Die Resonanz hat ihre Erwartungen übertroffen. „Der direkte Kontakt mit den Kunden ist auch Inspiration, weil ich sehe, wer was anzieht und darin gut aussieht.“ Die Menschen sollen sich mit ihrer Kleidung auch ein gutes Gefühl anziehen, sich selbst als schön empfinden. Sibylle Boveleth möchte Lieblingsstücke schaffen, die Qualität haben und nachhaltig sind. Die Stoffe bezieht sie bewusst aus Europa, lässt in Italien und Portugal fertigen. Sie hält wenig davon, Waren durch die ganze Welt zu schicken, nur um sie noch billiger zu machen. „Dann lieber ausgesuchte Dinge kaufen, die einen lange begleiten.“ Ihre Kollektionen folgen keinem Trend, sind nicht nach einer Saison schon wieder aus der Mode. Vielmehr zieht sie Individualisten an, mit einem Sinn für Farben und Materialien. „Ein gutes Design ist ein gutes Design – auch nach ein paar Jahren.“

Hemden und Hosen mit ihrer Handschrift sollen zwar beliebt, aber keineswegs beliebig sein. Deshalb arbeitet die Bochumerin mit viel Liebe zum Detail. Eine Naht in Kontrastfarbe, ein außergewöhnlicher Knopf, eine stilvolle Applikation und immer wieder die kleine Biene, die längst zu ihrem Logo geworden ist. Liebevoll gestickt lässt sich das Insekt mal auf der Brusttasche, mal auf dem Ärmel oder zwischen den Schulterblättern nieder. „Die Idee ist an einem Abend bei einem Glas Rotwein entstanden. Die Biene passt zu mir, weil sie auch ständig in Bewegung ist. Und Honig ist einfach etwas Wunderbares: Er schmeckt, macht glücklich und ist gesund.“ Sie selbst fühlt sich in ihrer eigenen Kleidung am Wohlsten. Die Arbeiterhose mit den großen Taschen hat sie mit einem karierten Flanellhemd kombiniert, die Ärmel lässig gekrempelt. „Das steht fast jedem, ist bequem und praktisch.“ Eben typisch Bochum. Dominique Schroller

 

 

 

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