Nachhaltig ticken: Dortmunder gestalten Uhr mit Ananasfasern

Feramez Dumus und Julian Steckert haben ihr erstes Uhrenmodell gemeinsam entworfen. | Foto: Dominique Schroller

Julian Steckert und Feramez Durmus verbindet die Leidenschaft für Uhren. Die beiden Studenten wollten die Schmuckstücke jedoch nicht nur am Handgelenk tragen, sondern selbst entwerfen. Beim Armband entschieden sie sich für Exotik: Es besteht aus Ananasfasern.

Täglich schauen wir mehrfach auf die Uhr, sehen wie unsere Zeit verrinnt und rennen ihr hinterher. Das Leben ohne Stunden, Minuten und Sekunden ist für viele nicht mehr vorstellbar. Für Julian Steckert und Feramez Durmus sind Zeiger und Ziffernblatt am Handgelenk allerdings mehr als Messgeräte für den Tagestakt. Die beiden Dortmunder tragen sie als Schmuckstück. „Uns fasziniert einerseits das Thema Zeit und andererseits die persönliche Bindung. Mein Großvater trug immer die Uhr seines Vaters, die für ihn einen ganz besonderen Wert hatte“, berichtet Feramez Durmus.

 Individuell konfigurieren

„Wir Männer haben bei modischen Accessoires auch nicht so viel Auswahl“, ergänzt Julian Steckert. Ihm ist es daher ganz und gar nicht gleichgültig, was er unter Hemdsärmeln oder Pullibund trägt. Ein Statussymbol muss es nicht sein, ein Blickfang schon. „Ein gutes Design ist wichtig“, sagt der 27-Jährige. Da Geschmack aber Ansichtssache ist, haben die beiden Studenten nicht nur einen Zeitanzeiger für das eigene Handgelenk entworfen, sondern daraus auch gleich ein Geschäftsmodell entwickelt. Im Internet können sich die Kunden ihr Schmuckstück individuell konfigurieren und dann bestellen.

Die Uhren mit Dortmunder Design. | Foto: Dominique Schroller

„Vor sechs Wochen sind wir als Kickstarter online gegangen und haben im ersten Monat schon mehr als 200 Exemplare verkauft und 30.000 Euro verdient“, sagt Julian Steckert mit hörbarem Stolz. Im Juni soll die erste Lieferung um den Globus gehen, denn die Abnehmer sitzen in Neuseeland, Kanada, Dubai und New York. „Das ist schon unglaublich, was wir da in unserem WG-Zimmer losgetreten haben“, sagt Feramez Durmus. Der 24-Jährige hat eigentlich mit seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften genug zu tun und sein Freund ist mit dem Abschluss im Wirtschaftsingenieurwesen beschäftigt. „Zeitlich ist es schon sehr eng. Also schlafen wir weniger, aber es macht auch sehr viel Spaß“, sagt Julian Steckert. Das eigene Unternehmen ist ihr Plan für die Zukunft. „Wir setzen da auf das Alles-oder-Nichts-Prinzip“, sagt der eine, „es ist unsere Idee, die wir wachsen sehen wollen“, betont der andere. Zusammen haben sie in den vergangenen 15 Monaten viel in den eigenen Erfolg investiert. Denn von der ersten spontanen Spinnerei bis zum Prototypen vergingen nicht nur Monate, es gab auch einige Grundsatzentscheidungen zu treffen.

Armband aus Ananas

„Ein großes Thema war das Armband. Die meisten sind aus Leder. Doch als wir uns intensiver damit beschäftigt haben, wie dieses Material produziert wird und welche Konsequenzen das für Mensch und Tier hat, kam es für uns nicht mehr infrage“, betont Julian Steckert. Die Suche nach Alternativen gestaltete sich jedoch schwierig. „Wir haben eine Variante aus Papier probiert, die erwies sich jedoch als wenig haltbar“, erinnert sich Feramez Durmus. Bei ihrer Recherche im Netz stießen die Gründer schließlich auf einen Artikel über Ananas-Fasern. „Die Blätter unter der Frucht haben bisher keine Verwendung gefunden. Eine Firma in London hat jedoch ein Verfahren entwickelt, die Fasern zu trocknen und mit Milchsäure zu einem textilähnlichen Gewebe zu verarbeiten.“

Die erste Anfrage der beiden Dortmunder blieb unbeantwortet, doch die Jungunternehmer hakten nach, bestellten ein Teststück und ließen daraus ein Armband fertigen. Das feste Material mit der lederähnlichen Textur und der textilen Haptik ließ sich nicht nur färben und nähen, es war auch tragbar. Bei den Uhrmachern, die Zifferblatt und Gehäuse produzieren sollten, ernteten die Nachhaltigkeitspioniere mit ihren Ananasbändern erhebliche Skepsis. „Die meisten waren alteingesessene Betriebe mit langer Tradition und wenig Sinn für ausgefallene Start-up-Ideen.“ Schließlich fand sich eine kleine Manufaktur mit einem jungen Team, das bereit war, das Wagnis einzugehen. Das Uhrwerk lieferte ein Unternehmen aus der Schweiz.

Keine Kompromisse

„Der direkte Kontakt zu unseren Partnern war uns sehr wichtig. Denn Nachhaltigkeit bedeutet für uns neben den entsprechenden Rohstoffen auch faire Arbeitsbedingungen, gerechte Bezahlung und ein klimaneutraler Versand. In diesen Punkten wollten wir keine Kompromisse eingehen“, betont Feramez Durmus. Trotz sorgfältiger Auswahl und intensiver Absprachen, entsprach das erste Modell nicht den Vorstellungen der Dortmunder Designer. „Es ist eben doch etwas anderes, ob man ein Produkt auf dem Bildschirm sieht oder in der Hand hält. Wir hatten so etwas vorher auch noch nie gemacht“, sagt Julian Steckert. Gemeinsam mit seinem Partner veränderte er das Ziffernblatt und verschlankte das Gehäuse, bis eine zeitlose Basisvariante geboren war, die sich nach Belieben verwandeln lässt. In schlichtem Schwarz oder edlem Braun ist sie ein eleganter Begleiter, mit einem Band in Gold oder Silber garantiert sie einen glänzenden Auftritt. „Es lassen sich ganz verrückte Modelle damit generieren – nicht nur für Männer“, verspricht Julian Steckert. Sollte ihr Produkt ein Erfolg werden, denken die beiden Unternehmer bereits an eine Erweiterung ihrer Palette. Sie könnten sich gut vorstellen, aus den Ananasfasern künftig auch Taschen oder Schuhe fertigen zu lassen. Doch alles zu seiner Zeit. Dominique Schroller


Der Idee einen Namen zu geben, fiel Julian Steckert und Feramez Durmus alles andere als leicht. Nach tagelanger Suche und unzähligen verworfenen Vorschlägen, bastelten sie die Firmenbezeichnung schließlich aus ihren beiden Vornamen zusammen. „Als wir sie aufgeschrieben haben, war Lian und Méz die logische Konsequenz. Wir haben vorher viel zu kompliziert gedacht.“

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