Leseprobe: Sven Regener - Die Rückkehr des Karl Schmidt

„Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“ Vö: 10.9. beim Berliner Galiani-Verlag

Seit Regeners Roman-Debüt "Herr Lehmann" ist eine Frage ungeklärt geblieben: Was wird am Ende aus Herr Lehmanns bestem Freund Karl? Karl Schmidt, der immer alles im Blick hat und seinem Freund Frank hilft, wo er kann, dreht am Ende von „Herr Lehmann“ plötzlich durch. Er zerstört seine eigene Kunstausstellung und verschwindet spurlos. Zwölf Jahre und mehr als 800 Seiten Frank-Lehmann-Schicksal später verrät Regener endlich, was aus Karl geworden ist. „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“ beginnt in Hamburg, fünf Jahre nach Karls Kunstzerstörung.

coolibri liefert bereits vor der offiziellen Buchveröffentlichung mit folgendem Auszug aus dem Kapitel „Schotterbett“ einen exklusiven Einblick in „Magical Mystery“.

Leseprobe: Magical Mystery

„Charlie? Charlie? Charlie?“
„Ja, Raimund, was liegt an?“
„Hör mal, ich hab hier Schöpfis Telefon, mit dem ruf ich an.“
„Okay, Raimund. Deins hab ja auch ich, so gesehen …“
„Genau, deshalb habe ich Schöpfis Telefon, gut, dass der dabei ist.“
„Auf jeden Fall, Raimund. Was liegt denn an?“

„Pass auf, wir sind hier irgendwo in Köln und das Auto ist auf der Straßenbahnschiene irgendwie und wir sind jetzt alle um die Ecke, weil das ein bisschen heikel ist, du weißt schon, was ich meine.“

„Nicht so richtig.“

„Also wir wollten eigentlich noch auf so eine Party, die Schöpfi klargemacht hatte, und dann sind wir alle ins Auto …“

„Wo hattet ihr denn den Schlüssel her?“

„Ich hatte doch noch den zweiten Schlüssel, jedenfalls steht das jetzt da auf den Straßenbahnschienen und man kriegt das da nicht mehr runter, und noch hat das keiner gesehen, aber wenn irgendwann die Straßenbahn kommt oder die Bullen das sehen, dann ist das doch Fahrerflucht oder was …“

„Wieso steht das auf der Straßenbahnschiene?“

„Wir hatten es eilig, also weil wir ins Krankenhaus wollten, der hat so geschrien, der Basti, und …“

„Wieso hat der geschrien?“

„Dem hatte einer die Hand in der Tür eingeklemmt, in der Tür von dem Auto. Jedenfalls können wir jetzt nicht mehr da hin, wenn einer von uns da jetzt hingeht, dann ist der ja der Fahrer und dann Drogenkontrolle und was weiß ich, Alkohol, was die da alles machen, das können wir doch gar nicht riskieren. Außerdem haben wir die Papiere nicht und ich meinen Führerschein auch nicht dabei. Das ging um die Ecke, das Taxi ist vorausgefahren …“

„Welches Taxi?“

„Wir wussten ja nicht, wo ein Krankenhaus ist, da haben wir ein Taxi angehalten und das ist dann vorausgefahren und wir hinterher.“

„Warum habt ihr denn dann nicht Basti in das Taxi gesetzt, hätte er doch damit ins Krankenhaus …“

„Haben wir ja, aber erst später, also jetzt, weil ja unser Auto auf den Schienen ist. Also Basti ist jetzt weg, jedenfalls ist der blöde Taxifahrer so schnell um die Ecke und wir hinter ihm her, aber der war so schnell, dass wir dann weiter geradeaus, und da war dann nur noch für die Straßenbahn, also keine Straße mehr, nur noch das Schotterbett mit den Schienen und da ist jetzt das Auto drauf. Also ich glaube, im Augenblick kommt noch keine Straßenbahn, aber das ist ziemlich dunkel da, ich mach mir Sorgen, wenn da die Straßenbahn um die Ecke kommt, da sind ja auch die Meerschweinchen hinten drin.“

„Bist du gefahren, Raimund?“

„Ich sag nicht, wer gefahren ist, Charlie.“

„Natürlich bist du gefahren, wieso willst du das nicht sagen, ich bin doch nicht die Bullen?“

„Mann, Charlie, das ist doch ein Funktelefon, wer weiß, ob die Dinger abgehört werden, das ist doch alles total einfach abzuhören, da braucht doch bloß einer, da muss man schon aufpassen, und jetzt hör mal auf, mich hier zu löchern, wir brauchen dich, du musst jetzt mal kommen, wir brauchen einen, der die Bullen ruft und den Abschleppdienst und der der Fahrer war und so. Und wenn die das Ding vorher sehen, dann denken die, das war Fahrerflucht, dann wird das ganz übel für dich, deshalb schnell!“

„Gib mal die Adresse.“

Er nannte mir zwei Straßennamen, da stünde er an der Ecke und hätte alles im Blick.

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13.2. Schauspielhaus, Bochum

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