Natürlich mit Stil: Hej Organic möchte Kosmetikmarkt aufmischen

Laura Rath und Nina Steinberg glauben an einen Markt für ihre Produkte. | Foto: Dominique Schroller

Ein Dortmunder Start-up möchte den Kosmetikmarkt aufmischen: mit natürlichen Inhaltsstoffen und frischem Design. Vom Kreuzviertel aus möchten Laura Rath und ihr Team die Welt schön pflegen.

Hej – der dynamische Schriftzug in frischem Grün springt auf den ersten Blick ins Auge. Fröhlich grüßen die drei Buchstaben von der Verpackung herunter. „Wir haben uns ganz bewusst für diese direkte Ansprache entschieden, um uns im Regal abzuheben“, sagt Laura Rath. Die Marketing- und Verkaufsdirektorin von Hej Organic erhofft sich für das zarte Pflänzchen sprießendes Wachstum. Gemeinsam mit ihrem Team möchte sie die Welt dazu bewegen, sich nachhaltig zu pflegen. Die neue Marke soll der Naturkosmetik die selbstgestrickten Wollsocken ausziehen und mit einem auffallend anderen Design zusätzliche Zielgruppen anziehen. „Wir möchten gerade die erreichen, die bisher noch nie mit solchen Produkten in Berührung gekommen sind. Deshalb haben wir besonders an der Verpackung lange gefeilt“, berichtet Laura Rath. Die Inspiration für die konische Kontur der Flaschen und Flakons lieferte schließlich ein Gin, der eher zufällig im Designbüro eines Freundes auf dem Tisch stand. „Die Form hat uns auf Anhieb gefallen und ist inzwischen unser Markenzeichen.“ Was die Hülle verspricht, sollte der Inhalt auch halten. Gesichtscreme, Körperlotion und Duschschaum bestehen aus pflanzlichen Rohstoffen exotischer Herkunft. Argan- und Kaktukfeigenöl, Grapefruit-Extrakt und Lava-Erde bestimmen die Rezepturen, mit denen die Haut aufblühen soll.

Nachhaltige Lieferkette

„Die Wurzeln unseres Geschäftsführers Said Aissaoui liegen in Marokko. Er hat dort sehr enge Kontakte zu verschiedenen Kooperativen, die diese Inhaltsstoffe nach traditionellen Verfahren schonend herstellen.“ Gute Arbeitsbedingungen und eine gerechte Bezahlung seien die Basis der nachhaltigen Lieferkette. „Davon haben wir uns vor Ort überzeugt“, betont Laura Roth. Bei der Herstellung der ersten Produktlinie stützte sie sich auf die Erfahrung ihres Schwiegervaters und Mitgründers, der seit Jahren Naturkosmetik für Fremdfirmen herstellt. „Das hat uns sehr geholfen.“ Was beim Feierabendbier mit Freunden aufkeimte, hat inzwischen erste Früchte getragen. Bei einer großen Parfümeriekette gehören die braun-grünen Tuben und Tiegel bereits zum Sortiment.

Nun hoffen die Unternehmens-Starter vom Ruhrgebiet aus den internationalen Markt zu erobern. „Wir sind aus Dortmund und darauf sind wir auch stolz, doch wir wollen in die Welt“, sagt Laura Rath. Die Marketingleiterin sucht Kontakt zu weiteren Vertriebspartnern in Skandinavien und anderen europäischen Ländern. Für eine Fotostrecke samt Videodreh reiste das Team bereits ins sonnige Kalifornien. Die Bilder sollen ein Lebensgefühl sommerleichter Lässigkeit transportieren und spielen mit Klischees im hippen Retro-Stil: Im sonnengelbem Bully unterwegs nach San Franzisco – in zerrissenen Jeans, Cowboy-Stiefeln und Ethno-Klamotten. Der Coolness-Faktor zielt auf die 20 bis 40-Jährigen, Frauen wie Männer. „Unsere Produkte sind unisex. Bisher kaufen sie überwiegend Frauen, doch auch das wollen wir ändern“, betont Laura Rath. Die 29-Jährige hat bei ihrem eigenen Mann gleich angefangen und ihn vom Gesichts-Tonic nach der Rasur überzeugt. „Das benutzt er inzwischen regelmäßig.“

Frischer Duft mit exotischer Note

Ihre Alltagstauglichkeit mussten die Produkte zunächst in der Heimat, besser gesagt vor der eigenen Haustür beweisen. Beim Testtag in Dortmund kritisierte der gemeine Ruhrpottler ganz ungeschminkt den Duft der Cremes und Wässerchen. Zu intensiv und zu süß lautete das Urteil, das sich die Macher gleich zur Aufgabe machten. „Wir haben daraufhin die Zusammensetzung der ätherischen Öle verändert.“ Herausgekommen ist ein unaufdringlich frischer Duft mit leicht exotischer Note. „Die Reaktionen darauf sind durchweg positiv“, betont Laura Rath. Sie benutzt selbst am liebsten den Reinigungsschaum für Gesicht und Hände, während ihre Kollegin Nina Steinberg besonders häufig zum Körperspray greift. „Eigentlich bin ich verliebt in die ganze Serie“, sagt die neue Markenmanagerin, die nach dem Abschluss ihres Studiums im Februar in die Firma eingestiegen ist. „Mit dem Herzen bin ich schon länger dabei, da ich mit Laura und einem Teil des Teams befreundet bin.“ Die Dortmunderin haben die flachen Strukturen und das große Erfahrungsfeld gereizt. „Hier kann ich überall mit anpacken. Außerdem identifiziere ich mich mit dem Produkt und daran mitzuwirken, setzt viel Energie frei.“ Sie wünscht sich, möglichst viele Menschen mit auf die Reise nehmen und ein neues Lebensgefühl wecken zu können. Ehrgeizige Ziele, der Firmenphilosophie entsprechend.

Zusammenspiel vieler kluger Köpfe

„Es ist unglaublich, wie viel Leidenschaft dort hineinfließt“, betont Laura Rath. Ihr ist es wichtig, Teil eines Teams zu sein. „Das habe ich mir nicht alles alleine ausgedacht – vielmehr ist es ein Zusammenspiel vieler kluger Köpfe.“ Den Schritt von der vermeintlich sicheren Anstellung ins Start-up hat sie bisher nicht bereut. „Ich genieße die Freiheit, Dinge schnell zu entscheiden und umzusetzen.“ Auf der Suche nach Trends hilft ein verzweigtes Geflecht aus Kontakten. „Mein Schwager lebt beispielsweise in China und schaut, was dort angesagt ist. So sind wir beispielsweise auf die Fleecemasken gekommen, die man sich direkt auf das Gesicht legt.“ Getränkt mit Ananas- und Rosenextrakt sollen sie die Haut beleben. Weitere Produkte sollen die Palette künftig noch erweitern. „Gerade experimentieren wir mit lokal gewonnenen Inhaltsstoffen wie Hafer- oder Hanfölextrakt“, berichtet Laura Rath. Das dynamische Hej könnte die Kunden dann vielleicht in frischem Gelb oder leuchtendem Orange begrüßen. Dominique Schroller


Die Experten hat der Auftritt von Hej Organic bereits überzeugt. Der Rat für Formgebung und das German Brand Institute zeichneten das Dortmunder Unternehmen in diesem Jahr mit dem Deutschen Markenpreis (German Brand Award) in Gold aus. „Spannende Marke, die anders auftritt und sich dadurch wohltuend abhebt“, heißt es in der Begründung der Jury.

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