Grafit Verlag: Mordsgeschäft

Team Grafit: Ulrike Rodi (h. l.), Alexander Knobbe, Gudrun Stegemann (v. l.) und Jana Puppala

Jedes Dorf kriegt seine Leiche: Seit den 90er-Jahren sind deutschsprachige Krimis der Renner. Nicht aus dem Englischen übersetzt, sondern original deutsch. Zu den wichtigsten Wegbereitern dieser Entwicklung gehört der Dortmunder Grafit-Verlag, der aktuell 25 Jahre Bestehen feiert. Das Erfolgsrezept geht über das Lokalkolorit hinaus und liegt versteckt unter der Haube der Krimis.

Ulrike Rodi ist alleinige Gesellschafterin des Grafit-Verlages. 1992 fing sie in dem damals dreijährigen Unternehmen als Volontärin an. In dieser Zeit verdiente der Verlag seine Brötchen noch mit Hotel-Führern – zum Beispiel mit einem erfolgreichen Werk über Hotels in der DDR. „Die Hotel-Führer waren damals ökonomisch sehr wichtig“, sagt Rodi. 9,5 Milliarden Euro betrug der Gesamtumsatz der Buchhändler im Jahr 2013 – ein Plus von 0,2 Prozent gegenüber 2012, meldet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Dabei sind deutschsprachige Krimis seit Jahren ein fester Bestandteil. Das war nicht immer so, vor den 1990er-Jahren wurden die meisten Krimis, die die Deutschen lasen, aus anderen Sprachen übersetzt.
„Wir haben uns immer deutschsprachige Krimis auf die Fahne geschrieben“, sagt Ulrike Rodi, „es sollten aber immer gute Texte sein, spannend, mit interessanten Figuren.“ Dabei ist unter anderem der Detektiv „Wilsberg“ herausgekommen, erdacht von Grafit-Autor Jürgen Kehrer. 18 Wilsberg-Krimis gibt es inzwischen, von denen einige verfilmt und vom ZDF gesendet wurden. Das Erfolgsrezept: „Uns geht es darum, gute Krimis und Autoren zu entdecken“, sagt Ulrike Rodi, „die Texte müssen unterhalten, aber auch substanziell sein. Eine Leiche, typische Ermittler und ein paar lokale Straßennamen reichen nicht.“

Als Beispiel nennt sie den Krimi „Die Voliere“ von Marc-Oliver Bischoff, der ein gesellschaftlich relevantes Thema aufgreift: Sicherungsverwahrung. Die Psychologin Nora Winter muss begutachten, ob drei Gewalttäter therapierbar und somit entlassungsfähig sind. Bischoffs erster Kriminalroman „Tödliche Fortsetzung“ bekam den renommierten Friedrich-Glauser-Preis – ein Preis von Autoren für Autoren.
25 Jahre Entwicklungshilfe für den deutschsprachigen Krimi haben sich also für Grafit ausgezahlt, das belegen die zahlreichen Neuerscheinungen und Geschäftsbeziehungen mit den ganz großen Buchhändlern. Hinzu kommen inzwischen Übersetzungen ins Ausland, Hörspiele, Hörbücher, Comics und Apps. Ein Mordsgeschäft.

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