Die Zauberstabmanufaktur: Wish and Spell

Leichte Hölzer: Die Zauberstäbe von Wish and Spell | Foto: Wish and Spell

Spätestens seit Harry Potter ist klar: Zauberstäbe sind cool! Aber wo bekommt man eigentlich einen her? Und wer fertigt die magischen Stöcke? Düsseldorf hat jetzt seine eigene Zauberstabmanufaktur: in einem Mehrfamilienhaus mitten in der Stadt. Tossia Corman traf Kendra Tuscherer und Peter Maciejewski, die die Magie ins Holz schnitzen.

Beruf: Zauberstabhersteller. Was sich auf den ersten Blick liest wie der Berufswunsch eines Neunjährigen, ist für Kendra und Peter mittlerweile Realität. Das Paar gründete vor rund zwei Jahren „Wish and Spell“, Düsseldorfs erste und bislang einzige Zauberstabmanufaktur. In ihrer Wohnung fertigen sie bis zu 40 Stäbe pro Woche an. Doch wie kommt man bloß auf so eine Idee? „Wir arbeiten beide auf dem Abenteuerspielplatz in Eller“, erzählt Peter. Der 34-Jährige studiert, genau wie Freundin Kendra, Sozialpädagogik in Düsseldorf. „Da ist uns aufgefallen, dass fast alle Kinder am liebsten mit Waffen gespielt haben. So richtige Exekutionsszenarien wurden da nachgestellt.“ Das ging den beiden gegen den Strich. „Peter hatte irgendwann die Anfrage, einen Kindergeburtstag zu betreuen. Als wieder alle anfingen, sich Maschinengewehre und Schwerter zu basteln, kam ihm die Idee, einfach Zauberstäbe zu schnitzen“, ergänzt Kendra. Die Mittdreißigerin war dann schlussendlich auch der Motor hinter der Idee, das Ganze etwas größer aufzuziehen.

40 Stöcke im Gepäck

Ein paar Wochen nachdem die Idee geboren war, waren die beiden auf dem Straßenfest des zakk mit einem Stand vertreten. „Da haben wir alle 20 Stäbe verkauft, die wir dabei hatten. Das war schon verrückt“, erzählen sie. Da war der nächste Schritt fast logisch – seit November stehen sie jeden Samstag auf dem Flohmarkt am Aachener Platz. 40 Stöcke haben sie inzwischen immer im Gepäck, gut die Hälfte verkauft sich an so einem Markttag. „Anfangs waren wir total unsicher, wie viel wir für so einen Stab nehmen können“, erinnert sich Peter. Fünf bis sechs Stunden schnitzt er an einem Exemplar. Dass er früher Zahntechniker war, kommt ihm da zugute. „Diese Detailarbeit, das Rumfriemeln an kleinen Besonderheiten, das macht am meisten Spaß!“

Fünf bis sech Stunden Arbeit stecken durchschnittlich in einem Zauberstab. | Foto: Wish and Spell

Welche Holzarten sich am besten eignen, hat Maciejewski mit der Zeit gelernt. „Irgendwann findet man durch learning by doing raus, welches am meisten aushält. Wichtig ist, dass es leichte Hölzer sind.“ Kendra hat immer eine kleine Holzsäge dabei, und egal wo die beiden unterwegs sind, immer halten sie die Augen auf nach zu verarbeitenden Ästen. „Das ist ja das Tolle - das Material liegt im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße!“ Ist ein passender „Rohling“ gefunden, geht’s an die Arbeit: Die Idee fürs Design kommt während des Schnitzens. „Der Stock sagt einem schon, wo es langgeht“, erklärt Peter. Und dann lässt er seiner Kreativität freien Lauf. „Wenn man die Struktur geschnitzt hat, wird geschliffen. Und wenn das endlich geschafft ist, brenne ich die Stöcke mit einem kleinen Gasbrenner.“ Das gibt die verschiedenen Färbungen. Im Anschluss wird geölt. „Wir nutzen Holzwachs. Das ist sogar magenfreundlich. Falls ein frustrierter Zauberer mal versehentlich in den Stock beißt, wenn der Fluch einfach nicht klappen will“, lacht Kendra.

Um jede Minute nutzen zu können, haben die beiden sich angewöhnt, wo sie gehen und stehen, an den Hölzern zu arbeiten. „An der Bahnhaltestelle, in der Schlange vorm Bankautomaten - immer haben wir Holz und Schleifpapier in der Hand. Wahrscheinlich halten uns ziemlich oft Leute für total bekloppt“, sagt die 34-Jährige schmunzelnd. 15 bis 35 Euro kosten die kleinen Kunstwerke jetzt. „Wenn ich tatsächlich die komplette Arbeitszeit auf den Preis schlagen würde, dann wären die Dinger ja fast unbezahlbar“, sagt Peter.

Zauberstäbe für alle

„Am Ende soll jeder, der möchte, auch einen Zauberstab sein Eigen nennen können!“ Und wenn es mal passiert, dass ein Kind am Stand vorbeikommt, das unbedingt Magier sein will, aber das Taschengeld nicht mehr reicht, drücken die Zwei schon mal ein Auge zu. „So ein handgemachter Stab aus Holz ist ja viel schöner als Massenware aus Plastik“, finden die beiden. Dass davon oft die Kinder ihre Eltern überzeugen müssen und nicht umgekehrt, hat das Paar erst stutzig gemacht. „Viele Eltern haben halt den Zauberlehrling mit der Blitznarbe im Kopf, wenn es um dieses Thema geht. Die denken, so ein richtiger Zauberstab muss total aufwendig sein, mit Glitzer und Lichtern. Die wollen was kriegen für ihr Geld.“

Da kommt es vor, dass Peter unter Beweis stellen muss, dass seine Stäbe tatsächlich funktionieren. „Ich hab mir den ein oder anderen Zaubertrick draufgeschafft“, lacht er, „wenn ich die auspacke, sind erstmal alle baff, und irgendwann sind auch die Eltern überzeugt.“ Nicht selten kommt es vor, dass die ganze Familie sich anschließend zum Zauberstab-Kauf entscheidet. Und nicht nur Kinder sind von den Werken der zwei Düsseldorfer begeistert. „Wir waren kürzlich auf Schloss Burg, bei einer Roleplay-Con“, berichtet Kendra. „Klar, in der Welt der Rollenspiele haben die magischen Hölzer eine ganz andere Bedeutung. Die nehmen das richtig ernst.“ Dass es deshalb auch in Zukunft noch öfter auf solche Veranstaltungen geht, liegt nahe. „Das ist ja auch für uns total spannend und schön zu sehen, wie unsere Stäbe da auf irgendeine Art und Weise auch zum Leben erweckt werden“. Natürlich hängen die beiden an jedem einzelnen Exemplar. „Klar, man steckt da viel Arbeit rein, viel Herzblut und Energie. Es ist schon aufregend zu erleben, wer sich welchen Zauberstab aussucht.“

Es darf auch glitzern

Und weil es manchmal ja doch glitzern muss, gibt es ein Exemplar, das komplett in Silber funkelt. „Bis jetzt ist der noch nicht weggegangen. Aber das ist sicher nur noch eine Frage der Zeit“, ist Peter sicher.

Die kleinen Schätze wechseln die Besitzer schließlich eingepackt in wunderschöne kleine Taschen, die Kendra in Handarbeit herstellt. „Manchmal, wenn ich nicht so riesige Lust habe, einen Stock zu bearbeiten, aber trotzdem was für die Produktion machen will, fang ich an zu nähen oder zu stricken“. Und funktionieren sie denn jetzt auch, die Zauberstäbe? „Natürlich!“ schmunzelt Peter. „Aber im Ernst - wenn man ein bisschen daran glaubt, kann so ein Stab tatsächlich schon fast magisch wirken.“ Öfter schon hat er erlebt, dass seine Stäbe als Glücksbringer oder Mutmacher eingesetzt werden. Als Talisman haben auch Kendra und Peter natürlich immer einen dabei. Geschnitzt vom jeweils anderen.

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