Karosse mit Kultstatus: Mit dem DeLorean zur Rallye der Garagenschätzchen

Seinen DeLorean liebt Harald Lattner ganz besonders. | Foto: Dominique Schroller

Auf Hochglanz polierte Raritäten rollen am 16. September durch Castrop-Rauxel. Rund 40 Fahrzeuge gehen zur ersten Rallye der Garagenschätzchen auf die Strecke. Auf den Beifahrersitzen sind noch Plätze frei.

Zeitreisen hat Harald Lattner noch nicht unternommen. Doch selbst wenn er im Hier und Jetzt unterwegs ist, zieht sein DeLorean alle Blicke auf sich. Das mattglänzende Edelstahlgefährt mit den futuristischen Flügeltüren ist Kult – nicht nur bei den Fans der Zurück-in-die-Zukunft-Reihe. „Auf einem Oldtimer-Treffen sagte mal ein Junge: Schau mal, ein DeLorean. Das ist der erste lebendige, den ich sehe“, berichtet der stolze Besitzer lachend. Er hat zehn Jahre nach einem fahrtüchtigen Modell des Wagens gesucht, kennt jede Schraube seines Schätzchens. „Dieses Auto bekommt keine Pflege, es bekommt Liebe“, sagt Susanne Lattner.

Die motorisierte Konkurrenz im Herzen ihres Mannes nimmt sie gelassen. An die Blicke und Kameras musste sie sich allerdings erst gewöhnen. „Als ich das erste Mal alleine damit unterwegs war, habe ich es komplett unterschätzt und es war mir entsetzlich peinlich.“ Trotz Sonnenbrille entging ihr der Wandel von Bewunderung zu Verwunderung auf den Gesichtern nicht. „Die Jungs konnten einfach nicht fassen, dass eine Frau dieses Auto fährt.“ Besonders groß war der Wirbel um den Wagen 2015, dem Jahr, in dem die Leinwandhelden Marty McFly und Doc Brown in der Zukunft landen. „Da hätte ich einen Manager brauchen können, so viele Kamerateams waren hier“, berichtet Harald Lattner. Zum Tanken fährt er lieber abends und vor dem Supermarkt kann er seinen Silberling nicht lange stehen lassen. „Danach ist er voller Fingerabdrücke, weil jeder ihn mal anfassen möchte.“

"Ein geiles Gefühl"

Der 49-Jährige kann die Faszination gut verstehen, er bekommt beim Anblick seiner Kultkarosse selbst noch immer leuchtende Augen. „Wenn ich die Garage aufmache, ist das so, wie damals bei meiner ersten Carrera-Bahn. Ein geiles Gefühl“, sagt er. „Männer und ihre Spielzeuge“, kommentiert seine Frau trocken. Obwohl sie der Film damals auch gepackt und bis heute nicht losgelassen hat. „Wir waren zusammen im Kino, als er rauskam. Als wir rauskamen waren wir infiziert und sind es noch.“ Zum DeLorean haben sich inzwischen auch ein Hoverboard, der Zurück-in-die-Zukunft-Flipper und Martys Kamera aus dem Film gesellt. „Natürlich spielt die ganze Kulisse bei dem Mythos auch eine Rolle“, sagt Harald Lattner. Der Castroper bietet am 16. September seinem Beifahrer die Möglichkeit, sich wie Michael J. Fox zu fühlen. Wer bei der Rallye der Garagenschätzchen an seiner Seite Platz nimmt, weiß Harald Lattner allerdings noch nicht.

„Das losen wir aus, dann lernen sich beide bei einem gemeinsamen Frühstück kennen und um 10 Uhr geht es zum Start“, erklärt Organisator Wolfgang Heller den Ablauf. Er hat alles minutiös geplant und hofft auf einen Erfolg der Premiere. „Wenn alles rund läuft, haben wir im Ziel ein bisschen Geld für einen guten Zweck gesammelt.“ Der Erlös soll in soziale und integrative Projekte der Bürgerstiftung Agora fließen. Dort engagiert sich Wolfgang Heller ehrenamtlich und hat versucht, seine Leidenschaft für alte Autos und den Finanzbedarf der Agora zu verbinden. Herausgekommen ist eine Rallye, bei der die Beifahrer sich ihre Mitfahrgelegenheit für 50 Euro erkaufen. Dafür dürfen sie in einem besonderen Auto Platz nehmen, können beim Quiz mit ihrem Wissen über die Region glänzen und beim anschließenden Grillen Fleisch satt genießen. „Sie bekommen richtig was geboten“, betont Wolfgang Heller.

Corvette trifft Fiat 500

Er hat bereits 40 außergewöhnliche Fahrzeuge rekrutiert, sucht aber noch Co-Piloten. „Mein Ehrgeiz liegt darin, alle Plätze zu besetzen“, betont Wolfgang Heller. Er selbst setzt sich ebenfalls ans Steuer seines britischen Manufakturwagens (TVR). „Der sieht ganz brav aus, ist aber ganz böse und geht mit 300 PS richtig ab.“ Da kann nur die Corvette, aber sicher nicht der Fiat 500 Konkurrenz machen, die ebenfalls an den Start rollen. „Einige sind schöner als neu, andere haben bewusst Patina.“ Das jüngste Schätzchen ist von 2014, das älteste von 1931. Entscheidend ist in diesem Fall nicht das Alter, sondern das, was die Besitzer daraus gemacht haben. „Das ist eine Lebenseinstellung.“

Das kann Harald Lattner nur bestätigen. Seine erste große Liebe – neben seiner Frau – gehörte einem Opel Rekord. „Den habe ich in Kisten verpackt geschenkt bekommen.“ Nachdem der leidenschaftliche Schrauber alle Einzelteile entrostet, neu lackiert und zusammengesetzt hatte, sah der Wagen aus den 70er-Jahren wieder aus, als sei er gerade vom Band gelaufen. „Er hat mich lange begleitet, aber irgendwann habe ich festgestellt, dass wir beide doch nicht so richtig zusammenpassen.“ Nach der Trennung verliebte sich Harald Lattner in einen Opel GT, ebenfalls ein Pflegefall. „Er stand sieben Jahre unter einem Carport und ich habe genauso lange gebraucht, um ihn vom Rost zu befreien und wieder startklar zu machen. Jetzt sieht er aus wie gerade abgeholt.“

Mit Fluxkompensator

Der zitronengelbe Sportler parkt direkt neben dem DeLorean und einem Porsche 911 Targa. Diesen Konstruktionsklassiker steuert Susanne Lattner bei der Rallye. Für sie ist das auch eine Premiere. „Hoffentlich bekomme ich einen Beifahrer, der auch eine Hilfe ist“, sagt sie lachend. Die bewundernden Blicke überlässt sie gerne ihrem Mann und seiner silbernen Diva. Für die es auch immer wieder Angebote gibt, die Harald Lattner rundweg ablehnt. „Sie ist unverkäuflich.“ Bis nach Nordirland zum weltweiten Treffen aller DeLorean-Fahrer ist er mit ihr schon gefahren. „Unterwegs habe ich nicht einmal Öl nachgefüllt.“ Vor Ort gab es nur noch tagelanges Fachsimpeln unter Gleichgesinnten. „Alle Leute, die dieses Auto fahren, sind ein bisschen bekloppt“, sagt Susanne Lattner. Sie war zunächst überzeugt, dass alle dieser Edelstahl-Coupés gleich aussehen. „Aus der Nähe habe ich allerdings kleine Unterschiede entdeckt. Schnickschnack, für den Männer viel Geld ausgeben“ So wie ein Fluxkompensator, den Harald Lattner natürlich auch an Bord hat. „Der leuchtet nur, funktioniert aber nicht“, versichert er. Vielleicht bringt der ihn aber irgendwann doch noch Zurück in die Zukunft. Dominique Schroller


Wer bei der Rallye der Garagenschätzchen als Beifahrer an den Start gehen möchte, kann sich bei Wolfgang Heller unter wolfgang.heller@dextro-energy.com melden.

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