Spielwaren Schnettelker: Ein Kinderparadies schließt

Elsbeth Schnettelka (r.) und ihre Mitarbeiterin Susanne Kirchhoff werden das Lachen der Kinder besonders vermissen. | Foto: Dominique Schroller

Generationen von Castropern haben Teddys und Puppen bei Spielwaren Schnettelker gekauft. Doch nun schließt die Chefin den Laden und geht auf Reisen.

Den Teddybär zum Einschlafen, das erste eigene Auto, die Ritterburg und das Märchenschloss – Elsbeth Schnettelker konnte Kinderträume wahr werden lassen. An den Schaufenstern ihres Ladens in der Innenstadt von Castrop-Rauxel haben sich Generationen kleiner Kunden die Nase platt gedrückt. „Sobald sie laufen konnten, kamen sie zu uns“, sagt die 76-Jährige. Manche hofften sogar sonntags ins Paradies kommen zu können. „Wenn sie mich auf dem Weg von der Eisdiele auf der Straße trafen, baten sie, ich solle mal aufschließen, damit sie spielen könnten.“ Künftig bleiben die großen Glastüren auch in der Woche geschlossen, denn Elsbeth Schnettelker gibt nach 36 Jahren Ende Juli den Schlüssel endgültig ab.

„Die Kunden sind alle ganz unglücklich, doch ich bin in einem Alter, in dem ich mir den Ruhestand verdient habe.“ Die Geschäftsfrau hat noch viele Ziele. Eines ist Norwegen. Dorthin reist sie mit dem Postschiff. „Das hat mich immer gereizt und da ich nicht weiß, wie lange ich das noch kann, mache ich es jetzt.“ Sie möchte ihr neues Leben genießen, auch wenn der Abschied von ihrem bisherigen ihr sichtlich schwer fällt. Das Lachen der Kinder werde ich ganz besonders vermissen“, sagt sie mit einem kleinen Seufzer. Die Regale haben sich bereits sichtlich geleert. Lego und Gesellschaftsspiele sind bereits komplett vergriffen. „In den ersten Tagen des Ausverkaufs war der Ansturm besonders groß.“ Doch noch immer bilden sich kleine Schlangen an der Kasse, erfüllen sich kleinere und größere Wünsche.

Vier Generationen bedient

„Mit meiner Tochter bin ich schon immer hierhergekommen und nun mit meiner Enkelin. Wir sind sehr traurig, dass der Laden schließt“, sagt eine Kundin. „Neulich war eine Familie mit vier Generationen da, die ich alle bedient habe“, berichtet Elsbeth Schnettelker stolz. Als sie 1981 erstmals die Schaufenster im Tapetengeschäft ihrer Eltern mit Spielzeug dekorierte, sprach sich das in der Stadt sofort herum. „So ein Angebot hatte niemand sonst.“

Und die Geschäftsfrau sorgte dafür, dass das so blieb. Sie ging mit der Zeit und richtete ihr Sortiment an der Nachfrage aus. „Anfangs waren Puppen sehr gefragt – sowohl die günstigeren, als auch Schildkröt- und Künstlerpuppen. Doch das hat irgendwann nachgelassen. Dann gab es eine Zeit, wo Doktorkoffer und kleines Geschirr besonders beliebt waren, heute sind es die Kinderkleider.“ Nur einem sind immer alle Herzen zugeflogen: dem Teddybär. „Das ist etwas fürs Leben, vor allem bei den Kleinen“, sagt Elsbeth Schnettelker. Das Internet hat ihr bei einer großen Stammkundschaft wenig Konkurrenz gemacht. Die einen haben es genossen, ihr neues Kuscheltier gleich in den Arm nehmen zu können, die anderen probierten mit Mitarbeiterin Susanne Kirchhoff die neuen Gesellschaftsspiele aus. „Wenn wir wussten, worum es geht, konnten wir auch besser beraten“, sagt die Expertin für Kniffel und Co. Sie stand 29 Jahre an der Seite ihrer Chefin, durfte selbstständig einkaufen und den Laden mitgestalten. „Sie war immer sehr tolerant und ist auf unsere Wünsche eingegangen.“

Sorge um die Mitarbeiter

Was sie von Elsbeth Schnettelker gelernt hat, kann Susanne Kirchhoff künftig als Geschäftsführerin des neuen Spielwarenladens umsetzen, der im einstigen Supermarkt am Biesenkamp eröffnet. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe, doch es wird ein komisches Gefühl sein, hier vorbeizugehen.“ Die Sorge um ihre Mitarbeiter hatte Elsbeth Schnettelker lange belastet. „Wenn ich ihnen gekündigt hätte, wäre es für viele schwierig gewesen, in Catrop-Rauxel etwas zu finden. Deshalb ist es sehr tröstlich, dass die Inhaber des neuen Ladens sie übernehmen.“ Noch lieber hätte sie ihr Geschäft an einen Nachfolger übergeben, doch es fand sich niemand. So blieb ihr nur der Ausverkauf. Wenn der letzte Teddy einen neuen Besitzer hat, bleibt nur noch die Erinnerung an die Träume von Ritterburgen und Märchenschlössern. Dominique Schroller

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