Alex liest Agatha: Kunden retten Buchhandlung

Gemütlich wie ein Wohnzimmer wirkt die Buchhandlung Alex liest Agatha. | Foto: Mara Hess

Wer Susanne Böckler nach ihrem Laden fragt, bekommt eine klare Antwort: Es gibt uns hoffentlich noch viele Jahre. Sicher war das nicht. Susanne Böckler kämpfte mit ihrer Buchhandlung Alex liest Agatha in Rüttenscheid lange um die Existenz. Dank großzügiger Spenden ihrer Kunden ist die Zukunft vorerst gesichert.

„Wäre das etwas für mich?“, fragend blickt Jutta Kerkoff die Buchhändlerin ihres Vertrauens an. In ihrer Hand ein Buch, das sie gerade aus einem der hölzernen Regale gezogen hat. Susanne Böckler überlegt nicht lange, sie kennt ihre Bücher und sie kennt ihre Kunden. Kurz erzählt sie etwas vom Autor und seinen Themen. Ein Lächeln macht sich auf dem Gesicht ihrer Kundin breit. Das Buch in ihrer Hand wird sie mitnehmen, obwohl sie eigentlich nur gekommen ist, um ein anderes abzuholen.

Susanne Böckler hofft auf Rettung. | Foto: Mara Hess

Große Leidenschaft

Solche Szenen machen den Besuch bei Alex liest Agatha besonders. Für Susanne Böckler sind Bücher kein Geschäft, sie sind ihre große Leidenschaft. „Wenn es früher zu Weihnachten oder zum Geburtstag nicht genügend Bücher gab, war das schon eine große Enttäuschung“, erzählt sie schmunzelnd.

Den Traum von ihrem eigenen Laden erfüllte sie sich vor zwanzig Jahren, als sie die 1948 gegründete Alexander –Buchhandlung übernahm und zu ihrer machte. Heute finden sich in den Regalen erlesene Romane, Krimis, Kinder- und Jugendbücher. Der besondere Fokus liegt auf Werken von kleinen Verlagen, die mit Liebe zum Detail und feinen Materialien arbeiten. Die drohende Schließung des Ladens ist die Folge ihres Standortwechsels im Sommer 2016. Von der belebten Rüttenscheider Straße zog sie mit ihrem Laden ein paar Ecken weiter in die Eduard-Lucas-Straße. Beide Standorte liegen nur wenige Gehminuten voneinander entfernt. Trotzdem brach ihr Umsatz ein. „Aus den Augen, aus dem Sinn“, beschreibt sie selbst ihr Problem.

Kunden gegen Insolvenz

Als ihre Stammkunden von der bevorstehenden Insolvenz hörten, waren sie schockiert: „Sie haben mich angefleht weiterzumachen und mir ihre Hilfe angeboten.“ Zu vielen hat sie ein persönliches Verhältnis: „Sie sind eher meine Gäste.“ Daraus entstand die Idee, einen Spenden-Aufruf zu starten. In einem persönlichen Schreiben bat sie um Unterstützung – auch Jutta Kerkoff. Sie würde eine Schließung sehr bedauern: „Hier bekomme ich eine persönliche Beratung, wie sonst nirgends.“

Ihr Aufruf hatte Erfolg. Durch die Spenden sind rund 21.000 Euro zusammengekommen. „Das ist wie ein zusätzliches Geschenk zum 20-jährigen Bestehen“, sagt die Essenerin erfreut über die unerwartete Großzügigkeit. Nun will Susanne Böckler mehr in Werbung investieren. Das Konzept ihres Ladens wird sie dagegen nicht verändern, „Das ist das, was meine Kunden hier schätzen.“ Sie sollen weiterhin mit Muße einkaufen gehen. Mara Hess

Alex liest Agatha
Eduard-Lucas-Str. 18, Essen
Mo-Fr 12-21, Sa 10-15 Uhr

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