Weise Worte und Dadaismus: Typisch "Buch"

Johannes Floehr auf der Bühne | Foto: Anna-Lisa Conrad

Phrasen, die es kaum möglich machen, die Mundwinkel nicht willenlos nach oben zu ziehen: Johannes Floehr hat muntere Kurzgeschichten geschrieben, die Alltägliches schildern und dazu verleiten, für einen Moment inne zu halten, um dem Gelesenen einen tieferen Sinn zu entlocken. Sein Werk, in dem er viel Witz und Klamauk, aber auch mit einer Spur Weisheit und einer Prise Kritik an NPD, Trump und Kapitalismus übt, hat er kurz „Buch“ getauft.

Unscheinbares Äußeres: Buch Foto:Johannes Floehr

Johannes Floehr bringt auf der einen Buchseite das Geräusch eines Föns auf Papier und erzählt auf den nächsten von einer Beziehung, in der die Liebe von Schweigen und Rauchen abgelöst wurde: Der Humor aber bleibt. Pointen, die keine zwei Zeilen füllen, lassen abrupt auflachen. Aber Floehr weiß auch zu berühren:  „Dieses eine Bild muss er noch zu Ende bringen, vielleicht sein letztes Meisterwerk. Vielleicht versucht er das Unmögliche und ist der kleine Angler vor der Pfütze, auf der Suche nach dem letzten großen Fang. Vielleicht hat er aber auch einfach nur vergessen, zu sterben.“ - Geschichten wie diese, vom dementen Maler August, sind auf eine feinsinnige Art verfasst und emotional ergreifend durch ihre Einfachheit. „Er erzählt und schreibt Erlebnisse und Geschichten in gut formulierten Sätzen, sie sind ideenreich und gut zu lesen“ – so lautet es auf Floehrs erstem Grundschulzeugnis. Das Selbige kann man aber auch über sein Buch sagen. Um Tucholskys Theorie zu beweisen, dass der Vorteil der Klugheit darin besteht, sich dumm stellen zu können, zieht er sein Experiment im großem Stil auf: „Ich musste dahin gehen, wo die Hirnzellen dahingehen. Haha, ein Wortspiel. Aber wo ist das? Im Internet? Im deutschen Privatfernsehen? In Berlin-Mitte? Möglich, aber noch nicht doof genug. Ich wollte es extrem. Gerade die Dümmsten der Dummen sind gut genug. Also ging ich zur NPD.“ Floehr lässt tiefgreifende Sozialkritik auf banale, fast schon zu häufigen kurzen Klamauk und Buchstabensalaten wie  Lautmalereien oder kleine Worträtsel treffen und lädt so auf eine kurze, aber intensive Reise ohne wirklichen Endpunkt ein: Eine durchgängige Geschichte sucht man im Buch nämlich vergebens, sie ist aber auch nicht nötig. Die Ideen, die der Krefelder aus Alltag, Twitteraccount  und Fantasie ins „Buch“ drucken ließ, machen auch ohne Figurenverzweigungen à la Game of Thrones Lust auf mehr Texte, Reime und frische Gedanken des jungen Krefelders.

Johannes Floehr
Buch
Lektora Verlag
164 Seiten
Preis: 12,00 Euro
ISBN:
978-3954611102

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