Waldstreicherei: Mit Kindern im Grünen

Rauschen im Blätterwald: Elke Kamper | Foto: Christof Wolff

Elke Kamper hat einen außergewöhnlichen Beruf. Mit ihren Naturexkursionen, der „Waldstreicherei“, verzaubert die quirlige Frau Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Für coolibri-Autorin Nadine Beneke erklärte sie im Mönchengladbacher Bunten Garten die Wirkung von Grüntönen, Zaubernüssen und Waldfeekameras.

Grüntöne

„Liebe Kinder, ich bin Elke und eine echte Waldfee.“ So beginnt das Programm von Elke Kamper. Die wild hochgesteckten, rotblonden Haare wippen, als sie am Kräuterbeet des Bunten Gartens vorbeiläuft. An diesem sonnigen Tag Ende Februar zaubert die Waldfee eigens für Fotograf Christof Wolff und die Autorin. „Hört ihr meine Grüntöne?“, fragt sie und bittet darum, die Augen zu schließen. Der Wind lässt die Blätter rauschen. Wir hören die Farbe Grün. Bis zu 15 Mal im Monat ist Kamper als Botschafterin der Natur im Einsatz. Für Kindergärten, Schulen und Kindergeburtstage. Vor ihren Füßen steht ein grünes Metallköfferchen mit der Aufschrift „Waldfee“. Blätter zieren ihre Gummistiefel, und selbstverständlich blitzen auch die Augen der Waldfee grün. Im Erwachsenen-Leben nennt diese sich Naturerlebnispädagogin. Kindern ab vier Jahren, deren Eltern und anderen Pädagogen möchte sie mit ihrer Arbeit den Zugang zur Natur erleichtern. „Den Beruf hätte es wahrscheinlich vor 20 Jahren nicht gegeben“, meint sie, „da sind die Familien noch öfter zusammen in den Wald gegangen.“ Heute sei Angst, beispielsweise vor Spinnen und Krabbeltieren, weit verbreitet. Diese möchte die zweifache Mutter den Kindern spielerisch nehmen, denn: „Je mehr man etwas kennt, desto mehr kann man es lieben.“

Zaubernuss

Naturverbunden war die 47-Jährige schon als Kind. Vor acht Jahren entschied sie sich schließlich, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen und begann eine zweijährige Ausbildung zur Naturerlebnis- und Entspannungspädagogin nach der Lehre Joseph Cornells. Seit 2006 ist sie selbstständig und hat ihre eigene Art gefunden, Wissen zu vermitteln: „Es ist eine Mischung aus Theaterelementen und Musik.“ Verschiedene Spiele, Lieder und die Rolle der Waldfee sollen Kinder dazu bringen, Bäume, Kräuter und Krabbeltiere mit anderen Augen zu sehen. Neben Cornells Spielansätzen nutzt Kamper auch ihr kreatives Talent. „Plötzlich sind die Spiele da, manchmal auch Lieder“, sagt sie lachend. Dank ihrem Ehemann, dem Kinderliedermacher Anders Orth, auch bekannt als Lila Lindwurm, kann sie ihre Ideen schnell musikalisch umsetzen. In diesem Jahr plant das Ehepaar noch eine gemeinsame CD, Titel: „Wild im Wald – Still am See“. Monatlich veranstaltet die Pädagogin zudem den Liederabend „SuSi – Suppe und Singen“ in ihrer Mönchengladbacher Wohnung. Im Bunten Garten geht es inzwischen weiter: „Jetzt verwandle ich euch in Eichhörnchen“, sagt die Waldfee. Nach kurzem ungläubigem Blick folgt die Auflösung: Die Kinder bekommen an dieser Stelle eine Walnuss in die Hand gedrückt, die sie an einem Versteck ihrer Wahl vergraben können. Ziel ist es, am Ende des zweieinhalb- bis dreistündigen Rundgangs die eigene Nuss wiederzufinden. Bleibt sie verschwunden, haben sich die Kinder tatsächlich in vergessliche Eichhörnchen verwandelt. Und das kommt nicht selten vor. Die Autorin vergräbt folgsam ihre Hülsenfrucht und folgt der Pädagogin zur Hamamelis, die auch Zaubernuss genannt wird.

Waldfeekamera

Hier lüftet sie das Geheimnis der im Rucksack versteckten Waldfeekameras. Keine Spiegelreflex-, keine Handykameras, sondern einfache, weiße Passepartouts dienen den Kindern als Aufnahmemöglichkeit. Sie können bestimmte Pflanzen und Rinden genauer betrachten und lernen, sich auf Kleinigkeiten einzulassen. Kamper betont allerdings stets, wie wertvoll und zerbrechlich die „Kameras“ sind: „Die Kinder stecken nämlich gerne den Kopf hinein.“ Ablenkungen gibt es immer wieder: „Egal wie cool ich bin, die Spielplätze sind verlockend.“ Im Laufe des Rundgangs lassen sich die meisten Teilnehmer gerne auf die Natur ein. Auch wenn manche Erwachsene Skepsis an den Tag legen: „Am Anfang heißt es immer: ,Wir müssen jetzt aber keine Bäume umarmen, oder?'“, schmunzelt die Pädagogin. Wenn dann ein Baumerkennungsspiel an der Reihe ist, bei dem die Gewächse mit verbundenen Augen erkannt werden sollen, gehen auch die Großen auf Tuch- oder Rindenfühlung. „Was viele nicht wissen, ist, dass beispielsweise Kirschbäume viel kälter als andere Bäume sind.“ So können alle Beteiligten etwas lernen und ihre Vorbehalte ablegen. Bei sämtlichen Spielen ist jedoch eines wichtig: „Hier gibt es keine Wettbewerbsgedanken.“ Die Kinder sind eine Gruppe, bei der es nicht darum geht, am schnellsten seine Nuss wiederzufinden oder am Schluss das schönste Waldparfüm aus Kräutern zu kreieren. Gewonnen haben die Kinder eh – die Erkenntnis, dass ein Tag im Grünen etwas ganz Besonderes ist.