Hopsen verboten: Kleingarten gegen Trampoline

Bestehende Trampoline sollen weichen. | Foto: Lina Niermann

Es hat sich ausgehüpft in Dortmunds Kleingärten. Seit dem Frühjahr ist das Aufstellen großer Trampoline verboten. Zudem haben die Vereinsvorstände ihre Pächter angewiesen, die bestehenden Trampoline abzubauen. In der Presse schlug das Thema hohe Wellen. In wütenden Leserbriefen wurde dem Stadtverband Regelungswut und Kinderfeindlichkeit vorgeworfen. Zu Recht?

„Ich habe die Kommentare in der Zeitung auch gelesen“, sagt Uwe Kaupenjohann lächelnd. Der Vorsitzende des Gartenvereins Bolmke e. V. fühlt sich und die Kleingartenvereine zu Unrecht angegriffen. „Ich widerspreche dem Vorwurf ganz klar. Wir sind der Meinung, dass wir genügend Spielmöglichkeiten für Kinder bereitstellen.“ Gerade hat der Verein seinen Spielplatz rundum erneuern lassen: Ein Spielturm aus recyceltem Kunststoff, ein Drehkarussell, eine Schaukel und eine große Wippe wurden aufgestellt. Außerdem verfügt der Spielplatz über eine Tischtennisplatte, eine Torwand und einen Basketballkorb. „Wir sind jetzt auch nicht der Verein, der das Ballspielen verbietet“, ergänzt der 51-Jährige. „Wir versuchen einfach eine gute Mischung zwischen kleingärtnerischer Nutzung und Freizeitangeboten zu erreichen. Und ich denke, wir kriegen das auch ganz gut hin.“ Der Kleingarten ist mit 154 Parzellen der größte im Bezirk Südwest. Gut ein Drittel der Pächter sind Familien mit Kindern. „Uns ist bewusst, dass sich das Kleingartenwesen wandelt, es ist nicht mehr wie vor 40 Jahren, wo man noch viel angebaut hat und nur eine kleine Wiese für zwei Stühle freiließ“, sagt der dreifache Familienvater. Er selbst ist in dem Schrebergarten direkt am Westfalenstadion groß geworden, genauso wie seine mittlerweile erwachsenen Töchter. Wichtig sei ihm ein verständnisvolles Miteinander, gerade zwischen den Generationen.

Uwe Kaupenjohann vor dem neuen Spielplatz | Foto: Lina Niermann

Kleine Trampoline sind okay

„Niemand in den Vereinen hat etwas dagegen, wenn kleine Trampoline mit maximal einem Meter Durchmesser aufgestellt werden“, erklärt der neugewählte Stadtverbandsvorsitzende Heinrich Jordan. „Wir betrachten diese Trampoline noch als Spielgeräte, die schnell und unkompliziert durch Wegräumen zu sichern sind.“ Das sei bei den großen Trampolinen anders. Diese hätten schon eher den Charakter eines Sportgerätes. Deshalb plädiert der Vorsitzende dafür, deren Nutzung auf die entsprechende Umgebung wie Turnhallen oder Freizeitparks zu beschränken. „Die Gefahr liegt nicht in der Aufstellung der Trampoline, sondern in der Überwachung dessen, was auf und mit diesen Trampolinen geschieht. Jeder Trampolinaufsteller hat im Rahmen seiner Verkehrssicherungspflicht dafür Sorge zu tragen, dass niemand zu Schaden kommt.“ Dafür sei eine ständige Aufsicht nötig, die durch die Pächter nicht geleistet werden könne. „Unsere Gartenanlagen sind Tag und Nacht frei zugänglich und die kleinen Zäune oder Hecken an den Einzelgärten stellen keine wirkliche Barriere gegen unbefugtes Betreten dar.“ Neben Sicherheitsbedenken äußert Heinrich Jordan auch ästhetische Einwände: „Diese Geräte schießen im Moment in den Gärten wie Pilze aus dem Boden und wir müssen uns von Besuchern massive Kritik anhören, weil der Anblick der vielen Trampoline im Gartenbild stört.“

Einige Besucher beschweren sich angeblich massiv, weil die Trampoline das Gartenbild stören würden.

Gemischte Reaktionen

Seitens der Gartenfreunde gibt es gemischte Reaktionen. „Ich finde das blöd, wir haben genug Gesetze und Verbote“, meint Egon Czyborra vom KVG Hobertsburg. „Wenn nebenan ein Trampolin steht, ist das doch schön, denn es bedeutet, dass Kinder im Garten sind. Ich bin zwar auch schon älter, aber ein bisschen Leben in der Bude ist doch toll.“ Der mit dem Trampolin verbundene Kinderlärm störe ihn nicht und zudem seien doch der Schuss auf die Torwand oder das Hundegebell in den anderen Gärten genauso laut. Mario Baltruweit von der Parzelle gegenüber sieht es ähnlich: „Ich habe selbst zwar keine Kinder, aber von mir aus darf jeder in seinem eigenen Garten machen, was er will. Wenn mein Nachbar ein Trampolin aufstellen möchte, kann er das ruhig tun.“ Erich Goßmann vom KGV Fredenbaum ist da ganz anderer Meinung. „Trampoline gehören einfach nicht in einen Kleingarten“, meint der Rentner, „für Kinder haben wir extra Spielplätze, die wir mit unserem Geld und unseren Gemeinschaftsstunden in Schuss halten. Kinderfeindlich sind wir auf keinen Fall.“ Er verweist auf den Schulgarten, den der Verein unterhält und pflegt. „Erst letztens waren die Kinder von der Kita Burgholzstraße da und haben kiloweise Erdbeeren gepflückt.“ Vielleicht liegt gerade in solchen Projekten ein akzeptabler Kompromiss. Mehr Gärten zum Mitpflanzen und Mitgestalten für Kinder, dazu attraktive Spielplätze und dafür nur kleine Trampoline auf der eigenen Scholle. Lina Niermann