Start-Ups: Ich freue mich auf Montag!

Haben den sechsten Senkrechtstarter-Wettbewerb der Wirtschaftsförderung Bochum gewonnen: Florian Hermann (2.v.l.) und Erik Schwarzer (3.v.l.) | Foto: Wirtschaftsförderung Bochum

Wirtschaft kann so einfach sein. Zum Beispiel mit Windeln: In der Schweiz leben rund sieben Millionen Menschen, darunter geschätzte 190 000 Wickelkinder. Bei einem angenommenen Verbrauch von sechs Windeln pro Tag kommen so rund 416 Millionen Stück pro Jahr zusammen. Mit rund 20 Cent pro Stück macht das einen Kuchen von 83 Millionen Euro. Davon müsste sich ein cleverer Geschäftsgründer mit der Idee für eine neue Superwindel doch eigentlich ein Stückchen abschneiden können, oder?

Windel beiseite, das Ruhrgebiet sucht ganz ernsthaft Gründer. Unternehmer- und Tüftler-Typen, denen eine richtig gute Geschäftsidee schlaflose Nächte bereitet. Für eine Superwindel, ein neues Autobauteil, eine effizientere Produktionsmaschine, für Computerkomponenten, Gebäude, Gastronomien, Design, Kunst, Kultur, vielleicht für einen durchdesignten Rosen-Automaten, der Blitzverliebten an den Hauptbahnhöfen dieser Welt eine Waffe liefert, um sich in das Gefecht der Liebe zu stürzen. Für einfach alles. Auch Gründer, die ein erprobtes Geschäftsmodell wählen, sind gerne gesehen. An Rhein und Ruhr bietet fast jede Stadt eine Wirtschaftsförderung an, denn schließlich leben die Kommunen zum Großteil von Gewerbesteuern. Gründer, die schließlich auch für neue Arbeitsplätze sorgen, werden umworben und mit Wettbewerben geködert, die Preisgelder in fünfstelliger Höhe in Aussicht stellen. Aktuell starten zwei Wettbewerbe.

Senkrechtstarter: Knüppelknifte

Gewinner! Foto: Wirtschaftsförderung Bochum

Zum Beispiel „Senkrechtstarter“. So heißt der branchenübergreifende Bochumer Gründungswettbewerb. Am 17. Oktober fällt im Kunstmuseum Bochum der Startschuss. Es ist der mittlerweile siebte Gründungswettbewerb unter diesem Titel in Bochum, und es werden über 50 000 Euro Preisgeld vergeben. Doch diese Preise sind nicht das wichtigste, wie Florian Hermann weiß. Hermann hat zusammen mit seinem Kompagnon Erik Schwarzer den vergangenen Senkrechtstarter gewonnen. Die beiden Geschäftsführer haben ihre Firma „Knüppelknifte“ genannt und sich mit ihrem Gastronomie- und Franchise-Konzept im Wettbewerb gegen 38 andere Geschäftspläne durchgesetzt.

Ihre Idee: Stockbrot. In einer modernen und aufgemotzten Variante. Mit verschiedenen Brotsorten und Zutaten, gegart auf offener Flamme auf einem eigens angefertigten Tisch mit Gas-Grill in der Mitte, Schutzscheiben aus extra verstärktem Glas und Stockbrot-Haltern in edler Ausführung. Aktuell bieten die beiden ihre Knüppelkniften in Bochum an, auf der Impulsbühne am Konrad-Adenauer-Platz (Kap), mitten im Bermuda-Dreieck. Von Montag bis Samstag gibt’s in der Zeit von 17 bis 0 Uhr süße oder herzhafte Knüppelkniften. Doch Hermann und Schwarzer haben keine eigene Restaurant-Kette im Visier: „Der Standort am Kap ist fest bis Ende 2013, ob wir’s danach noch halten wollen, wissen wir selbst noch nicht.“ Der Platz für vierzig Knüppelkniften-Gäste im Bermudadreieck gilt ihnen eher als „Showroom“, der zeigt, was das System Knüppelknifte kann – eigens angefertigte Gastro-Gerätschaften, ein Tisch, ein Gas-Grill, die Brot-Halter, Teig- und Belag-Variationen. Eine komplette Ausrüstung für vierzig Gäste verkaufen die beiden Geschäftsführer für 50 000 Euro plus jährliche Lizenzgebühren – ein Franchise-Unternehmen.

Ein Restaurant am besten Platz

Foto: Knüppelknifte / Grubenglück GmbH

Die Knüppelkniften-Macher haben sich vom Senkrechtstarter-Wettbewerb nach Strich und Faden beraten lassen. Denn im Zentrum dieses oder ähnlicher Wettbewerbe stehen die Beraterleistungen und mögliche Kontakte. Vor rund einem Jahr hätte Florian Hermann sich nicht träumen lassen, ein Restaurant am besten Platz in Bochum zu eröffnen – Kontakte zur Stadt machten es möglich, hergestellt über Senkrechtstarter. Denn wer erfolgreich sein will, braucht nicht nur eine gute Geschäftsidee, ganz gleich, ob sie erprobt ist (wie zum Beispiel eine Autowerkstatt oder ein Pflegedienst) oder ob sie neu ist (wie Knüppelknifte). Sondern sie oder er braucht auch Unternehmergeist: kontaktfreudig, chancenorientiert statt problemorientiert, durchsetzungsfähig und leistungsstark. Darauf achten Investoren. „Es gibt viele wunderbare Gründerideen“, sagt Daniel Merkler, Teamleiter bei Senkrechtstarter, „aber wenn nicht die richtige Unternehmerpersönlichkeit dahinter steht, die nicht nur das Produkt herstellen, sondern es auch verkaufen kann, dann wird es schwierig.“

Natürlich können sich Geschäftspartner auch zusammentun – der eine übernimmt die Herstellung, der andere den Vertrieb. Das macht es einfacher. Außerdem: Die Hürden, die auf dem Weg zur klingenden Kasse lauern, sind keine unbekannten Gefahren, die im Dunkel des Großstadtdschungels lauern. Sie sind größtenteils bekannt. Über Wirtschaftsförderungen und Gründerwettbewerbe lassen sich viele dieser Hürden nehmen – mit Hilfe von Kontakten, die Erfahrung haben, die die Gefahren kennen. Der Wettbewerb Senkrechtstarter zum Beispiel wirbt mit Zugang zu einem umfangreichen Expertennetzwerk, zu Mentoren, kostenlosen Seminaren und Beratungsmöglichkeiten.

Dortmund: start2grow

Auch Dortmund hat einen Gründerwettbewerb: „start2grow“. Damit ging es los im Jahr 2001. Das „dortmund-project“ wurde aus der Taufe gehoben, Dortmund sollte sich auf moderne Technologien ausrichten. Start2grow umfasst inzwischen, wie Senkrechtstarter, alle Branchen. Los geht’s am 11. November mit einer Auftaktveranstaltung in der Arbeitswelt Ausstellung DASA. Der Eintritt ist frei, ebenso wie Wirtschaftsförderungen von Kommunen in der Regel nichts für ihre Dienste verlangen. „Gründer können hier eigentlich nur gewinnen“, sagt Senkrechtstarter-Teamleiter Daniel Merkle, „egal, ob jemand einen Preis holt oder nicht.“

Der Trend zur Unternehmensgründung ist übrigens rückläufig – im Jahr 2012 haben sich rund 775 000 Menschen selbstständig gemacht, das ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 2000, in dem die Kreditanstalt für Wiederaufbau diese Statistik begonnen hat. Das liegt zum einen daran, dass sich der Arbeitsmarkt gut entwickelt hat, also mehr Stellen zur Verfügung stehen. Zum anderen sind vielen Interessierten die bürokratischen Hürden zu hoch. Doch das vielbeschworene Vorurteil „Unternehmer haben keine Freizeit“ lässt Florian Hermann nicht gelten: „Ich arbeite zwölf bis 14 Stunden, sieben Tage in der Woche. Aber wenn man Freizeit als die Zeit bezeichnet, in der man das macht, was man gerne mag, dann habe ich am meisten Freizeit. Ich freue mich auf jeden Montag.“

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