Sitzen ist der Tod von Kreativität: Innovationszentrum NRW

Zum Brainstorming und Tagen | Fotos: VillaMedia

In der Wuppertaler VillaMedia entsteht zur Zeit das sogenannte Innovationszentrum NRW. Klingt erst mal recht abstrakt. Was so ein Innovationszentrum ist und was man da machen kann, hat coolibri Geschäftsführer Jörg Heynkes gefragt.

Was genau beinhaltet denn der Begriff Innovationszentrum?

Man muss das neue Innovationszentrum NRW aus zwei verschiedenen Richtungen betrachten. Einerseits ist hier eine einzigartige Location entstanden, die idealtypische Bedingungen für kreative oder innovierende Prozesse von Unternehmen, Organisationen oder Personen bietet. Diese faszinierenden Räume können in Zukunft von Interessierten angemietet werden und entweder isoliert oder in Verbindung mit der Eventlocation in der VillaMedia für solche Prozesse gebucht und genutzt werden. Andererseits entsteht hier gerade ein völlig neues Netzwerk von Akteuren aus den unterschiedlichsten Themenfeldern der Wirtschaft, der Forschung und dem Bereich der Entwicklung. Dieses Netzwerk findet sich hier zusammen und entwickelt gemeinsam ein spannendes und außergewöhnliches Angebot von Vorträgen, Symposien, Workshops usw. Wir verknüpfen hier Anbieter von Inhalten, von Tools, von Innovationen mit denjenigen, die solche Themen und Werkzeuge brauchen. Es werden die Anbieter von Innovation mit den Kunden für Innovation zusammengebracht. Ein spannender Prozess, der viel Neues und Aufregendes mit sich bringt.

Innovationszentrum „NRW“ heißt: Es gibt noch nichts Vergleichbares in NRW? Also Innovation im doppelten Sinne?

Ja, so ist es. Als ich zum Beginn des Jahres gemeinsam mit Holger Bramsiepe von Generationdesign begann, dieses neue Zentrum zu entwickeln, stellten wir fest, dass es so etwas in NRW und auch in den meisten anderen Bundesländern bisher kaum gibt. Kaum zu glauben, aber interessanterweise fanden wir hier nichts, was unseren Vorstellungen entsprach. Da wir aus unserem Kundenumfeld aber wissen, welch erheblicher Bedarf an einer Förderung und Begleitung von Innovationsprozessen besteht, beschlossen wir: Wenn das bis jetzt keiner richtig macht, dann machen wir das! Seitdem haben wir hier viel Gehirnschmalz, Kreativität und Geld investiert, und nun geht’s los. Die letzten Arbeiten sind fast beendet. Im neuen Jahr startet unsere Arbeit dann so richtig.

Was wird vor Ort möglich sein? Wie ist das Innovationszentrum ausgestattet?

Wir haben mit vielen professionellen Workshop-Leitern und Moderatoren darüber diskutiert, wie der ideale Workshop-Raum aussehen müsste. Die Wünsche und Ergebnisse waren beeindruckend. Unser Ziel war es, besondere und anregende Atmosphären für diese innovativen Prozesse zu entwickeln. Eine Umgebung, die den Menschen ganz klar suggeriert: Heute ist etwas anders, heute darf ich all das denken und aussprechen, was ich sonst nie zulasse. Heute gelten nicht die üblichen Floskeln, nicht die üblichen Ausreden. Heute ist der Tag, neu zu denken, zu fühlen und zu gestalten.

Ein ganz wichtiger Aspekt bei der Gestaltung und der technischen Ausstattung waren die Stichworte: Maximale Flexibilität, Innovationsstärke und Nachhaltigkeit. Diesen Zielen war alles untergeordnet. Von der innovativen LED-Beleuchtungsanlage der Firma Brumberg mit programmierbaren Lichtstimmungen je nach Thema des Workshops, über die schallschluckenden und schadstofffressenden Vorhänge der Firma Drapilux, bis hin zu den neuesten Bodenprodukten von Vorwerk mit dem Recover-Bodenbelag, der schön, langlebig und voll biologisch aus Rizinusöl hergestellt ist. Alles ergibt ein geschlossenes Bild. Wenn die Gäste im Eingangsbereich über den Rasen laufen, die Sternschnuppen bewundern und das tolle Raumklima genießen, dann weiß ich, dass es eine gute Idee war, dort eine riesige Wasserwand aufzubauen. In den Workshop-Räumen stehen den Teilnehmern Active Boards und natürlich alle anderen üblichen Materialien zu Verfügung: Professionelle Videokonferenzsysteme genauso wie die Möglichkeit der Teilnehmer, per W-LAN den eigenen Bildinhalt des iPads oder Laptops mal eben auf die Leinwand zu bringen. Schnell und unproblematisch. Das wichtigste Element ist aber sicherlich unser innovatives Sitzmöbel, der „Node“. Er besitzt einen Bodentank, in dem die Gäste ihre Handtasche o. ä. verstauen können, eine schwenkbare Arbeitsplatte mit Becherhalter, und er ist auf Rollen. Hiermit können wir in den Räumen in Sekundenschnelle neue Raumsituationen herstellen. Von der Reihenbestuhlung, zum Kreis, zu Arbeitsgruppen. Die Räume haben deshalb auch kein vorne oder hinten, sondern man arbeitet in jede Richtung, je nach Anforderung. Meine Lieblingsräume sind die, in denen nur mit Hilfe von Stehhilfen und im Stehen gearbeitet wird. Das Sitzen ist eigentlich der Tod von Kreativität. Besonders gut angenommen wird das sogenannte „Theater“. Ein Raum mit Theateratmosphäre, in dem alle technischen Voraussetzungen gegeben sind, um Rhetorik, Körpersprache und Präsentationstechniken optimal zu schulen.

Positioniert sich die VillaMedia damit grundsätzlich neu?

Insgesamt betrachtet, befindet sich unser Projekt der VillaMedia in einem konstanten Entwicklungsprozess. 1998 als Mediencluster begonnen, immer mit der absoluten Besonderheit, dass wir nie staatlich gefördert, sondern immer rein privatwirtschaftlich und immer „bottom up“, also von unten aus sich selbst heraus entwickelnd gearbeitet haben. Heute ein Gebäudekomplex von vier Gebäuden mit mehr als zwanzig Unternehmen, die hier arbeiten und einen tollen Job machen. Seit vielen Jahren bekannt durch die Eventlocation, ein Ort, an dem mehr als 350 Veranstaltungen pro Jahr stattfinden und der es geschafft hat, sich zu einer der Top-Adressen in NRW zu entwickeln. Das Innovationszentrum NRW in der VillaMedia ist die konsequente Weiterentwicklung all dessen. Heute sind wir viel breiter aufgestellt. Waren es anfangs nur Unternehmen der Medienwirtschaft, so hat sich das Spektrum heute stark in den Sektor Innovation und Nachhaltigkeit entwickelt. Heute spielen auch Blockheizkraftwerke, Solaranlagen und Energieeffizienz eine große Rolle bei uns. Wir wollen ergänzend dazu auch einen Workspace und entsprechende Coworking-Plätze einrichten, um noch mehr jungen und innovativen Unternehmerinnen und Unternehmern einen Platz zum kreativen Austausch und zum Arbeiten hier in der VillaMedia zu bieten. Hier ist das Klima für Kreativität, Innovation und Netzwerken!