Sauna für Bienen: Schüler bekämpfen Milbe

Michael Peters, Giacomo Rosso, Marius Hesse und Peter Schelte mit dem Prototyp ihres smarten Bienenstocks. | Foto: Dominique Schroller

Schüler des Walburgis-Gymnasiums in Menden haben der Varroa-Milbe den Kampf angesagt. Sie wollen dem Bösewicht im Bienenstock so einheizen, dass er die fleißigen Bestäuber nicht mehr aussaugen kann.

Der Bösewicht ist nahezu unsichtbar. Mit einer Länge von gerade einmal 1,1 Millimetern und einer Breite von 1,6 Millimetern wirkt der taschenförmige Winzling mit den haarigen Tentakeln alles andere als bedrohlich. Doch seine Kräfte sind verheerend. Ganze Völker hat er bereits vernichtet. Auf seinen Raubzügen saugt er seine Opfer aus, seine todbringende Spur zieht sich durch ganz Europa. Dort wanderte der Parasit, die Varroa-Milbe, in den 70er-Jahren ein und hat sich zu einer ernsthaften Bedrohung für die heimischen Bienen entwickelt. Die Imker rücken ihm mit Säure auf den Pelz, verätzen damit aber häufig auch ihre fleißigen Bestäuber.

„Die richtige Dosierung zu finden, erfordert sehr viel Erfahrung“, sagt Giacomo Rosso. Der 16-Jährige hat sich gemeinsam mit fünf Kollegen vom Walburgis-Gymnasium in Menden monatelang mit Alternativen zur Rettung der Honigbiene beschäftigt. „Bei unserer Recherche im Internet sind wir auf das Thema gestoßen. Uns war vorher gar nicht bewusst, wie groß das Problem wirklich ist und welche Konsequenzen das Bienensterben für uns Menschen hat“, sagt Michael Peters. Denn ohne Bienchen bleiben die Blümchen fruchtlos und die Bauern ohne Ernte.

Intelligenter Bienenstock

Um diese fatale Kettenreaktion zu stoppen, haben die Schüler einen intelligenten Bienenstock entwickelt. „Über eine Kamera erkennt der Computer, wie viele Milben pro Tag auf den Boden fallen. Wenn der kritische Wert von fünf Parasiten überschritten ist, heizt das System den ganzen Stock auf“, erläutert Marius Hesse das Prinzip der tierisch smarten Sauna. Die basiert auf der Erkenntnis, dass Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius die Bienen lediglich ins Schwitzen bringen, die Milben die Hitze dagegen nicht verkraften. Die Idee der Wärmebehandlung ist nicht neu, die Technik macht den Unterschied. „Wir haben uns mit Imkern getroffen und erfahren, dass sie die Methode bisher nicht nutzen, da sie draußen oft keinen Strom haben und ihnen die beheizbaren Bienenstöcke mit mehr als 800 Euro zu teuer sind“, berichtet Michael Peters. Für die Schüler Anreiz genug, nach einer alltagstauglichen und günstigeren Lösung zu suchen.

Sie ersetzten die Steckdose durch eine Solarzelle und gaben dem System durch Kamera und Computer eine gewisse Selbstständigkeit. „Der Imker muss nicht immer am Stock sein, um den Milbenbefall zu erkennen und darauf zu reagieren. Das macht die Technik auch für Hobbyzüchter interessant“, betont Giacomo Rosso. „Wir haben die Kosten grob überschlagen und sind auf rund 200 Euro gekommen“, ergänzt Michael Peters. Er räumt allerdings ein, dass der Prototyp noch nicht ausgereift ist. „Dafür müssten wir noch einige Arbeitsstunden investieren“, sagt Peter Schelte. Der 18-Jährige berät die Entwickler der AG Attraktiv und Preiswert als Mentor und begleitet sie zu internationalen Wettkämpfen. Dort treten sie in vier Kategorien an. „Zunächst muss unser Roboter auf einem Spielfeld unterschiedliche Anforderungen erfüllen. Außerdem muss das Team gemeinsam eine Aufgabe lösen und einen Forschungsvortag halten. Der hat uns zu den Bienen geführt“, sagt Giacomo Rosso.

Sponsor gesucht

Regional und bundesweit waren die Schüler bereits siegreich, beim Europafinale qualifizierten sie sich für den weltweiten Wettkampf in Dänemark oder England. „Genaueres steht noch nicht fest“, sagt Peter Schelte. Ob ihre Idee irgendwann in Serie geht und die Bösewichte im Bienenstock vernichtet, ist noch offen. „Dafür müsste sich erst ein Sponsor finden“, sagt Peter Schelte. Vielleicht führt der künftige Wirtschaftsinformatiker das Projekt auch selbst weiter – schließlich geht es darum, die Bienen und ein bisschen auch die Welt zu retten. Dominique Schroller