Sarah Stork: Studium mit Kind? Nur mit Selbstdisziplin!

Mutter, Schauspielerin, Studentin: Ohne Selbstdisziplin geht bei Sarah Stork nichts | Foto: Irmine Estermann

Wenn ihre fast dreijährige Tochter eingeschlafen ist, setzt sich Sarah Stork an den Schreibtisch. Erst gegen halb neun abends hat die 29-Jährige Zeit, um für Klausuren zu lernen oder Hausarbeiten zu schreiben. Die alleinerziehende Mutter macht ihren Master of Education in den Fächern Englisch und Spanisch, weil sie neben der Schauspielerei ein weiteres berufliches Standbein haben möchte. Um Kind und Studium unter einen Hut zu bekommen, benötigt man vor allem eines, sagt sie: Selbstdisziplin.

„Während ich früher hardcore kurz vor der Klausur angefangen habe zu lernen, beginne ich jetzt drei Wochen vorher“, erzählt Sarah bei einem Kaffee an der Ruhr-Uni Bochum. Ihre kleine Tochter ist heute, wie jede Woche an einem Tag, bei ihrem Papa. Sarah ist gut gelaunt, neun Stunden Schlaf hatte sie in der letzten Nacht. „Eine Seltenheit“, versichert sie. Aber die positive Einstellung verliert sie auch nicht, wenn es mal extrem stressig wird: „Man schafft das alles nur mit ganz viel Gelassenheit, das habe ich von meiner Tochter gelernt.“

Sich selbst abends nach einem anstrengenden Tag zwischen Uni und Kind noch mal zu motivieren, fällt ihr manchmal schwer: „Ich denke dann immer: Du bist doch alleinerziehende Mutter, du hast den ganzen Tag geschuftet und doch auch mal Ruhe verdient.“ Aber für Selbstmitleid bleibt ihr keine Zeit: Der Abgabetermin für die Hausarbeit rückt nun mal näher.

Und eigentlich ist sie auch nicht der Typ dafür. Also Zähne zusammenbeißen und ab an den Schreibtisch. Wenn es mal gar nicht mehr geht, geht’s eben eine halbe Stunde auf die Matte, um wieder fit im Kopf zu werden. Yoga habe ihr schon oft das Leben gerettet. Geplant war alles ursprünglich ganz anders: Die Bochumerin machte eine Schauspielausbildung in Köln und gleichzeitig ihren Bachelor in Englisch und Spanisch. Ihre Eltern bestanden auf einem zweiten Standbein neben der Schauspielerei. Ein Umstand, für den sie heute dankbar ist. Denn nur vier Tage, nachdem sie bei „Unter Uns“ die Rolle der Leonie Weidenfeld übernommen hatte, erfuhr sie, dass sie schwanger ist. Der ursprüngliche Plan, nach dem Mutterschutz in die Serie zurückzukehren, zerschlug sich. Ihre Ersatzschauspielerin blieb bei der Rolle. Und Sarah beschloss, wieder zur Uni zu gehen. 

Im Wintersemester 2014 schrieb sie sich für den Master of Education in Bochum ein: „Die Arbeitszeiten als Lehrer kannst du super integrieren, wenn du Kinder hast“, erklärt sie ganz pragmatisch. Das Problem damals: Ihre Tochter erhielt nicht sofort einen Betreuungsplatz bei den „Unizwergen“, dem Betreuungsangebot der RUB. Deshalb saß Sarah zunächst zu Hause vor Pod Casts und hörte sich Erziehungswissenschaftsvorlesungen an. Drei Kurse hat sie so absolviert. Als im Sommer 2015 ein „Unizwerge“-Platz frei wurde, griff sie sofort zu und stellte fest, dass ihre Tochter noch nicht so weit war. Immer wieder musste sie Vorlesungen kurzfristig und vorzeitig verlassen. Manchmal schaffte sie es noch nicht mal bis in den Hörsaal, weil die Betreuerinnen anriefen und darum baten , dass sie ihre weinende Tochter holt.

„Die Professoren hatten zunächst dafür Verständnis“, erinnert sie sich. Aber eine Dauerlösung konnte das nicht sein. Im Winter 2015 setzte Sarah deswegen noch mal aus. Sie drehte für RTL, ihre Tochter blieb wochenweise bei der Oma. „Das war schon hart für mich“, erinnert sich die 29-Jährige. Immer wieder musste sich ihre Tochter neu eingewöhnen, weil ihre Mama immer nur wochenweise da war. Und immer fiel es Sarah schwer, die Kleine wieder zu verlassen.

Im Sommersemester 2016 versuchte sie es noch mal mit den „Unizwergen“. „Und jetzt läuft es“, freut sie sich. Morgens um 6.30 Uhr stehen die beiden nun auf, gegen 9 Uhr geht’s gemeinsam aus dem Haus und um zehn Uhr sitzt Sarah pünktlich in ihrer Vorlesung. Sie sucht sich mit Absicht nur Seminare zwischen 10 und 16 Uhr aus, um morgens nicht noch früher raus zu müssen. „Jeder Tag soll doch auch schön sein“, sagt sie. Da ist sie wieder, die beneidenswerte positive Einstellung.

Die Schauspielerei fehle ihr, demnächst dreht sie für zwei Tage in München. Auch, weil ihre Ersparnisse, von denen sie während des Studiums lebt, kleiner werden. Als alleinerziehende Mutter kann sie sich kaum vorstellen, auch noch einen regelmäßigen Nebenjob bewältigen zu können. Die Unizwerge hält sie für ein gutes Konzept. Eine Elterninitiative unterstützt die Betreuer dort: Die Eltern jedes Kindes müssen wöchentlich eineinhalb Stunden in der Einrichtung mitbetreuen. „So kriegt man sehr genau mit, was die Kinder dort machen“, sagt Sarah. Problematisch werde es nur, wenn sie im Notfall als Betreuerin einspringen müsse, weil ihre Tage so genau geplant sind. Aber auch das funktioniert irgendwie.

Passend zu den Unizeiten sind die Bring- und Abholzeiten bei den Unizwergen sehr flexibel. Das Essen kochen die Eltern selbst vor und geben es den Kindern mit. Das Vorkochen sei zwar manchmal lästig, aber so weiß Sarah genau, was ihre Tochter isst. Nur einen Nachteil sieht die 29-Jährige an der momentanen Situation: „Ich bringe meine Tochter nur her, wenn ich selbst zur Uni fahre.“ Anders geht es kaum, weil Sarah 45 Minuten vom Campus entfernt wohnt.

Momentan sucht sie einen Kita-Platz fürs nächste Jahr. Sie selbst muss 2017 auch mit dem Studium fertig werden, denn danach greift eine neue Studienordnung. Nach dieser würden drei Monate im Ausland anstehen und einige Kurse würden nicht angerechnet werden. Der Druck ist also groß für die junge Mutter, das lässt sie im Gespräch immer wieder durchblicken. „Ich sehe es aber auch als kleine Challenge“, sagt sie und lächelt. Und falls es nicht klappen sollte, gehe es eben für drei Monate ins Ausland. Dann allerdings mit dem Töchterchen. „Das bekommen wir schon irgendwie hin.“ Wie gesagt: Gelassenheit scheint das Zauberwort zu sein.