Künstler-Stipendien: Eine Flatrate fürs Kreativsein

„Junge Kunst in Essen“-Stipendiat Axel Loytved im eigenen Atelier | Foto: Kunsthaus Essen

Es gibt Stipendien, um die sich jeder bewerben kann. Und es gibt andere, die auf Empfehlung vergeben werden – wie bei Francisca Gómez. 1981 in Berlin geboren, wurde sie von einer hochkarätigen Jury aus 48 Einsendungen aller deutschen Kunsthochschulen und Akademien zur 16. Stipendiatin des Stipendiums „Junge Kunst in Essen“ gewählt. Vergeben wird es vom Kunsthaus Essen in Kooperation mit dem Kunstring Folkwang und der RWE Stiftung.

„Es ist eines der renommiertesten Stipendien in Deutschland und vor allem hoch dotiert“, weiß der Künstler Johannes Gramm. Er hat ein Atelier im Kunsthaus und war lange Vorsitzender des Kunstvereins. Nebenan wird bald für neun Monate Francisca einziehen, in ihr eigenes sechzig Quadratmeter großes Künstleratelier. Es ist Teil ihres Stipendiums, wie auch eine Wohnung und ein Honorar in Höhe von 1 250 Euro monatlich. „Damit kann sie künstlerisch wirken, ist frei von allen Sorgen und kann Erfahrungen sammeln für ihre weitere Karriere“, meint Uwe Schramm, Vorstand und Kurator des Hauses.

 

Bevor Francisca einzieht, reist die junge Frau erst einmal nach Spanien. Stolz über ihr Stipendium untersucht sie eine Brachfläche nahe Madrid, auf der ein europäisches Las Vegas entstehen soll. Es ist ein Teil ihrer Arbeit. Im Bild will die Fotografin „Eurovegas“ festhalten und dann in einer medialen Selbstreflektion Wirklichkeit und soziale Prozesse sichtbar machen. „Ich fotografiere analog und nutze Mittel wie Doppel- und Überbelichtung“, sagt Francisca, die als nächstes „Häuser als soziale Körper“ unter die Lupe nehmen möchte. Es geht um urbane Identitätsbildung: Wie leben Menschen in den sich wandelnden Städten der Gegenwart? Dieser Frage lässt sich auch und vielleicht gerade am Beispiel des Ruhrgebiets vielseitig ausloten. Uwe Schramm ist überzeugt, dass die Jury mit Gómez eine vielversprechende wie auch relevante Kandidatin ausgewählt hat: „Sie arbeitet sehr oft medienreflexiv. Eine ihrer Werkreihen heißt ,Übers Bilder Machen’ und widmet sich der Frage, wie sich die Bilder-Schwemme unserer Zeit auf das Arbeiten von Fotografen auswirkt.“

Sprungbrett zur Erfolgsgeschichte

Francisca Gómez: Strukturwandel in Detroit

Dass sie die erste Fotografin ist, die dieses Stipendium erhält, zeige, dass Fotografie in der Kunst einen immer wichtigeren Stellenwert einnehme. „Für viele ist das Stipendium ein echtes Sprungbrett und es ist eine Erfolgsgeschichte“, unterstreicht Schramm. Tatsächlich finden sich unter den bisherigen Stipendiaten einige sehr erfolgreiche Werdegänge: Jana Gunstheimer etwa ist im Ruhrgebiet manchem noch ein Begriff aus der Folkwang-Ausstellung „Dreitausenddreihundertachtundvierzig und eine Nacht“ vor zwei Jahren. Oder Matthias Weischer, der zuletzt zahlreiche Einzelausstellungen von Rheine bis Costa Rica hatte. Oder Anna Lea Hucht, die 2011 den HAP-Grieshaber-Preis erhielt und Bilder mit so vielsagenden Titeln wie „Rücksprache zur Gewinnoptimierung“ malt. Ihre Ergebnisse will Francisca Gómez ebenfalls in einer Ausstellung präsentieren. Diese ist ebenfalls Teil ihres Stipendium, wie auch die Herausgabe des passenden Katalogs, „für viele Stipendiaten der erste ihres Lebens“, wie Uwe Schramm betont.

Der Weg zum Stipendium

Welches Stipendium passt? Der „Stipendienlotse“ des Bundes-Bildungs- und Forschungsministeriums hilft weiter und unterscheidet zwischen verschiedenen Typen: Stipendien in der Phase der schulische Ausbildung, Berufs- und Weiterbildung, Studien- und Promotions-Stipendien. Knapp 1200 Stipendien sind auf dort zu finden. So vergeben die Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen Büchergeld-Stipendien an begabte Studierende, die Apothekerstiftung Westfalen-Lippe Reisestipendien für Studierende und Doktoranden. Existenzgründern hilft das mit 10 000 Euro dotierte Stipendium des AV-Gründerzentrum NRW, während die Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe Auslandsstipendien vergibt. Die Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung vergibt jährlich Musikstipendien an junge Künstlerinnen und Künstler.

Mehr Karriere-Themen

TalentMetropoleRuhr: Förderband der Talente

Das Ruhrgebiet ist alles andere als eine talentfreie Zone – man muss die Ressourcen nur finden und formen. Talentierte Menschen aus allen Bereichen des Lebens gezielt zu fördern, das ist die Idee der TalentMetropoleRuhr. Was haben Anna Nellissen, 18, Schülerin des Kuniberg-Wirtschaftsgymnasiums in Recklinghausen; Jonas Fauser, 26, Maschinenbautechniker und Ausbilder bei E.ON Kraftwerke in [mehr...]


Internationale Filmschule Köln

Notorische Abspannleser und Dialog-Mitsprecher sind in der Filmbranche genau richtig. Eine international anerkannte Aus- und Weiterbildungsinstitution für den Mediennachwuchs ist die Internationale Filmschule Köln. Die Initiative der Landesregierung NRW und der Film- und Medienstiftung NRW vermittelt nicht nur das nötige Handwerk, sondern auch den theoretischen Hintergrund. Neben der Film- und [mehr...]


Neue Chance: Außerbetriebliche Ausbildung

es weiterhin gute Chancen auf berufliche Perspektiven. In vielen Städten werden über das JobCenter und die Agentur für Arbeit „Berufsausbildungen in außerbetrieblichen Einrichtungen“ angeboten; die Jugendhilfe Essen beispielsweise bildet in rund zehn unterschiedlichen Gewerken aus. Egal ob als Fachkraft für Lagerlogistik, Maler und Lackierer oder Metallbauer – die außerbetriebliche Ausbildung [mehr...]


Start-Ups: Ich freue mich auf Montag!

Wirtschaft kann so einfach sein. Zum Beispiel mit Windeln: In der Schweiz leben rund sieben Millionen Menschen, darunter geschätzte 190 000 Wickelkinder. Bei einem angenommenen Verbrauch von sechs Windeln pro Tag kommen so rund 416 Millionen Stück pro Jahr zusammen. Mit rund 20 Cent pro Stück macht das einen Kuchen von 83 Millionen Euro. Davon müsste sich ein cleverer Geschäftsgründer mit der Idee [mehr...]


Kommentar hinzufügen

* Pflichtfeld