Theater Oberhausen: Nazis, Hochstapler und eine Party

Willkommen bei den Nazis: Die Schimmelmanns sind eine Sklavenhändlerfamilie. | Foto: Katrin Ribbe

Der Sommer endet, die Theatersaison beginnt. Wie jedes Jahr laden mit dem Fortbleiben der wärmeren Temperaturen die Theater an Rhein und Ruhr zur kulturellen Abendunterhaltung auf ihre plüschigen Sessel. Das Theater Oberhausen startet die Saison mit einer Nazi-Familie und einem französischen Hochstapler und Killer. Und einem großen Theaterfest.

Die AfD provoziert nicht mehr. Mittlerweile hat sich Deutschland an die rechte Partei gewöhnt. Ein groteskes Spiegelbild dieses gesellschaftlichen Gleichmuts zeigt Mario Salazar mit „Schimmelmanns – Verfall einer Gesellschaft“. „Wir haben es mit einer deutschen Sklavenhändlerfamilie zu tun“, erklärt Regisseur Florian Fiedler, „deren ungebrochenes Verhältnis zu den Nazis bei einer Beerdigungsfeier der Familie zum Thema wird.“ Die Schimmelmanns sind durchdrungen von Sexismus, Rassismus und Antisemitismus – und letztlich auch von Angst. „Viele Menschen haben Angst vor Veränderung jeglicher Art“, weiß Mario Salazar. So könne Hass entstehen, wenn das Ungewohnte nicht kennengelernt, sondern ängstlich abgelehnt wird. Salazar hat chilenische Wurzeln und wuchs in Ostdeutschland auf, von Fremdenfeindlichkeit kann er zur Genüge berichten. Die „Das wird man doch noch sagen dürfen“-Mentalität, die vor allem in den ehemaligen DDR-Gebieten Abnehmer findet, haben sich auch die Schimmelmanns zu Eigen gemacht. Doch trotz des ernsten Themas gibt es bei der Familie, die „Ähnlichkeiten mit den Buddenbrooks hat“, wie Florian Fiedler verrät, auch etwas zu lachen. „Einerseits sind die Schimmelmanns ein warnender Hilfeschrei, andererseits ist das Stück unerträglich komisch in seiner Ehrlichkeit“, kündigt Salazar an.

Jean-Claude Romand läuft "Amok". | Foto: Isabel Machado Rios

Um die neue Saison gänzlich einzuläuten, stimmt ein 16-stündiges Theaterfest am Samstag, 23. September, auf die Theaterzeit ein. Mit Festzugsprozession, Gesprächen mit Ensemblemitgliedern, Lesungen, einer Modenschau, Führungen durch Maske und Fundus sowie einem anschließenden Musikfestival und einer Clubnacht wird in Oberhausen ab 13 Uhr Kultur gefeiert, freut sich Dramaturgin Meike Sasse. Premiere feiert beim Theaterfest auch „Amok“. Dessen Hauptperson Jean-Claude Romand lebt ein perfektes Leben: Familie, angesehener Mediziner bei der WHO, dickes SUV und nettes Haus. Wie aus dem Fertiggerichte in sich hineinschaufelnden Studenten ein Gewinnertyp jenseits des Mittelmaßes werden konnte, ist ganz einfach: gar nicht. Denn Romand lebt eine Lüge. 17 Jahre lang verbringt er Zeit im Wald oder vor dem Fernseher im Flughafenhotel anstatt in einem Büro zu sitzen. Als der Schwindel aufzufliegen droht, wird der Hochstapler zum Mörder; fünffach, an seinen Eltern, seiner Frau und an seinen Kindern. Faszinierend ist das von Jan-Christoph Gockel, Regie, und Patricia Nickel-Dönicke, Dramaturgie, aufbereitete Stück nicht nur wegen der Unvorstellbarkeit eines jahrelangen Doppellebens. Emmanuel Carrère, der die Romanvorlage für das Stück lieferte, ließ Romand nie mehr los. „Diese Geschichte packt einen sofort“, versucht Patricia Nickel-Dönicke zu erklären, „und dann fragt man sich: Warum eigentlich?“ Ein Stück zum ins Gespräch kommen, sei die in Osnabrück entstandene Darbietung, ein Spiel mit dem eigenen Selbst und den Konventionen, Rollen um uns herum. Genau wie bei der „Dramödie“, wie die Geschichte um die Schimmelmanns eingeordnet wird, bleibt auch bei „Amok“ nur noch zu fragen: Darf man das? Karten gibt’s über theater-oberhausen.deJulia Hubernagel

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