Mein Lokal, Dein Lokal: Dreh in Dortmund und Witten

Kollegen unter sich. Die Duellanten der neuen Ruhrgebiets-Ausgabe. | Foto: © kabel eins

Die Kritiker der Elche sind selber welche. So ähnlich hat es mal ein deutscher Dichter gedichtet. Bei Kabel1 sind es Gastronomen. Die nächste Staffel von „Mein Lokal Dein Lokal“ spielt in Dortmund und Witten. Wir waren bei den Dreharbeiten eines TV-Dauerbrenners vor Ort.

„Superschön hier bei Dir. Auch alles allerbeste Klasse. Total lecker auch, aber…“. Das Kabel1-Format „Mein Lokal – Dein Lokal“ hat genau diesen kleinen Dreh, der das Angucken so spannend macht: Wie bringe ich unauffällig ein wenig Kritik unter, ohne als unsolidarischer Kollegen-Schmäher dazustehen? Beim Dreh im stets zusammenhaltenden Ruhrpott natürlich kein Thema. Oder etwa doch?

Zur Erinnerung: Die Sendung läuft stets eine Woche lang täglich. Je 45 Minuten netto. Fünf Gastronomen sind dabei, jeder lädt die anderen vier zum Gucken und Essen ein, jeder bewertet die anderen Läden und am Ende steht ein Punktsieger fest. The Winner Takes It All? „Alle sind Sieger“ sagen die Gastronomen dazu unisono. „Wir sitzen alle in einem Boot“. Aber stimmt das? Auf eine Art auf jeden Fall. Denn jeder darf sein Lokal einer großen Zuschauerzahl des Privatsenders vorstellen, jeder kann sich und seine Persönlichkeit im Rahmen der Show präsentieren. Jeder lockt Neugierige an. Man wird Gesprächsthema. Nicht schlecht. Eine Win-Win-Situation der Werbe-Einschaltquote.

Dreh in der Soulfood Manufactory| Foto: © kabel eins

Extrovertierte Charaktere

Dabei ist, wer gecastet wird. Die Redaktion ist schon einige Jahre deutschlandweit unterwegs. Sie hat „ihre“ Gastronomen lieb gewonnen, weiß um deren oft extrovertierte Charaktere, deren zuweilen Exaltiertheit und Expressivität. Diplomatie und die Kunst des verbalen Floretts sind beileibe nicht Alleinstellungsmerkmale der Branche. „Gastronomen sind Alpha-Tiere“, sagt ein Redakteur der Sendung. Aber er weiß auch um die Verantwortung: „Wir wissen, dass da ganze Existenzen dran hängen“. Moderate Töne, woanders geht es in der Branche schon mal zynischer zu. Siehe Böhmermanns Undercover-Stories. Aber diesmal geht es beim televisionierten Wettstreit am Ende ganz seriös um die gastronomische Qualität. So stellt es sich auch bei den Besuchen am Set dar. Wie schmeckt es, wie sieht es aus, lohnt es sich?

Deshalb sieht die Redaktion ja auch möglichst zu, dass drastisch unterschiedliche Konzepte des Kulinarischen miteinander konkurrieren. In der aktuellen Ruhrpott-Variante treten ein gehobenes Restaurant auf Michelin-Stern-Jagd, ein skurriles Café mit Vorort-Glamour-Faktor, ein urbanes Ganztages-Szene-Lokal, ein geschmackvoller klassischer Italiener und ein mittellautes Party-Keller-Konzept gegeneinander an. „Der Schneider“, das „Café Möpschen“, die „Soulfood Manufactory“, das Ristorante „L’Unica“ und der „Ratskeller“. Einer wird gewinnen.

Auftakt in der Soulfood Manufactory

Das Szene-Café Soulfood Manufactory beherbergt den ersten Drehtag. In der Dortmunder Kaiserstraße treffen die Gastronomen ganztags zusammen, kennengelernt haben sie sich am Vorabend. Zuvor sollen sie möglichst nicht wissen, was auf sie zukommt. Der Drehtag sieht aus wie ein Drehtag. Alles dauert lange, warten will gelernt sein, doch die Motivation ist hoch. „Fernsehen ist schon aufregend“, so der Tenor. Erste Koalitionen sind erkennbar – bei aller gegenseitigen Kumpelei. Und immer wieder: „Dabeisein ist alles“. Hier läuft das Tagesgeschäft einfach weiter – mit den Einschränkungen durch das Filmteam. Berüchtigt natürlich der Ton-Mann. Das sind sehr sensible Wesen – nur nicht nach außen.

Zwei Tage später wird im Café Möpschen gedreht. Das heißt wirklich so und ist seit neun Jahren ein beliebter Treffpunkt in der Wittener City. Chefin Heike Köhler nennt sich auch schon mal selbst „die Hella von Sinnen von Witten“. Was ihr beim Casting wohl kaum geschadet haben mag. Sie hat hier auch schon Mopsrennen veranstaltet. Von da ist es bis zur Kabel1-Show auch nicht mehr weit. Die zwei zentralen Hunde, quasi die alternative, die tierische Geschäftsleitung, laufen umher. Oscar und Cleopatra. Für das Filmteam aber kein Stress. Eher schon gibt es leichten Stress bei den Teilnehmern. Gelegentlich fühle man sich etwas in eine Richtung gedrängt vom Filmteam. Klar, die brauchen ein wenig Drama. Zu viel Solidarität und gegenseitige Lobhudelei gilt wohl als langweilig. Womöglich ein Quotenkiller. Was herausgekommen ist, das lässt sich dann alsbald auf Kabel1 bewundern. Wird der gehobene Gastronom sich leicht abfällig über den Partykeller geäußert haben? Wer wird sagen, dass Vierbeiner nicht in ein Café gehören und wer bekommt die meisten Punkte? Popcorn bereit legen und einschalten. Tom Thelen

Ausstrahlung: 7.-11.8. auf Kabel eins

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