Nordpol-Expedition: Kulturcafé Nordpol in Dortmund

| Foto: Daniel Olligschläger

Guck mal, hier war bestimmt früher eine Kegelbahn.“ – „Quatsch, dafür ist der Raum doch viel zu kurz.“ – „Okay, stimmt auch wieder.“ Der 40 qm große Kellerraum im Anfang November eröffneten Kulturtreff Nordpol bietet während der Begrüßungsparty nicht nur eine Cocktail-Bar, sondern ebenso Raum für Spekulationen hinsichtlich seiner früheren Bestimmung. Im 60-qm-Erdgeschoss hingegen ist die rustikale Kneipenvergangenheit nicht nur aufgrund der holzvertäfelten Theke allgegenwärtig.

„Wir hatten die Nase voll davon, dass in der Nordstadt das kulturelle Angebot östlich der Münsterstraße nicht ausreichend ist. Fast alles spielt sich nur rund um den Hafen ab. Aber wir sind hier in 145“, benennt Altenpfleger Dennis einen der Hauptgründe, warum er und rund 20 weitere Mitstreiter sich in ihrer Freizeit auf das Unternehmen „Nordpol“ eingelassen haben. Die meisten von ihnen, im Schnitt Mitte 20, wohnen im besagten Dortmunder Postleitzahlengebiet 44145. Jeder trägt je nach finanziellen Möglichkeiten einen Teil zur Monatsmiete bei und übernimmt ehrenamtlich Thekenschichten. „Wir verdienen daran nichts“, betont Markus, der Soziale Arbeit studiert.

Vor knapp eineinhalb Jahren entstand die Idee für den Nordpol aus einer klassischen Bierlaune heraus. „Wir haben die Mühlen der Bürokratie durchlaufen, uns mit Ordnungsamt, Bauordnungsamt und der Lebensmittelbehörde getroffen und gute Gespräche geführt“, fasst Dennis zusammen. Das eigentliche Problem sei die GEMA. Bei deren Zahlen hätten die Macher die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

Sie selbst wollen in erster Linie einen Ort für kulturelle und politische Initiativen zur Verfügung stellen. Sei es für Workshops, Filmabende oder Ausstellungen. Zwölf größere Veranstaltungen im Jahr sind genehmigt, immer mittwochs und samstags sowie an weiteren wechselnden Tagen hat der Nordpol-Tresen zu Beginn geöffnet. Zudem wird an Kooperationen mit anderen Nordstadt-Einrichtungen wie dem benachbarten Roxy-Kino und ein Sonntagscafé mit Kaffee & Kuchen im Sinne eines offenen Stadtteildialogs gedacht.

Für die freie Szene in Dortmund ist der Nordpol ein Gewinn. Nicht zuletzt aufgrund der zentralen Lage. „Das Ladenlokal ist wirklich ein Glücksgriff. Hier spielt das Leben“, freut sich Markus auf die nächsten Etappen des Nordpol-Abenteuers und klärt noch die Frage nach dem seltsamen Zuschnitt des Kellerraums auf. „Da war früher tatsächlich mal eine Kegelbahn drin. Wir haben allerdings eine Trennwand reingezogen.“

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