Aber bitte mit Sahne: Kleine Zuckerbäckerei in Bochum

Cupcakes sind die Spezialität der Kleinen Zuckerbäckerei. | Foto: Dominique Schroller

Die Kleine Zuckerbäckerei verführt die Ehrenfelder zu einer süßen Auszeit. Cremige Cupcakes und andere kleine Köstlichkeiten haben das Café in fünf Jahren vom Geheimtipp zum Szenetreff im Viertel gemacht.

Sie sehen zum Anbeißen aus, die kleinen Kunstwerke hinter Glas. Eingerahmt von einer runden Form wachsen zwiebelturmartige Gebilde in die Höhe, gekrönt von bunten Perlen oder frischen Früchtchen. Kenner stehen für diese Köstlichkeiten bereits Schlange. Die meisten kommen immer wieder in die Galerie des guten Geschmacks. „Wir haben sehr viele Stammkunden, zu denen sich inzwischen persönliche Kontakte entwickelt haben“, berichtet Anke Rhönisch. Seit fünf Jahren führt sie die Kleine Zuckerbäckerei im Ehrenfeld und hat sich dort bereits einen Namen gemacht. Der kleine Laden hat sich so schnell zum Treffpunkt entwickelt, dass aus der einst kleinsten Konditorei Deutschlands ein ausgewachsenes Café mit Wohnzimmer-Atmosphäre geworden ist.

Seminare für Hobbybäcker

„Angefangen haben wir mit 40 Quadratmetern inklusive Backstube – ein paar Meter weiter die Straße hoch. Dort, wo Freunde von mir jetzt das Kunstatelier eröffnet haben“, sagt Anke Rhönisch. Sie ist im Viertel verwurzelt und mit ihren Aufgaben gewachsen. Inzwischen hat sie das Ladenlokal nebenan noch dazu genommen, um dort Seminare für Hobbybäcker abzuhalten und anderen Kreativen einen Raum zu geben. „Eine Perserin aus der Nachbarschaft möchte dort künftig die Gewürze ihrer Heimat vorstellen. Doch ich suche noch mehr Interessenten, um die Ecke hier weiter zu beleben.“

| Foto: Dominique Schroller

Die Momente, in denen sie ihre eigenen Ideen verwirklicht, sind zwar seltener geworden, dafür genießt die 45-Jährige sie umso mehr. „Wenn es mich überkommt, muss ich es auch sofort umsetzen.“ Kleine Sahnetörtchen sollen künftig mit den cremigen Cupcakes konkurrieren, feine Crêpesröllchen mit Ruccola, Tomate und Parmesan die herzhafte Palette um Quiche und Co. ergänzen. „Wir entwickeln ständig irgendetwas Neues.“ Neben liebevoll verpackten Plätzchen stehen daher auch hausgemachte Konfitüren im Regal. Besonders beliebt ist die Hasenmarmelade – eine Mischung aus Möhre, Apfel und exotischen Früchten. „Das Rezept ist mir zufällig im Netz begegnet. Ich habe es etwas abgewandelt, mit verschiedenen Gewürzen verfeinert und sofort ausprobiert.“ Doch erst nach der hauseigenen Kostprobe landete die Kreation auch im Sortiment. „Grundsätzlich verkaufe ich nur das, was ich auch selbst gerne esse“, betont Anke Rhönisch. Ihre Spezialität sind die kleinen, feinen Leckereien wie Marcarons, Petit Four oder eben die bunten Hincookies. Die Zuckerguß-überzogenen Herzchen, Krönchen oder Glückspilze sind beliebte Mitbringsel. „Die habe ich mir auch abgeguckt“, sagt die Konditorin lachend. Genauso wie die Idee mit den Cupcakes, die in Bochum einzigartig sind. „Seit ich sie bei Peggy Porschen in London probiert habe, war mir klar, dass ich so etwas auch machen muss.“

Sozialpädagogik trifft Cupcakes

Bei der Starkonditorin hat sich Anke Rhönisch auf ihre Art für die Inspiration bedankt: Ihre erste Auszubildende ist inzwischen in der vielfach ausgezeichneten Kuchen-Manufaktur der britischen Hauptstadt beschäftigt. „Sie ist richtig durchgestartet und darauf bin ich auch ein bisschen stolz.“ Das eigene Verständnis von Qualität und Individualität weiterzugeben, ist für die Bochumerin besonders reizvoll. Sie hat nach ihrer eigenen Konditoren-Ausbildung noch Sozialpädagogik studiert und auch einige Jahre in diesem Beruf gearbeitet. „In meinem Laden habe ich alles vereint, was mir am Herzen liegt. Das macht es noch mal spannender.“ Diese Leidenschaft spürt auch Melina Papadakis, die seit vier Monaten in der Kleinen Zuckerbäckerei lernt. „Alles ist hier außergewöhnlich. Obwohl wir diese Kleinigkeiten machen, soll es immer gut aussehen. Wir verarbeiten nur frische Zutaten, nichts kommt aus der Packung. Und durch den Kontakt mit dem Kunden weiß ich, ob es geschmeckt hat.“

| Foto: Dominique Schroller

Diese persönliche Atmosphäre schätzt auch Jule Dieberg. Sie gehört seit dreieinhalb Jahren zur Zuckerbäcker-Familie. „Vorher war ich Kundin und konnte mir gut vorstellen, mit süßen Sachen zu arbeiten. Die Schokoladen-Tarte und unsere Amarettini liebe ich besonders. Ich bin einfach gerne hier.“ Mit liebevoll ausgewählten Einzelstücken und einem Blick für Details hat Anke Rhönisch dem Café den Charme eines gemütlichen Wohnzimmers gegeben. Das ausladende Biedermeier-Sofa erinnert an Kaffeeklatsch bei Oma, die Bank aus dem ehemaligen Bullerbüdchen an Mutters Küche „Dort drüben steht sogar eine ehemalige Kirchenbank aus einem Bochumer Stift. Die Möbel haben fast alle eine Geschichte.“ Manche stammen vom Flohmarkt, wie die Kortum-Theke mit den kleinen Schubladen, in denen früher Kurzwaren lagerten. Andere sind Geschenke von Freunden oder Mitbringsel von Reisen. Im Laufe der Zeit haben sie sich zu einem gemütlichen Ensemble zusammengefunden, das gemütlich statt durchdesignt wirkt.

Nicht perfekt

„Nichts hier ist perfekt, doch das überlassen wir auch lieber anderen“, sagt Anke Rhönisch. Sie muss immer ein wenig schmunzeln, wenn die Grundschul-Mädels mit ihren Freundinnen kommen, sich auf das Sofa setzen, heiße Schokolade und Kuchen bestellen – wie bei einem richtigen Kaffeeklatsch. „Damit sie nicht ihr ganzes Taschengeld ausgeben, bekommen sie auch schon mal einen Sonderpreis.“ Wenn die 45-Jährige zwischen Hochzeitstorten, Seminaren und den süßen Kleinigkeiten für das Café mal einen Augenblick Zeit für eine Tasse der milden Hausmarke hat, und vor ihrer Cupcake-Vitrine steht, wählt sie die Küchlein mit einer Crème aus gesalzenem Karamel. „Das ist einfach ein kleines himmlisches Törtchen.“ Dominique Schroller

Hunscheidtstraße 61, Bochum

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