Klimawandel: Susanne Fasbender über ihre Filme „Brand I-III“

Abriss des Immenrather Doms. | Foto: Susanne Fasbender

Fünf Jahre hat die Düsseldorfer Künstlerin Susanne Fasbender an ihrer Filmtrilogie „Brand I-III“ gearbeitet. Herausgekommen ist eine umfassende Reihe über den Klimawandel und dessen Zusammenhänge, die tief mit unserer Gesellschaft zusammenhängen. Die Premiere der ersten beiden Teile findet am 11. März um 15:30 Uhr im Theatersaal des Düsseldorfer Künstlervereins Malkasten statt. Tabea Mirbach hat vorab mit der Videokünstlerin über die Filmreihe gesprochen.

Susanne Fasbender | Foto: privat

Wie sind Sie auf den Namen „Brand“ gekommen?
Ich meine mit dem Titel „Brand“ einen schwelenden Brand, wie eine Dauerentzündung. Es gibt eine chronische Krankheit, bei der man im Körper immer schwelende Entzündungen hat. So kommt mir die ganze Situation mit dem Klimawandel und den Zusammenhängen dazu heute vor. Die ganze Gesellschaft und das Konstrukt, in dem wir leben, sind dauerhaft entzündet.

Was motivierte Sie dieses Projekt anzufangen?
Auf das Thema bin ich eigentlich 2012 durch die Waldbesetzung im Hambacher Forst gekommen. Die Aktivisten waren die ersten, durch die ich überhaupt vom Hambacher Forst gehört habe. Da war ich das erste Mal bei der Waldbesetzung. Ich bin hingefahren und hab sofort gedacht, „Das musst du machen, das wird ein Film!“ Aber der Film geht mittlerweile weit über die Waldbesetzung hinaus. „Brand I“ handelt vom Eigentum an Land und Wäldern und beschäftigt sich mit der Frage „Wem gehört eigentlich die Natur?“. Im zweiten Teil der Reihe geht es um die Zerstörung der Dörfer und der Natur durch ihre Kapitalisierung. „Brand III“  beschäftigt sich dann mit der Besetzung des Hambacher Forsts.

Wussten Sie damals schon, wie umfangreich das Thema wird?
Nein. Als ich das erste Mal in diese Gegend fuhr, merkte ich sofort, dass das eine Umgebung voller Themen ist, die mich interessieren. Die Macht eines Konzerns ist dort wie dicke Luft spürbar. Es ging mir aber nie darum, einen Film über das Tun eines bestimmten Konzerns zu machen. Das war mir zu wenig.

Worum ging es Ihnen stattdessen?
Darum, Zusammenhänge darzustellen. Die Sichtbarkeit dieser Zusammenhänge an diesem Ort hat mich gereizt. Nicht nach dem Motto: „Oh was für ein Phänomen, ein Konzern macht etwas Böses und das will ich dokumentieren“, weil das ja nichts Besonderes mehr ist. Ich spürte dort diese Atmosphäre der Kontrolle und dadurch habe ich Lust bekommen, das zu machen.  Aber es ist alles viel komplexer als es auf den ersten Blick zu sein scheint. Wir befinden uns in einem Dilemma, aus dem wir nicht so einfach raus kommen. Denn niemand, der an den Schalthebeln sitzt, arbeitet in die Richtung, eine grundlegende Veränderung in unserer Wirtschaft zu erreichen. Alles, was an Lösungsmöglichkeiten vorgeschlagen wird, folgt immer denselben Gesetzmäßigkeiten: Wirtschaftswachstum und Wettbewerb. Es gab bereits Analysen in den 50er Jahren, die belegen, dass der Wettbewerb unsere Umwelt zerstört.

Und das hat Sie motiviert, weiterzumachen?
Es wurde immer spannender durch die Fragen, die aufgekommen sind. Je tiefer ich recherchierte, desto mehr habe ich verstanden, dass wir viel zu oberflächlich über den Klimawandel und die Naturzerstörung nachdenken. Wir sind natürlich empört, wenn wir so etwas sehen, aber denken nicht an die globalen Zusammenhänge. Eine zentrale Frage war für mich im Verlauf dieser Jahre, warum die Konzerne eigentlich nicht aufhören, fossile Energien zu fördern und zu verbrennen. Es gibt ja schließlich jetzt die Energiewende. Und die Antwort auf die Frage, hat mir so die Augen geöffnet, dass ich überhaupt erst kapiert habe womit ich es zu tun bekam.

Zu welcher Antwort sind Sie gekommen?
Ein wichtiger Aspekt ist der, dass dieses Gesellschaftssystem, in dem wir leben, von fossiler Energie auf besondere Weise abhängig ist. Sie dient nicht nur dazu, unsere Haushalte warmzuhalten oder dass wir Strom in der Steckdose haben, sondern das ganze industrielle Produktionssystem ist auf fossile Energie angewiesen. Und dazu zählen der globale Transport, die Fabriken, das Militär und die Kriege, die geführt werden. Alles wird fossil befeuert. Damit aufzuhören würde eine tiefgreifende Änderung unseres Wirtschaftens auf allen Ebenen bedeuten, die natürlich mit Einbußen von Macht und Kapital zu tun hätte. Das will niemand und deswegen wird es nicht wirklich in ganzer Konsequenz thematisiert.

Sie haben in Ihrer Reihe die Schicksale der betroffenen Menschen vorgestellt. Welchen Geschichten sind Sie beim Drehen begegnet?
Am meisten hat es mich berührt, wenn ich mit den Menschen in den Dörfern gesprochen habe. Da ging es um die Geschichten der einzelnen Menschen. Wie fühlt es sich an, wenn der Heimatort zerstört wird? Das ist eine unheimlich tragische Geschichte, die die Menschen dort erleben. Ich habe diese tiefe Trauer nachempfinden können, als ich mit Menschen gesprochen habe, die das damals 1978 alles schon miterlebt haben und dagegen angekämpft haben. Damals waren sie noch Jugendliche. Wilhelm Breuer, den ich im Film interviewe, hat den Hambacher Forst geliebt und  ist mit diesem Wald aufgewachsen. Für ihn war es traumatisch, dass dieser abgeholzt wurde.

Wie hoch sehen Sie die Relevanz der Widerstände gegen die Konzerne z.B. wie im Hambacher Forst?
Sehr hoch und ich gehöre deshalb auch nicht zu den Menschen die das verurteilen. Ich habe große Achtung vor den Menschen dort, die sich mit ihrem Körper und ihrer Freiheit für den Widerstand einsetzen. Die Menschen dort haben viel erreicht (Anmerkung der Redaktion: zum Beispiel keine Waldrodung im Jahr 2017, das erste Mal seit 40 Jahren), das darf man nicht unterschätzen. Und weil sie so viel erreichen, werden sie auch so bekämpft. So ein Widerstand ist wichtig und wir als Gesellschaft sind bis jetzt viel zu desinteressiert und überheblich damit umgegangen. Denn vielen ist nicht bewusst, dass diejenigen, die dafür kämpfen, es letztendlich auch für die Gesellschaft tun.