Maria Magdalena: Die Stimme einer Frau

| Foto: Jonathan Olley, Unit Stills Photographer

Sie war die Frau an Jesus Seite: Maria Magdalena. In dem nach ihr betitelten Film rollt Regisseur Garth Davis („Lion“) die wohlbekannte, gut 2000 Jahre alte Geschichte mit historischem Blick und anderer Perspektive neu auf und räumt dabei gängige Missverständnisse rund um Maria von Magdala aus. In der Summe macht das einen brillant gespielten und hervorragend inszenierten Film, an dem man sich zerreiben kann. 

Von der ersten Minute an bemüht sich „Maria Magdalena“ zu zeigen, dass hier keine mystische Sage erzählt werden will, sondern eine im historischen Kontext eingebettete Erzählung. So ist es die Geschichte einer Frau in einer bestimmten Zeit, die nicht in die ihr vorgeschriebene Rolle passen will, die Probleme mit der Gesellschaft und deren Normen hat, in denen sie leben muss. Eine Frau, die einen Ausweg und eine Alternative sucht und genau diese in den Reden eines gewissen Jesus von Nazareth findet. Der Erzählung gelingt es dabei, eine soziologische Komponente in dem ganzen Ding mit Jesus, der Messias-Sehnsucht und dem aufflammenden Christen-Kult zu beleuchten. Fast zwanghaft provokant, aber durchaus gelungen sind dabei die Verdrehungen von Charakteren wie Judas, der hier als naiver Bursch auftritt, oder Petrus, der als militanter, stellenweise leicht misogyner Traditionalist daherkommt. Wobei es offen bleibt, ob diese Darstellungen nicht wirklich kontrovers, sondern einfach nur ehrlich sind. 

Foto: Universal Pictures

Frustrierend wird es, wenn dieser Blickwinkel aus dem Fenster geworfen wird und statt der glaubwürdigen Exploration von menschlichem Verhalten und Handeln plötzlich Wunderheilungen und Co auf den Tisch kommen. Gleichfalls verliert der Film im Laufe der Spielzeit seinen erfrischenden Fokus auf die junge Maria Magdalena und verfällt zunehmend in eine fast pflichtartige Nacherzählung der bekannten Jesusgeschichte. Bis man schlussendlich nicht mehr weiß, ob das Ziel das Dekonstruieren oder die Affirmation von Mythen ist, beziehungsweise ob die historisch-theologische Sichtweise noch greift oder doch schon Katholikenpropaganda betrieben wird – oder ob das alles letztlich egal ist, weil Maria Magdalenas finale Botschaft im Film beides nicht braucht. 

Und so ist „Maria Magdalena“ in keinster Weise ein einfacher Film und gleichzeitig auf jede erdenkliche Art ein interessanter Film. Jeder Zuschauer kann hier seine eigenen Ecken finden, die ihn anstacheln und in denen er sich zerreiben kann – je nachdem, welchen Hintergrund und welche Erwartung man mit in den Film nimmt. Vor allem das Verdrehen von Sichtweisen, die wir für bare Münze nehmen und die Neuinterpretierungen von Figuren, deren Rollen und Funktionen wir zu kennen glauben, bietet dabei viel Konversationsstoff mit kontroversem Potential.

Sehenswert ist „Maria Magdalena" allemal, sei es für die vortreffliche Inszenierung oder die wirklich starken Schauspieler. Neben Joaquin Phoenix als seltsam charismatischer und eindringlicher Jesus ist es vor allem Rooney Mara in der Hauptrolle, die hier mal wieder völlig unaufgeregt und geerdet eine wundervolle und glaubwürdige Performance abliefert.

Maria Magdalena
Start: 15.3.
R: Garth Davis
D: Rooney Mara, Joaquin Phoenix, Chiwetel Ejiofor, Tahar Ramin