Pottoriginale Roadmovie: Der Schatz von Herne

VfL Jesus und der Tankwart a.D. stürzen in ein wildes Abenteuer. | Foto: Tim Kramer/ Pottoriginale

Starfotograf Gerrit Starczewski gibt sein Kinofilmdebüt. In den Hauptrollen: die Ruhrpott Originale Tankwart a.D. und VfL Jesus. Bekannt wurden sie durch zwei Dokus, die Starczewski vorher drehte. Die beiden VfL-Fans und Pottoriginale eroberten schnell die Fan-Herzen. Der neue Roadmovie ist Starczewskis dritter Film, aber sein erster Spielfilm. Er soll in Anlehnung an Filme wie „Manta, Manta“ oder „Bang Boom Bang“ ein Kultfilm werden. „Weltpremiere“ ist am 8. Dezember im UCI Bochum. Julia Kunz sprach mit dem Regisseur.

Der Titel ist „Pottoriginale – Roadmovie“. Wieso denn ein Roadmovie?

Ich mag einfach den Charme dieses Genres. Da passiert in kurzer Zeit sehr viel und die Musik spielt eine besondere Rolle. Die gehört ganz fest dazu und bei meinem Projekt „Dancing Shoes“ habe ich die Schuhe von Musikern fotografiert. Daher mein Interesse. Aber Autos sind natürlich auch wichtig beim Roadmovie. Wir hatten deshalb einen Manta und einen Shelby Mustang für den Dreh.

Der Tankwart a.D. war wirklich Tankwart, aber an keiner Goldin-Tankstelle. | Foto: Tim Kramer/ Pottoriginale

Erhard Goldbach war Besitzer der Goldin Tankstellenkette und hat durch Betrug rund 300 Millionen DM Steuerschulden angehäuft. Bevor er aufflog und festgenommen wurde, ließ er das Stadion von Westfalia Herne renovieren. 2004 starb er und das Geld wurde bis heute nicht gefunden. Wie kam die Idee dazu, die Geschichte weiterzuspinnen?

Die Sage des Schatzes von Herne ist der wahre Kern, ansonsten ist das eine total fiktive Geschichte. Die Sache mit diesem Geld ist ja das größte Wirtschaftsverbrechen, zumindest in NRW. Mein Film soll aber keine Dokumentation darüber sein. Ich bin ein totaler Fußball-Junkie und hab auch einen Draht zu Westfalia Herne. Der dortige Chef erzählte mir, dass der Rasen umgepflügt wird. Im Spaß hab ich gesagt: ‚dann findet ihr bestimmt das Geld‘. Da kam mir dann plötzlich die Idee da was draus zu machen. Ich habe schon davor mit Tankwart a.D. und dem VfL Jesus gedreht und die sind dadurch bekannt und populär geworden. So kam ich auf den Plot: Der Tankwart a.D. heißt Tankwart, weil er mal als Tankwart gearbeitet hat, nämlich bei einer der Goldin Tankstellen, die ja dem Goldbach gehörten. Er hört dann im Radio davon, dass das Westfalia Herne Stadion umgebaut wird und er erinnert sich wieder an das Geld. Mit dem VfL Jesus bricht er dann im Stadion ein, sie finden das Geld auch und sind mega happy. Da beginnen dann die skurrilen Erlebnisse. Sie treffen auf jemanden aus dem Nachtleben, der sie über den Tisch zieht, aber das merken sie erstmal gar nicht. In kurzer Zeit passiert dann ganz viel, ein Roadmovie eben.

Was ist besonders an dem Film?

Ende Mai kam mir die Idee, jetzt ist er schon fertig. Ich hab das Meiste komplett alleine gemacht. Ich war auch selber Regisseur und hab mich um Organisatorisches gekümmert. Bis auf meinen Kameramann Björn Henke war das eine One-Man-Show. Der Film ist auch extrem Low-Budget: er hat jetzt 20.000  Euro gekostet. Wenn man das mal mit dem Sönke-Wortmann-Streifen „Sommerfest“ vergleicht, der hat 3 Millionen Euro in Fördergeldern bekommen. Wir hatten außerdem zwei Laien in den Hauptrollen. Die können nicht einen Satz zweimal sagen. An manchen Tagen sind sie dann auch einfach verschollen (lacht). Aber dabei entsteht eine ganz besondere Komik, fast schon Helge-Schneider-Humor. Wir haben das einfach mal abgerockt und das ist das Besondere. Es scheint auch gut anzukommen: Den Trailer haben jetzt in den letzten zwei, drei Tagen 150.000 Leute geschaut. Das  ist schon nicht schlecht. Wir haben nur in Herne und Bochum gedreht, es ist halt eine absolute Ruhrpott-Geschichte.

Der VfL Jesus hat sogar Autogramkarten. | Foto: Tim Kramer/ Pottoriginale

Wieso wird eine „absolute Ruhrpott-Geschichte“ auch in Berlin gezeigt? Kommt das da an?

Der Film hat eine ganz eigene Strahlkraft, die nicht nur im Pott wirkt. Ich plane auch noch Vorstellungen in München und Hamburg, weil ich das selber organisiere. Der Film ist so ein bisschen mein Baby, und in Berlin bin ich gut vernetzt. Da gibt es ja auch einige „Exil-Ruhrgebietler“, aber die Weltpremiere ist ganz bewusst in Bochum. Der Tankwart und Jesus sind dort ja berühmt. Zwei der vier Säle sind auch schon ausverkauft. Auf der After-Party haben wir einen ganz besonderen Gast, der da gerade von seiner Australientour wiederkommt: DJ Hell, Urvater des deutschen Technos, legt auf. Der hat auch eine Cameo im Film. Er ist Bayern-Fan und zwischen denen und den VfL-ern besteht eine Fanfreundschaft. Im Film spielt er einen Killer auf eine skurrile und lustige Weise. Der Film überhaupt hat Humor, den kannst du gar nicht schreiben.

Wieso?

Bei so scheiß Sketchen und Drehbüchern ist die Komik oft zwanghaft. In diesem Streifen ist das viel spontaner, also richtige Situationskomik. Einfach weil ich mit zwei Laien in den Hauptrollen arbeite. Bei der Party-Szene mit DJ Hell sagt er zum Tankwart: „Hey, was macht ihr denn hier?“ und beim Dreh hat der Tankwart dann einfach geantwortet „Wir drehen einen Film“ (lacht). Das ist dann einfach lustig.
Eine weitere Anekdote kann ich auch noch erzählen. Es gibt eine Szene, da fahren der Tankwart und Jesus auf den Strich. Der ist aber auf einer schönen Allee, die wir „Freudenallee“ taufen. Da gabeln die zwei Prostituierte auf und haben dann Sex mit denen. Der Dreh dazu war so gegen Mitternacht irgendwo am Kemnader See. Plötzlich kamen zwei Polizistinnen vorbei, weil denen gemeldet wurde, dass jemand einen Gangbang veranstalte. Die ganze Situation war einfach so skurril. VfL Jesus hat dann auch noch versucht, einer der Polizistinnen ein Autogramm anzudrehen (lacht).

Das Gewinnspiel:

Für die Premierenfeier des Ruhrpott-Roadmovies voller Sex, Bier und Fußball (am 8. Dezember im UCI Bochum) verlosen wir auf Facebook zwei Mal zwei Karten. Auf der Premiere erhalten die Gewinner dann noch ein Poster mit den Unterschriften der Darsteller.

Die Termine:

08.12. Weltpremiere im UCI Bochum 09.12. Pong im NRW Forum Düsseldorf 11. und 16.12. Metropol in Düsseldorf 13.12. Scala in Wesel 15., 16. und 17.12. Babylon in Berlin 18.12. UCI Hürth (Köln) 

Der Trailer: