Vertauschte Rollen: High Society

| Foto: © 2016 Warner Bros. Ent.

Wie schon bei ihrem Erstling „Traumfrauen“ probiert sich Anika Decker in „High Society“ an einer Liebeskomödie mit sozialkritischem Unterton. Aber auch der zweite Versuch geht gehörig nach hinten los.

Til Schweigers „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ stammen aus ihrer Feder, ebenso „Rubbeldiekatz“ von Detlev Buck und Karoline Herfurths erste Regiearbeit „SMS für dich“. Allesamt ziemlich erfolgreiche Filme, kein Wunder also, dass Anika Decker 2015 das erste Mal selbst auf dem Regiestuhl Platz nehmen durfte. Nach „Traumfrauen“ kommt mit „High Society“ nun ihr zweiter Film in die Kinos.

Einfach fallengelassen

Anabel von Schacht und Aura Schlonz kommen aus gänzlich unterschiedlichen Welten. Während Anabel im Luxus badet, in einer großen Villa wohnt und protzige Autos fährt, kann Aura von alledem nur träumen und sieht einen Porsche höchstens mal von innen, wenn ein treudoofer Kunde sie nach der Schicht im Supermarkt auf eine kleine Spritztour mitnimmt. Doch wie es der Zufall will, wurden die beiden vor 25 Jahren von zwei arglosen Krankenschwestern in ihren Kinderbetten vertauscht, sodass Anabel in Wahrheit Aura und Aura eigentlich Anabel ist. Geblendet vom plötzlichen Reichtum schließt sich Aura umgehend ihrer neuen/alten Familie an, die wiederum Anabel fallen lässt wie eine heiße Kartoffel, weshalb sich Anabel auf den Weg zu den Schlonzens macht. Der unumgängliche Kulturschock führt auf beiden Seiten zu diversen Komplikationen und Missverständnissen, inklusive dramatischem Liebeswirrwarr und tränenreichen Entschuldigungen. Doch am Ende, wie könnte es anders sein, ist natürlich alles wieder gut.

Oberflächlich und uninspiriert

Mit Sicherheit gab es schon originellere Ideen, als eine Komödie über zwei vertauschte Kinder zu schreiben, die in komplett unterschiedlichen Milieus aufwachsen. Doch tatsächlich ist die Rahmenhandlung nicht das Kernproblem von „High Society“, im Gegenteil. In den wenigen komischen Momente des Films werden die Unterschiede zwischen Mittelschicht und Geldadel durchaus amüsant karikiert. Das eigentliche Problem des Films ist vielmehr seine Inszenierung, die größtenteils ziemlich oberflächlich und uninspiriert gerät. Weder fehlt die obligatorische Fahrt mit dem offenen Cabrio noch die liebestolle Verfolgungsjagd übers Rollfeld, von der inflationären Verwendung der Zeitlupe ganz zu schweigen. Auch die Musikauswahl ist nur eingeschränkt originell, klingt der Soundtrack doch verdächtig nach der morgendlichen Radio-Playlist. Kombiniert ergibt das schlussendlich einen Film, der recht beliebig daherkommt und leider zu keinem Zeitpunkt richtig überzeugen kann. Conrad Rading

Start 14.9.
DEU 2017
R: Anika Decker
D: Emilia Schüle, Katja Riemann, Iris Berben