Film Noir in Kairo: Die Nile Hilton Affäre

| Foto: Port au Prince Pictures

Im Januar überzeugte „Die Nile Hilton Affäre“ bereits auf dem Sundance Film Festival und wurde mit dem World Cinema Grand Jury Prize: Dramatic ausgezeichnet. Im Oktober startet der Film endlich auch in den deutschen Kinos.

Kairo 2011. Inmitten des sich anbahnenden Aufstandes gegen den langjährigen Staatschef Husni Mubarak erschüttert ein grausamer Todesfall die ägyptische Hauptstadt. In einer Suite des Hotels Nile Hilton wird die bekannte Sängerin Lalena leblos aufgefunden. Während die örtliche Polizei den Fall schnell als Selbstmord zu den Akten legt, vermutet der Polizist Noredin Mostafa (Fares Fares), dass mehr hinter der Tat stecken könnte. Da seine Vorgesetzten ihm kein Gehör schenken, beginnt er, auf eigene Faust zu ermitteln. Bei seinen Nachforschungen gerät Noredin jedoch selbst immer tiefer in einen Sumpf aus Lügen und Korruption, der sich bis in die obersten Kreise erstreckt.

Tarik Saleh liefert mit „Die Nile Hilton Affäre“ einen äußerst spannenden Polit-Thriller, einen modernen Film Noir, der bis zur letzten Minute fesselt. Zwar kommt die Geschichte um einen mal korrupten mal heldenhaften Ermittler nicht gerade innovativ daher (obwohl der Mordfall tatsächlich von realen Ereignissen inspiriert ist), doch eingebettet in die politische Ausnahmesituation des Arabischen Frühlings entfaltet der Film nach und nach eine ganz eigene Kraft. Denn ebenso wie sich der Fall im Verlaufe des Films seinem bedrohlichen Höhepunkt nähert, ist der immer stärker, immer intensiver werdende Protest der aufgebrachten Bürger fast im Gleichschritt zu beobachten. Am Ende schließlich kulminiert beides nahezu parallel in einem Meer von Fahnen, Demonstranten und brennenden Autos.

Doch Saleh beschränkt sich nicht darauf, die großen Konfliktlinien eines sich im Umbruch befindenden Landes zu dokumentieren. Auch für kleine, auf den ersten Blick banale Alltagssituationen findet er in seiner Erzählung Platz. So sorgen insbesondere vermeintliche Nebensächlichkeiten, wie etwa ein ständig defekter Fernseher, für ein hohes Maß an Authentizität, spiegeln sie doch die alltäglichen Sorgen und Probleme der Bürger wider.

All das fängt Kameramann Pierre Aïm mit eindrücklichen Bildern ein, unterstützt von einem ebenso elektrisierenden Soundtrack. Und auch die Darsteller wissen zu überzeugen, allen voran Fares Fares („Zero Dark Thirty“) in seiner ambivalenten Rolle des hin und hergerissenen Polizisten Noredin. Ein sehenswerter Film! Conrad Rading

Start: 5.10.
SWE 2017
R: Tarik Saleh
D: Fares Fares, Mari Malek, Yaser Maher