Kurzfilmtage Oberhausen 2018: Neuigkeiten und Highlights

| Still aus dem Film "From the Dark Depths", Kiri Dalena, Philippinen

Vom 3.-8. Mai flimmert es ganz gehörig in Oberhausen. Zum 64. Mal versammeln die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen zeitlich knappe, aber inhaltlich große Leinwandgedichte. Dieses Jahr erweitert sich das Filmfestival um vier brandneue Sektionen. Wir zeigen, welche Highlights man sich nicht entgehen lassen sollte.

Seit Jahren beschäftigen sich die Kurzfilmtage Oberhausen mit dem Verschwinden des Kinos. Konträr dazu steht die eigene Entwicklung des Festivals, wurden dieses Jahr doch erneut mehr Beiträge eingereicht, als je zuvor. Die Passion für das Format Film lodert also nach wie vor. Ausgewählt wurden 500 Filme aus 64 Ländern, die in 80 Filmprogrammen laufen und, wie es Festivalleiter Lars Henrik Gass auf der Pressekonferenz am 18.4. sagte „der eigenen Wahrnehmung der Welt neue Perspektiven gegenüberstellen“.

Still aus dem Film "Confluence" von Benjamin und Stefan Ramírez Pérez (eine Kölner Produktion) im Deutschen Wettbewerb

Highlights im breiten Programm sind etwa das Open Screening (6.5.), bei dem Filmmacher, die es nicht in den Wettbewerb geschafft haben, ihre Werke in einer bunten Wundertüte für mutige Filmentdecker zeigen oder das Projekt „Strangers on a Train“, bei dem eine Filmklasse aus Mainz auf der Fahrt von Mainz nach Oberhausen einen Film dreht, schneidet und entwickelt und direkt nach Ankunft im Oberhausener Hauptbahnhof vorführt (6.5.). Zudem gibt es Programme, die von Oberhausener Bürgern, von Flüchtlingen oder vom Jugendparlament der Stadt kuratiert wurden (alle 8.5.). Noch eine spannende Gelegenheit, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, ist das Programm „Greenland Now!“, das in verschiedenen Filmen Identitätsfragen junger Grönländer behandelt.  

Still aus dem Film "Fasse dich kurz!" von Johannes Klais und Florian Pawliczek aus Dortmund. Drehorte: Dortmund und Witten.

Und auch die Wettbewerbe der Kurzfilmtage florieren. Hilke Doering, Leiterin des Internationalen Wettbewerbs, vermerkt „mehr Einreichungen mit höherer Qualität als je zuvor.“ Die Auswahl sei daher noch schwieriger, aber auch interessanter geworden. „Wir zeigen 53 Filme – das sind gerade mal ein Prozent der Einreichungen. Alle ausgewählten Filme nutzen das Format des Kurzfilms optimal, indem sie in kürzester Zeit große Geschichten erzählen.“ Ähnliches gilt für den Deutschen Wettbewerb und den NRW-Wettbewerb, der dieses Jahr zehn Jahre alt wird. Gezeigt werden in dem beim Publikum äußerst beliebten Programm zehn Filme von Machern aus NRW, die sich laut Carsten Spicher, Leiter beider Wettbewerbe, „besonders gut als Einstieg für Festivalneulinge eignen“. Teil des NRW-Wettbewerbs ist zudem eine Bürgerjury, die in Kooperation mit dem WDR gecastet wird – bewerben kann man sich ab Anfang nächster Woche auf der Homepage des WDRs.

Still aus dem Film "Hello Rain", C. J. Obasi, Nigeria

Neu bei den Kurzfilmtagen sind im Jahr 2018 vier Sektionen, die sich laut Gass darum drehen, „die Komplexität, Vielfalt und Sinnlichkeit der analogen Filmkultur am Leben zu erhalten“. Im Detail: „re-selected“ untersucht verschiedene Kopien einzelner Filme aus den Archiven der Kurzfilmtage, „Labs“ bietet eine Plattform für Künstlerlabore, die sich mit dem analogen Film im Zeitalter des Digitalen beschäftigen, „Lectures“ bietet Filmmachern die Gelegenheit, auf der Schnittstelle von gesprochenem Wort und projiziertem Film zu agieren und „Conditional Cinema“ setzt sich mit „live cinema“ auseinander, eine Form des Filmvorführens, die live-Ereignisse miteinbezieht. Kuratiert wird diese Sektion vom finnischen Filmmacher Mika Taanila – ein Interview mit dem Künstler findet ihr im kommenden coolibri!

Selber interviewen können Besucher die Macher der Filme vor Ort, denn wie Hilke Doering betont: „Wir haben fast alle Regisseure und Macher vor Ort, die dem Publikum ihr Werk vorstellen und im Nachgang zum Dialog bereit stehen. Das geht nur auf Festivals – und nicht zu Hause am Tablet!“ Vorbeischauen ist (nicht nur) für Filmliebhaber also Pflicht! Lukas Vering

Tickets gibt es ab heute (18.4.) auf kurzfilmtage.de