Anna Karenina: Tolstoi im Film

Das Ehedrama „Anna Karenina“ zählt zu den ergreifendsten Werken der Weltliteratur und hat auch 140 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung nichts an Brillanz und Brisanz verloren. Nun wagt sich Joe Wright an eine weitere Verfilmung und kondensiert dabei 1 000 Romanseiten auf 130 Minuten intensives Kinoerlebnis.

Russland 1870: Die junge Anna (Keira Knightley) führt eine unglückliche Ehe mit dem deutlich älteren, gefühllosen Regierungsbeamten Alexei Karenin (Jude Law). Als sie den attraktiven Offizier Graf Vronsky kennen lernt, entscheidet sie sich, zerrissen zwischen tiefempfundener Liebe und der Moral der damaligen Zeit, schließlich für den Geliebten, verlässt ihre Familie und fordert die Scheidung. Die gesellschaftliche Ächtung, die Trennung von ihrem kleinen Sohn und das wachsende Unverständnis Vronskijs für ihre Verzweiflung treiben die junge Frau jedoch in eine Lage, aus der es am Ende nur einen Ausweg gibt.

Wright siedelt die Handlung zu großen Teilen in einem alten Theater an, das omnipräsent als Metapher für die russische Gesellschaft jener Zeit steht, in der alles dem Schein untergeordnet war. Mit der Vermischung von Film, Theater, Oper, atemberaubenden Kostümen und Kulissen sprengt er alle Kinodimensionen, ohne je den Sinn für die kleinen Nuancen zu verlieren.

F/GB. 2012. R: Joe Wright.

D: Keira Knightley, Kelly MacDonald