Film ab! Filmfestivals im November

Scharf auf die Lüdia: „Käpt’n Oskar“ in Lünen

Welcher Monat eignet sich besser dazu, es sich im warmen Kinosaal so richtig gemütlich zu machen als der nasskalte November? Sozusagen als Antwort auf diese eigentlich rhetorische Frage locken zum Glück in diesen Wochen einige hochkarätige Filmfestivals in der Region Groß und Klein gleichermaßen vor ihre großen und kleinen Leinwände!

Tage des russischen Films

Anfang des Monats feiert in der Lichtburg ja der auch in Lünen laufende Musikfilm „Im Weißen Rössl“ seine Deutschlandpremiere (7.11.), gegen Ende des Monats ist „Russland zu Gast in Essen“ und bringt die Deutschlandpremiere von „Legende Nr. 17“ in die Lichtburg (24.11.). Zudem stellen Top-Models aus Sibirien farbenfrohe Kreationen chakassischer Modedesigner vor. Weitere russische Filme laufen im noch bis zum 28.11. im Essener Filmkunsttheater Astra. Womit für einen interessanten Abschluss des herbstlichen Kino-Karussels im November gesorgt sein dürfte!

Schon vorbei:

Kinofest Lünen

Einer der ganz großen Höhepunkte wartet gegen Ende des Monats aufs Kinopublikum, wenn in der Lüner Cineworld das Festival für deutsche Filme“ mit der Weltpremiere des Roadmovies „Der letzte Mensch“ mit Mario Adorf eröffnet wird. Vom 21.–24.11. gehen hier unter anderem sieben Spielfilme und drei Dokus von Newcomern in den Wettstreit um den Publikumspreis Lüdia, beispielsweise die improvisierte Beziehungsdramödie „Käpt’n Oskar“ und oben erwähntes „Ödland“. Außerhalb des Wettbewerbs werden beispielsweise der Episodenfilm „Finsterworld“ mit Corinna Harfouch sowie Axel Ranischs witziger „Ich fühl mich Disco“ gezeigt. Als historische Bonbons überraschen zudem Dominik Grafs „Das zweite Gesicht“ von 1981 und die lustige Premiere des eigentlich nie fertiggestellten Heimatfilms „Das Dorf in der Heide“ von 1956!

Und im Kinder- und Jugendfilmwettbewerb „Rakete“ gibt’s nicht nur ein Wiedersehen mit Publikumsliebling Axel Ranisch (dessen Großmutter übrigens Covergirl des diesjährigen Festivalplakats ist und der seinen schrägen Kinderfilm „Reuber“ vorstellt), sondern auch „Die schwarzen Brüder“ mit Moritz Bleibtreu zu sehen. In der beliebten Sonntags-Matinee wird die Neuverfilmung des Singspiels „Im Weißen Rössl“ aufgeführt, und am 24.11. endet das 24. Kinofest mit der feierlichen Preisverleihung und der Galavorstellung des deutsch-israelischen Spielfilms „Youth“.

Blicke

Leider genau gleichzeitig findet ein paar Städte weiter, nämlich in Bochum, das „Filmfestival des Ruhrgebiets“ statt. Am 21.11. lädt zum 21. Mal das Bochumer Endstation-Kino mit Sekt und Snacks zur feierlichen Eröffnung. Bis zur Preisverleihung am 24.11. werden im Wettbewerb – und bei Aus-Blicke (Filme außer Konkurrenz) – so viele internationale Filme gezeigt wie noch nie: Die Filme nehmen den Zuschauer mit in die iranische Wüste und nach Aserbaidschan, und wieder zurück nach Deutschland: nach Oberhausen, in die Dortmunder Nordstadt und nach Bochum. Wo natürlich Fußball gespielt wird („Weltklasse Kreisklasse“). Schon vor (12. und 15.11.) und während des Festivals bieten die „Blicke“ übrigens auch ein spezielles Programm fürs ganz junge Publikum: Kindergärten sind zu einem mit Spielen begleiteten Filmprogramm eingeladen: schauen, fragen, mitmachen!

Duisburger Filmwoche

Den Anfang des diesmonatlichen Lichtspielreigens macht vom 4.–10.11. das „Festival des deutschsprachigen Dokumentarfilms“ im Filmforum am Dellplatz, das bildgewaltig wie nie zuvor daherkommt. Hervorgehoben aus dem Riesenfüllhorn faszinierender Dokus seien an dieser Stelle nur „Cantos“ am 6.11. (vier Schicksale aus Kuba) und das sensible Porträt „Ödland – Damit keiner das so mitbemerkt“ über den Alltag von Flüchtlingskindern am 7.11. (beide Filme laufen jeweils schon um 10 Uhr morgens). Spätabends (nämlich jeweils nach Mitternacht) lockt dann aber die „Nightline“ ins Grammatikoff. Das werden lange Tage und Nächte hier in Duisburg für die Erwachsenen, während die Kinder zur gleichen Zeit im vielfältigen Programm von „doxs!“ der Frage „Muss man eigentlich immer so sein wie alle anderen?“ nachgehen und den Preis „Große Klappe“ verleihen können. Ausgewählte Beiträge des Duisburger „doxs!“-Programms werden übrigens auch am 6.11. im Bochumer Endstation-Kino und am 7.11. im Dortmunder U zu sehen sein. Am 10.11. geht die Filmwoche dann unter anderem mit „Der Schmetterlingsjäger“ und das „doxs!“-Festival mit „Justus – Bauernhof ist cool“ zu Ende.

Industriefilm Ruhr

Ebenfalls am 10.11. verspricht die 11. Auflage von „IndustrieFilm Ruhr“ wieder einen exklusiven Blick auf historische Filmschätze aus dem Ruhrgebiet. Unter dem Motto „Stahl, Chemie und Energie“ zeigen der Regionalverband Ruhr, die Kinemathek Ruhrgebiet sowie Archive der Region an diesem Sonntag im Essener Filmstudio Glückauf elf Filme aus vier Jahrzehnten. Die Veranstaltung findet übrigens nur alle zwei Jahre statt und widmet sich diesmal unter anderem einem Hüttenwerk am Rhein, der Arbeit der Bergleute unter Tage, dem Zechensterben an der Ruhr und dem Alltag in einem Chemiewerk.

Unlimited

Einen etwas weiteren Weg muss zurücklegen, wer das „Kurzfilm-Festival Köln“ besuchen möchte. Vom 14.–17.11. stellt „Unlimited #7“ neben einer Auswahl aktueller deutscher Produktionen die geilsten Shorts der Kölner Szene vor. Hinzu kommen zahlreiche Sonderprogramme: Das Kurzfilmfestival „Tampere“ präsentiert die besten finnischen Talente des Jahres; in Zusammenarbeit mit dem Filmfestival Deutschland/Türkei zeigen die Kölner aktuelle türkische Produktionen. Ein Rahmenprogramm mit Workshops und Partys lädt zudem zur Begegnung von Filmemachern mit ihrem Publikum ein.

NRW-Kinotag

Sozusagen stolz in der Mitte dieses ereignisreichen Monats prangt diese landesweite Veranstaltung, bei der über dreißig Kinos das heimische Filmproduktionsland in seiner ganzen Bandbreite präsentieren sollen. So zeigt das Bochumer Endstation-Kino „Die Familie mit den Schlittenhunden“ und „Die mit dem Bauch tanzen“, in Dortmund werden in der Schauburg „Bang Boom Bang“ und im SweetSixteen-Kino „King Ping“ und „Der blaue Tiger“ serviert, das Hagener Kino Babylon bringt „Wir die Wand“ auf die Leinwand, und in Oberhausen werden im Kino im Walzenlager Kurzfilme und in der Lichtburg die „Vorstadtkrokodile“, der „Sound of Heimat“ und „Trainer!“ präsentiert.

26.–29.11. Heinrich-Heine-Universität und Filmmuseum, Düsseldorf

In Kürze: Filmfest Düsseldorf

Wer denkt, einen Kurzfilm zu machen sei weniger anspruchsvoll als einen 90-Minuten-Streifen, ist auf dem Holzweg. Im Gegenteil. Innerhalb kürzester Zeit eine Geschichte zu erzählen, die ebenso unterhaltsam wie glaubwürdig daherkommt, ist eine Kunst für sich. Zahlreiche Kurzfilmfestivals in aller Welt zollen mittlerweile dem zeitsparenden Genre Tribut, darunter auch das Filmfest Düsseldorf. Seit [mehr...]