E wie Exzess: Internationales Frauenfilmfestival

Szene aus "Young and Wild"

Exzess All Areas: Der thematische Schwerpunkt des diesjährigen Frauenfilmfestivals, das im biennalen Wechsel stets zwischen Köln und Dortmund pendelt, war schnell gefunden. Vor allem am Hauptschauplatz im Dortmunder U, aber auch an diversen anderen Orten in Dortmund flimmern vom 9. bis zum 14. April wieder jede Menge Kino-Highlights über die Leinwände. Wir freuen uns auf starke Frauen und zahllose cineastische Exzesskapaden!

E wie Eröffnung

Los geht’s am 4.4. (19 h) im CineStar am Hauptbahnhof mit „Ginger & Rosa“, dem neuen Film von Sally Potter (die manch einer ja noch von ihrer kultigen „Orlando“-Adaption aus den Neunzigern her kennt). Ginger-Darstellerin Elle Fanning hat sich zuletzt durch den Kinoerfolg mit „Super 8“ als eine der talentiertesten Newcomerinnen Hollywoods etabliert, und Sally Potter, die selber bereits mit 14 Jahren ihren ersten Super-8-Film drehte, serviert zum Einstieg in das Festival ein packendes Teenie-Drama um die Aufs und Abs einer Mädchenfreundschaft im London der frühen Sechziger. Ein hinreißender Eröffnungsfilm um die Lebenswelten zweier jugendlicher Rebellinnen, der den Sechs-Tage-Marathon sehenswert einläutet.

Die Lebenden

E wie Entscheidung

Die glorreichen Acht sind in diesem Jahr acht Filme aus acht Ländern, die im Internationalen Spielfilmwettbewerb gegeneinander antreten: Neben dem laut Festivalleiterin Silke Räbiger „sehr spannenden und berührenden“ Ösi-Film „Die Lebenden“, in dem die 25-jährige Sita von der SS-Vergangenheit ihres Opas erfährt, der Low-Budget-Produktion „In The Name Of“ um einen schwulen Priester in der polnischen Provinz, dem vietnamesischen Beitrag „Mothers Soul“ (Räbiger: „eine Rarität!“), der „intensiven Mileustudie“ um die Rotterdamer „Snackbar“ von Ali, in der vor allem marokkanische Jugendliche abhängen, sowie dem türkischen „Watchtower“, den „Children of Sarajevo“ und einem Roadmovie um zwei holländische Mädels, die sich in den USA auf die Suche nach ihre Mutter, der Aussteigerin „Jackie“ (Holly Hunter als Althippie), begeben, werden in dem koreanischen Thriller „Pluto“ die arg gedrillten Schüler eines Elite-Internats mit horriblen Intrigen konfrontiert.



E wie Erfahrung

Außerhalb des Wettbewerbs gibt’s neben Dokus wie „Die 727 Tage ohne Karamo“ (über binationale Liebespaare) sowie Kurzfilmen wie „The Capsule“ und Klassikern wie „Variety“ natürlich auch etliche zeitgenössische Spielfilme zu begutachten, die sich oftmals schmerzhaften Erkenntnissen widmen: So begibt sich in „Leones“, einer argentinischen Mixtur aus Coming-of-Age-Drama und Teenie-Slasher, eine Truppe von Jugendlichen auf existentielle Sinnsuche: Im Wald, da warten unterschwellige Konflikte und böse Überraschungen!

E wie Erschöpfung

Wer nach all den anstrengend und aufregenden Erfahrungen wie der musikalisch-autobiographischen Doku „Peaches Does Herself“ und dem ebenso musikalischen Künstlerporträt „The Ballad of Genesis & Lady Jaye“ geschlaucht im Kinositz zusammensackt, der fühlt sich vielleicht beim Themenabend „E wie Erschöpfung“ am 12.4. (18.15 h) in der Schauburg gut aufgehoben. Wer nicht ganz so ausgelaugt ist, kann sich derweil getrost an gleichem Abend (20 h) in die „Lange Filmnacht“ im sweetSixteen begeben! Oder sich einen Tag später zusammen mit der strenggläubigen Protagonistin des chilenischen „Young And Wild“ erst in die schöne neue Welt der Internet-Blogs und dann in eine leidenschaftliche Affäre mit ihrer Freundin!

E wie Ergänzung

Ergänzt wird das pralle Programm durch Extras wie Weitergbildungsangebote für Filmschaffende, den Filmworkshop „Girl’s Focus“ für junge Frauen und das Schulfilmangebot. E wie Ende ist dann am Sonntag, den 14.4. (19 h): Nach der Verleihung des mit 25 000 Euro dotieren Preises hat man dann noch einmal die Gelegenheit, sich den Gewinnerfilm zu Gemüte führen zu können. Lassen wir zu guter letzt aber noch Festivalkuratorin Stefanie Görtz zu Wort kommen: „Die Filme sind natürlich auch für Männer sehr interessant!“ Na dann: Film ab!

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