The Master: Sinnstiftende Scharlatanerie

Da Tom Cruise seinerzeit in Paul Thomas Andersons Meisterwerk „Magnolia“ die wohl beste schauspielerische Leistung seiner Karriere abgeliefert hat, hätte es sich ja regelrecht angeboten, ihm jetzt auch die Rolle des Sektengurus Lancaster Dodd in Andersons neuem Film anzubieten. Doch vermutlich hätte das Scientology-Netzwerk seinem Vorzeige-Schäfchen die Rolle ohnehin verboten. Und höchstwahrscheinlich ist Philip Seymour Hoffman eh die bessere Wahl.

P. T. Anderson ist bekanntermaßen ein Regie-Virtuose mit ureigener Handschrift. Wenn er sich auf ein Projekt einlässt, dann kann man in jedem Fall etwas Besonderes erwarten. Die Fallhöhe nach dem allseits umjubelten „There Will Be Blood“ ist zwar sehr hoch, doch seine außerordentliche Fähigkeit, Kino-Bildern und -Szenen dermaßen viel Emotionalität zu verleihen, dass sie den Zuschauer in die schier plastisch anmutende Atmosphäre des Streifens hineinziehen, stellt Anderson in „The Master“ erneut eindrucksvoll unter Beweis.

San Francisco 1950: Joaquin Phoenix ist als Freddie Quell ein echter Kotzbrocken. Er trinkt in einer Tour, hat Affären ohne Ende, und seine gefühlsmäßige Labilität ist sozusagen die einzige Konstante seines Lebens. Deren Ursache wird pauschal zum Kriegstrauma erklärt, und jeder Versuch, sich wieder in die normale Berufswelt einzufinden, scheint vergebens. Freddie streunt ziellos durch die Welt und trifft schließlich auf Lancaster Dodd, den alle nur ehrfürchtig den „Master“ nennen. Er ist der Führer einer Sekte namens „The Cause“ – intelligent, intellektuell, interessant. Angezogen vom Charisma Dotts findet Freddie endlich Orientierung, wird Teil der Gemeinschaft und zum Schoßhündchen des Gurus. Doch nach anfänglicher Bewunderung kommen ihm Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Meisters und seiner Lehren. Zwischen Schützling und Chef entbrennt ein gefährliches Machtspiel um Kontrolle, Leidenschaft und pseudo-sinnstiftende Selbstfindungs-Erfahrungen.

Schamane oder Scharlatan? Keine Frage ist, dass „The Master“ ein nahezu perfektes Drama geworden ist, mit oscarreifen Schauspielleistungen und einer brillanten Nostalgie-Fotografie in jenem imposanten 65mm-Format, das seit Jahren von keinem Filmemacher mehr verwendet wurde. Leider fehlt der Handlung mitunter aber auch ein klarer roten Faden und gelegentliche Filmsprünge irritieren den Zuschauer dann doch.

USA 2012. R: Paul Thomas Anderson
D: Joaquin Phoenix, Philip Seymour Hoffman, Amy Adams

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The Master im Kino