Shame: Sexsucht & Selbstzerstörung

„Shame“ porträtiert und inszeniert kunstvoll und kühl die Story eines sexsüchtigen New Yorker Yuppies, der sich durch seine ebenso erotischen wie eigentlich einsamen Eskapaden ein Gefängnis aus Scham, Schmerz und Selbsthass erschafft, dem er letzten Endes nicht mehr entfliehen kann. Ein enorm eindruckvolles existenzielles Drama – und nicht nur laut Dietmar Dath von der FAZ eine „stilsichere Exkursion in die nackte Verzweiflung“.

Brandon („Magneto“ Michael Fassbender) ist auf den ersten Blick ein smarter Geschäftsmann in den Dreißigern, der nach außen hin glänzend funktioniert. Sein Umfeld ahnt nicht, das hinter seiner attraktiv schillernden Fassade ein Charakter steckt, der abhängig von oberflächlichen Sexabenteuern und Unverbindlichkeit ist. Von echter emotionaler Intimität und festen Beziehungen hält Brandon nicht viel, er gabelt One-Night-Stands auf, verkehrt mit Prostituierten, hat einen PC voller Hardcorefilmchen und zahllose belanglose Affären. Brandon verliert sich zunehmend in Pornofantasien und der Anonymität der Großstadt, doch sein gut kontrollierter Rhythmus droht zusammenzubrechen, als seine psychisch labile Schwester Sissy (Carey Mulligan aus „Drive“) plötzlich auftaucht und sich bei ihm einquartiert.

Nach ihrem Einzug kann Brandon nicht weitermachen wie bisher. Ihn zerfrisst die Eingeschränktheit seiner Privatsphäre und seiner sexuellen Bedürfnisse. Mit wachsender Interaktion der beiden Geschwister schreitet die Geschichte unaufhaltsam in die Eskalation.

So wenig greifbar die Figuren auch erscheinen, so großen Körpereinsatz zeigen jedoch die Darsteller, die dem Film somit eine raue Physis verleihen, die die Ursachen im Verborgen belässt. Insgesamt ein intensives Meisterwerk, das den Zusacheuer verstört und schockiert – und ihn am Ende wie betäubt aus dem Kino entlässt.

EMB

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