Three Billboards Outside Ebbing, Missouri: Brisante Ambivalenz

| Foto: 2017 Twentieth Century Fox

Drei Plakatwände knapp außerhalb ihrer Heimatstadt Ebbing im US-Bundesstaat Missouri mietet Mildred Hayes, um darauf in großen Lettern den örtlichen Polizeichef zu fragen, warum der Mord an ihrer Tochter immer noch nicht aufgeklärt wurde.

Der aufgewirbelte Staub, der anfangs nur leichte Verstimmungen im Polizeirevier verursacht, verwandelt sich dabei rasant in einen reißenden Tornado aus Wut, Schuld, Schmerz und Verantwortung, der an allerlei Grundfesten zerrt. Fortan erlebt der Zuschauer ein Puzzlespiel verschiedener Protagonisten, deren Perspektiven und Charaktere verstanden werden wollen. Faszinierend ist dabei, wie die Geschichte nie auch nur eine Figur zum strahlenden Helden oder miesen Tunichtgut erhebt, sondern das Dunkle und das Helle in ihnen erkennt. Ist Mildred etwa eine beeindruckende Frau, die mit taffen Ansagen und einer No-Bullshit-Attitüde nur nach ihren eigenen Prinzipien durchs Leben stampft, so ist sie gleichzeitig aber auch unsensibel, kompromisslos und verroht. Und doch ist da immer etwas profund humanes im Kern dieser knallharten Dame, dass Schauspielerin Frances McDormand auf brillante Art hervorkehrt. Gleiches gilt auch für den Film selbst: So wunderschön cineastisch er anzuschauen ist, so erbarmungslos unschön geht er mit seinen Protagonisten zu Werke.

Foto: 2017 Twentieth Century Fox

Doch letztlich, und das ist das Geniale an „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, belässt es der Film nicht bei der bloßen Feststellung von Ambivalenz, sondern illustriert, dass wir selber als Menschen es sind, die sich für Hass und Wut oder für Liebe und Mitgefühl entscheiden. Hinter jeder der etlichen Wenden, die die Geschichte wagt, lauert eine dieser Entscheidungen, die nicht nur die Figuren im Film, sondern auch uns als Zuschauer fragt, wie wir reagieren wollen. Wie wir den Dingen begegnen, mit denen uns das Leben konfrontiert, ist gerade in unserem aktuellen politischen und gesellschaftlichen Klima eine hochbrisante Thematik, die hier hin und her gewälzt und schonungslos zur Diskussion gestellt wird. Denn was falsch und was richtig ist, dass will der Film nicht für uns entscheiden.

Foto: 2017 Twentieth Century Fox

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ lebt von diesem verdammt gut inszenierten Konflikt, der hier von wirklich beachtlich verdammt guten Schauspielern ausgetragen wird. Und, nicht zu vergessen, von einem schamlos düsterschwarzen Humor gewürzt wird. Das Geflüster um Oscar-Nominierungen und die schon vorweisbare, ellenlange Liste an ergatterten Nominierungen und Ehrungen kommt definitiv nicht von ungefähr. Lukas Vering

Start: 25.1.
USA 2017
R: Martin McDonagh
D: Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, Lucas Hedges