Ilias Ntais über seinen Film JazzSoup

| Foto: Grend

Die geheime Zutat

Ilias Ntais beschreibt sich selbst als „Dirigent eines Software-Orchesters“. Auf der Suche nach Inspiration für sein Orchestermanagement-Programm „Orchestar“ verfiel der Ingenieur, Projektmanager, Musiker und Programmierer dem Jazz-Kollektiv „The Dorf“.

Monatelang begleitete er die rund 30 Musiker starke Truppe mit der Kamera bei Proben und auf Tour. Der daraus entstandene Film „JazzSoup“ feiert am 21. Februar Premiere im Dortmunder Jazzclub domicil. Max Florian Kühlem bat den Regisseur vorab zum Interview.

Warum sollte man sich einen Film über ein Jazz-Orchester ansehen?

Weil er die Besonderheiten des Ruhrgebiets abbildet über die Musik, die hier gespielt wird. Ich wohne mittlerweile in Köln, habe also den Blick von außen, und finde es immer wieder interessant, dass die Leute hier ihre eigene Region so uncool finden. Weil Dortmund ja nicht Berlin ist. Sie ignorieren, dass hier so spannende Sachen passieren wie „The Dorf“.

Was ist so spannend an „The Dorf“?

Die Gruppe wird immer als Big Band klassifiziert, aber das ist sie eigentlich nicht. Für mich ist sie eine der interessantesten Bands weltweit, aber man kann sie in keine Schublade stecken. Unter der Leitung des Saxophonisten Jan Klare kommen erstklassige Musiker zusammen, die Lust und Spaß am Spielen haben – ohne auf die Uhr zu sehen. Das ist der Unterschied zu einem klassischen Orchester: Da treffen sich alle pünktlich und halten die Klappe – bei „The Dorf“ wird erstmal locker gemeinsam gegessen.

Deshalb der Titel „JazzSoup“?

Ja, das ist ein festes Ritual von „The Dorf“. Jan Klares Frau kocht für jede Probe eine leckere Suppe. Ein Teil des Films zeigt in einer Art Roadtrip, wie sie von Münster ins Ruhrgebiet transportiert wird. Die Suppe, auf die sich alle tierisch freuen, ist eine Motivation für die Musiker. Sie ist die geheime Zutat, die beim Spielen alle im Bauch haben. Wie den Zaubertrank bei Asterix und Obelix.

Warum haben Sie den Film in Schwarzweiß gedreht?

Ich wollte ästhetisch zurück gehen zu den Musikdokus der 50er Jahre. Wenn man den Film sieht, wird man nicht genau wissen, ob er damals oder heute spielt, was ihm etwas Zeitloses verleiht.

Was wird die Filmpremiere besonders machen?

Teil des Konzepts ist, dass die Musiker selbst den Film am Abend zum ersten Mal ganz sehen. Er ist angelegt wie eine visuelle Begleitung eines „The Dorf“-Konzerts, der auch die Geschichte der Band erzählt. Und danach tritt sie natürlich noch auf.

thedorf.net

JazzSoup Trailer

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