Hände hoch, das ist ein Überfall!

Hände hoch! Aber nur mit Seifenblasenpistole! | Fotos: Anna Dörnemann

„Wir versacken immer wieder gerne im Bermudadreieck“, verkündete Jupiter Jones Frontmann Nicholas Müller gestern Abend. Damit hat er gleich mal den Zustand des Samstags bei Bochum Total zusammengefasst: Versacken, das jedoch oftmals unfreiwillig. Gerade ab 18 Uhr war es stellenweise so voll rund um die Open-Air Bühnen, dass es an jeder Ecke stockte und Warten angesagt war. Wir waren da aber knallhart: Augen zu und durch!

Mit Blockflöte zum Stimmungsmacher

Um Punkt 18.15 Uhr starteten Abby – mit viel Beat und viel guter Stimmung. Die Massen direkt vor der Bühne wollten noch nicht so recht in die Gänge kommen. Für Abby stellte das rein gar kein Problem dar! Wechselseitig wirbelte jedes Bandmitglied begeistert über die Bühne, tanzte, animierte zum Klatschen oder trommelte wild mit auf den Drums herum. Wer hätte gedacht, dass diese Band – teils doch sehr schmächtig in ihren Röhrenjeans wirkend – eine solche Stimmungskanone ist? Wir jedenfalls nicht. Musikalisch glänzten sie mit Vielfältigkeit. Wo andere Indie-Bands lediglich zur Gitarre oder dem Keyboard greifen, packten die vier Herren aus Berlin einfach mal die Blockflöte oder das Cello aus. Dadurch wurde ihr ganzer Sound raffinierter; entfaltete sich eine Live-Dynamik, die auch die Trantüten in den vorderen Reihen wachrüttelte. Abby. Definitiv für uns einer der Highlights des Festivals. Aber davon gab es am gestrigen Tage ja noch so einige. Also weiter im Programm.

Abby heizen die Massen an.

Von Abby ging es gleich rüber zu Apologies, I have none. Frischer und vorpreschender Punk Rock aus England wurde auf der Ringbühne aufgetischt. Die Briten hatten sichtlich Spaß an ihrem Auftritt und boten dem Publikum gerne mal ihren Gin Tonic an, der sich während des Gigs einverleibt wurde. Einige der Bandmitglieder sahen schon reichlich mitgenommen aus. Wobei wir uns fragten, ob die rotglühenden Köpfe schlichtweg von der Verausgabung kamen, der knallenden Sonne oder einfach dem Getränk in den Plastikbechern der Jungs geschuldet waren. Sei´s drum. Der Auftritt machte Bock. Nach all der Tanzerei legten wir eine kurze Verschnaufpause ein, bevor wir zu Maxim rüber gehen wollten – was ein großer Fehler war.

Rund um die 1LIVE-Bühne ging 20 Minuten vor Beginn des Konzertes gar nichts mehr. Im Stop-and-go-Verfahren versuchten wir uns unseren Weg durch die Massen zu bahnen, aber bis ganz vor die Bühne schafften wir es nicht mehr. Sehen konnten wir trotzdem einigermaßen gut. Maxim lieferte solide Popnummern mit Hip Hop Einflüssen ab, die gut zum lauen Sommerabend passen wollten. Richtig ab ging es derweil vor und auf der Ringbühne.

Die Massen strömen.

Dort gaben sich die Kölner Jungs von KMPFSPRT die Saiten in die Hand. Hier wurde wieder ordentlich gebechert. Dieses Mal Rum Cola: „Wer hat gestern noch so viel getrunken, dass er nicht dachte, heute kommen zu können?“. Offensichtlich hatten nämlich so einige der Bandmitglieder am Freitag zu tief in ihre Becher geschaut. Trotz Kater schrammelte und sang – teilweise schon hörbar heiser – sich die Band durch ihre Setlist und präsentierte einen ganz neuen Song, der passenderweise das Wörtchen „durchdrehen“ im Text eingebaut hatte. Leisere Töne wurden derweil an der Sparkassen-Bühne angeschlagen. Der Bochumer Musiker Tommy Finke präsentierte sich ganz unaufgeregt mit Akustikgitarre und – wieder kam ein Instrument hinzu, das wir beim bisherigen Verlauf von Bochum Total noch nicht gesichtet haben – Mundharmonika. Offensichtlich scheint auch Finke – wie die Mitglieder von Abby – ein Freund des Cellos zu sein. Das untermalte nämlich so einige seiner Stücke, die von schönen und sich entfaltenden Melodien getragen wurden. Finke setzte immer wieder lokale Akzente, sang beispielsweise darüber, dass er sein Herz in Haldern verloren habe. Gott sei Dank, hat der gute Tommy dieses für seinen gestrigen Auftritt wieder gefunden. Denn in seiner Performance steckte definitiv das Herz eines Vollblutmusikers. 

Bochum Total - eine sichere Bank

Aus dem Fehler vor dem Maxim Konzert gelernt, gönnten wir uns nach Tommy Finke keine Pause, sondern machten uns schnurstracks auf den Weg zur 1Live-Bühne, wo um 20.45 Uhr der Hauptact des Abends anzutreffen war: Jupiter Jones. Mit viel Geduld schafften wir es tatsächlich noch vor Beginn des Auftrittes nach ganz vorne. Angeblich hätte Frontmann Nicholas mal gesagt, dass es drei Konstanten in seinem Leben gäbe: Seine Frau, die Musik und Bochum Total. So abwegig scheint diese Aussage gar nicht, spielte die Band 2013 ihren bereits fünften Gig bei Bochum Total. Richtig gut gelaunt und in Feierstimmung, eröffnete Müller die Show mit den Worten: „Bochum, Hände hoch! Das ist ein Überfall!“. Brav rissen alle Zuschauer ihr Flossen in die Höhe.

Das neue Album steht bereits in den Startlöchern.

Ein anderer deutscher Musiker, der ebenfalls gerne mit seinem Publikum kommuniziert, spielte parallel zu Jupiter Jones auf der Sparkassen-Bühne: Honig. Wer sich den großen Act des Tages geklemmt hatte, um Herrn Honig zu begutachten, wird dies gewiss nicht bereut haben. Mit rauer aber warme Stimme sang sich der Musiker direkt in unser coolibri Herz; sorgte für eine kuschelige und lauschige Atmosphäre an diesem so schönen Sommerabend. Wie manche seiner Vorgänger Bands, hatte auch Honig so einige Musikinstrumente im petto. Es seien nur mal ein paar genannt: Akkordeon, Banjo, Xylophon oder Klarinette.

Grinsebacke Stefan Honig.

Singer/Songwriter gibt es mittlerweile zuhauf, und trotzdem hebt sich Honig mit seiner Mischung aus Indie, Pop und Neo-Folk doch von den meisten anderen ab. Was auch der Tatsache geschuldet ist, dass der Mann einfach unheimlich sympathisch und herzlich rüberkommt. Kein Wunder, war er doch ehemals Kindergärtner. Wir jedenfalls waren dankbar dafür, dass wir den Abend nach all dem Gewusel und Gelaufe ruhig ausklingen lassen konnten. Honig. Neben Abby unser Highlight des Tages.

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